Ortsnamen in Südbaden

Warum heißt Gscheid Gscheid?

Ob Himmelreich oder Seppenhofen – in der Region gibt es viele kuriose Ortsnamen. Die BZ erklärt in ihrer Serie die Bedeutung der skurrilen Bezeichnungen. Heute: Gscheid.

Kluge Menschen sind stets obenauf. Ob dies aber dazu führt, dass die klügsten Menschen nicht mehr an den Universitäten zu finden sind, sondern womöglich in einem kleinen Weiler (badisch: Zinken) auf einer Passhöhe mitten im Schwarzwald, nämlich – nomen est omen – in Gscheid? Eine interessante Hypothese, die zu prüfen und gegebenenfalls zu falsifizieren wäre. Ein Doktortitel jedenfalls macht noch keinen gescheiten Menschen aus, eher schon einen gescheiterten Minister, wie sich gelegentlich zeigt.
Wie viele Doctores die paar Häuser von Gscheid, manchmal auch Gescheid geschrieben, zwischen Gutach und Keppenbach beherbergen, ist auf Anhieb nicht zu eruieren. Dafür lässt sich aber mit Gewissheit sagen, dass der Weiler seinen Namen dem mittelhochdeutschen daz gescheide verdankt. Daz gescheide meint zum einen nichts anderes als die Grenze, an der sich das Grundwasser entscheiden muss, in welche Richtung es fließt – die Wasserscheide auf einem Höhenrücken also. Im Mittelalter markierte daz gescheide im Sinne von Grenze auch weniger eine Landes- oder Gemarkungsgrenze, sondern bezeichnete eher allgemein die Grenze zwischen Äckern und Höfen oder eine Grenzfurche zwischen zwei Äckern. Auf welche Bedeutungsnuance das Gscheid bei Gutach zurückzuführen ist, nun, da scheiden sich die Geister. Das Badische Wörterbuch weiß immerhin eine Quelle anzugeben: "Der Großstädter sollte mindestens das G(e)scheid zwischen Keppersbach und Siegelau kennen, eine lebenswerte Zinken und Pass, wo alte geschichtliche Grenze, volkskundliche und Sprachgrenzen der Wasserscheide folgen."

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von Hans Jürgen Kugler
am Do, 08. September 2011 um 19:00 Uhr

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