Ortsnamen in Südbaden

Warum heißt Gupf Gupf?

Ob Sumpfohren, Sexau oder Yach – in der Region gibt es viele kuriose Ortsnamen. Die BZ erklärt in einer Serie die Herkunft der Bezeichnungen. Heute: Gupf.

Zwischen Bad Bellingen und Kandern findet sich als Ortsteil von Tannenkirch ein kleiner Weiler mit dem schönen Namen Gupf. Im Österreichischen bezeichnet der Gupf einfach "ein Häufchen". Aber natürlich bezieht sich Gupfens Name nicht auf die Hinterlassenschaften von vierbeinigen Dorfbewohnern, sondern auf die weitere Bedeutung im Sinne von "abgerundeter Gipfel". Das macht in Anbetracht von Gupfs geografischer Lage am Südhang der Hohen Schule auch durchaus Sinn.

Vom mittelhochdeutschen Gupf zum frühneuhochdeutschen Güpfel und damit zum Gipfel ist es nur ein kleiner Schritt. Der Gipfel mit Vanillegeschmack (österreichisch Kipferl) hingegen findet seinen etymologischen Ursprung bei den Holzfällern. Das halbmondförmige Gebäck ist der Kipf, der Wagenrunge, entlehnt, der seitlich gebogenen Haltestange eines Wagens für Langholztransporte.

In übertragener Bedeutung steht Gupf ganz allgemein auch für den "oberen Teil von etwas" oder für den "über einen Gefäßrand ragenden Inhalt". So kann man in den Mengenangaben österreichischer Kochrezepte durchaus einem "gegupften Esslöffel" begegnen.

Nicht unerwähnt bleiben soll eine weitere Bedeutung von Gupf, an deren Definition sich gar die lexikalischen Geister scheiden. Denn wahrlich auf die Spitze getrieben wird der Gupf beim Ei. Laut Duden bezeichnet der Gupf den stumpfen Teil des Eis, das Konkurrenzprodukt aus dem Hause Wahrig hingegen definiert die Spitze des Eis als den Gupf.
Eine zufriedenstellende Lösung dieser weltbewegenden Frage verspricht da allerhöchstens das berühmte Ei des Kolumbus: Ein gekochtes Ei, ob stumpf oder spitz, kräftig auf den Tisch geklopft, und die Sache ist gegessen.

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von Hans Jürgen Kugler
am Fr, 07. September 2012 um 12:17 Uhr

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