Ortsnamen in Südbaden

Warum heißt Titisee Titisee?

Ob Sumpfohren, Sexau oder Yach – in der Region gibt es viele kuriose Ortsnamen. Die BZ erklärt in einer Serie ihre Herkunft. Heute geht es um: Titisee.

Titisee – ein Schelm, wer Arges dabei denkt, zumal eine Schreibweise als "Tittense" durchaus in den Archiven zu finden ist. Und zwar werden im Jahr 1326 Häuser genannt, die "an dem sewe, der da haisset der Tittense" liegen. Auch die Formen "Tuttysee" oder "Tuttiß See" sind für das 15. Jahrhundert belegt.

Die erste urkundliche Nennung ist auf das Jahr 1111 datierbar, wo der "lacus ( See) Titunse" in den Archiven erwähnt wird. 1150 taucht die Schreibung "Titinse" auf. In dieser Form meinen Sprachforscher den schwachen Genitiv des Personennamens Dido oder Didi ausmachen zu können. Diese sind wiederum Kurzformen für Personennamen, die aus Diet- beziehungsweise dem altdeutschen Diot- (Volk) gebildet wurden – z.B. Dieter oder Dietrich. Dafür spricht auch die Schreibweise "Dittensee", die 1265 in den Archiven auftaucht.

Dass allerdings mit Dido die gleichnamige mythische Königin von Karthago gemeint sein könnte, braucht hier nicht näher ausgeführt zu werden. Der Opernfreund sei an Henry Purcell verwiesen, der Literaturliebhaber an Vergil.

Um den recht alten Namen ranken sich allerdings noch weit abenteuerlichere Geschichten. Einer zufolge soll sogar der römische Feldherr Titus dort gelagert haben und vor lauter Begeisterung dem See seinen Namen verpasst haben. Diese Legende war für den ansässigen Bootsvermieter jedenfalls Grund genug, auf dem groben Nachbau einer römischen Galeere Bootsrundfahrten anzubieten.

Eine andere Legende erzählt von einem gewissen Herrn Titini, der im 12. Jahrhundert dort gejagt haben soll. Schlussendlich wird noch der Aronstab genannt, der früher in der Region unter der Bezeichnung Tittele bekannt war. Heutzutage findet sich diese tropische Pflanze am Titisee allerdings höchstens noch im örtlichen Blumenhandel.

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von Hans Jürgen Kugler
am So, 09. September 2012 um 17:21 Uhr

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