Jürgen Deusch aus Seelbach repariert Oldtimer

„Vorkriegsmodelle sind meine Welt“

Jürgen Deusch hat sein Hobby zum Beruf gemacht und setzt in seinem Betrieb in Seelbach Oldtimer in Stand.

SEELBACH. Die Karosserie auf der Hebebühne hat bereits einige Jahrzehnte auf dem Buckel, das ist ihr anzusehen. "Ein EMW", sagt Jürgen Deusch und fügt, als er den fragenden Blick seines Gegenübers bemerkt, erklärend hinzu, "eigentlich ein BMW, im früheren BMW-Werk Eisenach in den 50er Jahren gebaut. Die Autos durften in der DDR nicht mehr BMW heißen, deshalb EMW, Eisenacher Motorenwerke. Deusch hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht, zumindest zur Hälfte. In seiner Werkstatt in Seelbach repariert und restauriert er mit seinen drei Mitarbeitern Oldtimer und macht sie wieder fahrbereit.

"Die Leute sehen mich, wenn ich mit einem Oldtimer auf einer Probefahrt durchs Dorf fahre. Und es gibt immer noch Leute, die glauben, wir reparieren nur Oldtimer", erzählt Deusch. Dabei ist das lediglich das zweite Standbein des Betriebs, das aber immerhin etwa die Hälfte ausmacht. Für den 38 Jahre alten Betriebsinhaber sind Oldtimer jedoch eine Leidenschaft, aber nicht nur sie. "Mich fasziniert alles Alte", verrät er. Die alte Uhr, die an der Wand hängt, ebenso wie die alte Dampfmaschine, die vor einigen Jahrzehnten sicher mal als Weihnachtsgeschenk unterm Tannenbaum gelegen hat, oder die alten Märklin-Modelle neben alten Typenschildern, alte Tachos, alte Lenkräder und, und, und... in den Vitrinen in Deuschs Büro.

Infiziert worden mit dem Virus Oldtimer ist Jürgen Deusch von seinem Vater Karl-Heinz. Aus Hornberg stammend, hatte der zunächst eine Tankstelle in der Schwarzwaldstraße, dann in der Geroldsecker Vorstadt. In der Werkstatt dahinter hat Jürgen Deusch mit 13 sein erstes Auto zerlegt – nicht im heutigen Sprachgebrauch, sondern in seine Einzelteile. "Irgendwann war ich nur noch in der Werkstatt", erzählt er und hat folgerichtig 1989, ein Jahr vor dem Umzug nach Seelbach, bei seinem Vater eine Lehre als Kraftfahrzeugmechaniker begonnen, noch richtig mit Löten, Schleifen, Vergaser und Ventile einstellen, Metall bearbeiten. "Den Kraftfahrzeugmechaniker in diesem ursprünglichen Sinn gibt es heute nicht mehr. Es gibt nur noch den Problemfinder, das ist meist der Meister, der dann sagt, was ausgetauscht werden muss. "Mein Vater hat sein Hobby zum Beruf gemacht und bei mir ist es ebenso", sagt Jürgen Deusch.

Aber welches Auto darf sich nun eigentlich Oldtimer nennen? Jedes Auto, das älter ist als 25 Jahre, also inzwischen auch der Einser Golf, der Opel Rekord oder der A-Kadett. Jürgen Deusch hat sich auf Vorkriegs-BMWs spezialisiert und in den zurückliegenden zehn Jahren viele in Stand gesetzt. Auch aus dem Ausland hat er Kunden, aus Paris hat einer sein Gefährt in die Werkstatt in Seelbach gebracht, im vergangenen Jahr sogar einer aus Portugal. "Es spricht sich rum, wer sich auf bestimmte Typen und Modelle spezialisiert hat", sagt er.

Kein Problem ist es heute, Ersatzteile zu finden. "Nachdem uns die großen Hersteller vor 20 Jahren noch belächelt haben, haben sie heute extra Abteilungen, die Originalteile wieder herstellen", erzählt Deusch. Zuvor musste man die Ersatzteile in alten Beständen finden bei Teilehändlern und privaten Sammlern. "Es war wichtig, nicht nur diese Leute zu kennen, sondern sich auch mit ihnen zu verstehen." Oft, erzählt Deusch weiter, wird auch improvisiert, werden Teile aus anderen Serien verendet, beispielsweise Schalter oder Benzinpumpen. Aber auch moderne Technik verbirgt sich unter manch alter Karosserie, etwa Bremsen, Bremskraftverstärker oder moderne Getriebe.

"Es gibt Puristen, die Wert auf Originalität legen. Da sind aber nicht meine Kunden. Meine sind Leute, die fahren wollen, und keine Sammler. Für sie ist der Oldtimer ein reines Hobby. Wenn einer 1500 Kilometer im Jahr damit fährt, ist das viel." Ein teures Hobby? "Einen VW Käfer kriegt man heute schon für 1500 Euro. Das ist für viele das Einstiegsmodell. Ein restaurierter MG A ist für 30 000 Euro zu bekommen, für einen Oldie in gutem Zustand ist das ok. Man muss auch bedenken, dass man keinen Wertverlust hat," sagt Deusch.

"Seit 22 Jahren Schraube ich an Autos – und es ist jedes Mal eine neue Herausforderung." Jürgen Deusch
Von seinem Vater hat Jürgen Deusch auch die Leidenschaft geerbt, Rennen zu fahren. Am Nürburgring, bei den Schauinsland Classics oder in Italien ist er gestartet. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 74 Stundenkilometern ist er im Oldtimer das Oberjoch bei Hindelang hochgebrettert. In den Rennen fährt er Fahrzeuge von Kunden.

Aber in seiner Werkstatt steht der Rahmen eines MG, Baujahr 1936. In den nächsten zwei, drei Jahren will er dieses Auto aufbauen mit einem 750-Kubikzentimeter-Motor, der 110 PS bringt. "Oldtimer, vor allem die Vorkriegsmodelle, sind meine Welt. Seit 22 Jahren schraube ich an Autos – und es ist jedes Mal eine neue Herausforderung."
von Theo Weber
am Mi, 13. April 2011

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