BZ-Podiumsdiskussion

Was sagen die Bürgermeister-Kandidaten zu den wichtigsten Themen

Straßenbahn, Flüchtlinge, knapper Wohnraum und die Zukunft des Gewerbes: Was die Gundelfinger Bürgermeisterkandidaten zu den wichtigsten Wahlkampfthemen sagen.

GUNDELFINGEN. Die Gundelfinger haben großes Interesse daran, wer ihr neuer Bürgermeister wird. Das zeigte auch die BZ-Podiumsdiskussion am Mittwochabend in der Festhalle. Rund 600 Leute wollten hören, was die fünf Bewerber zu aktuellen Gundelfinger Themen zu sagen hatten. Dazu legten ihnen Holger Knöferl, Leiter der BZ-Heimatredaktion, und BZ-Redakteur Max Schuler kritische Fragen vor.

STRASSENBAHN IN DEN ORT

Die Freiburger Straßenbahn ist an der Gemeindegrenze angekommen. Doch wollen die Gundelfinger sie auch hereinlassen in den Ort, wie es ein Ratsbeschluss aus den 90er Jahren vorsieht? "Man wird in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Entscheidung treffen müssen", meinte Raphael Walz. Dazu müsse man die Bürger mitnehmen und auf offene Fragen eingehen, so, ob eine Straßenbahn nach Freiburg nicht zu einem Kaufkraftabfluss für die Geschäfte in der Ortsmitte führen könne. Eine Klärung müsse her, befand Walz, auch weil man über Jahre hin für eine Tramtrasse Flächen freigehalten habe.

"Die ganze Ortsentwicklung hängt an dieser Frage", sah auch Christian Göpper die Straßenbahn als "zentral für die Agenda" eines neuen Bürgermeisters. Er habe auch viele kritische Stimmen gehört, etwa dazu, was aus den Festen im Dorfzentrum werden solle, die bisher im Bereich der geplanten Trasse stattfinden. Er strebe eine Bürgerbeteiligung an und eine Entscheidung nicht erst am St. Nimmerleinstag, so Göpper.

Eine Straßenbahn auf der Alten Bundesstraße mitten durch den Ort könne er sich nicht vorstellen, bekannte unumwunden Thomas Danner. Er wisse aber, dass eine Umfrage sich für die Straßenbahn ausgesprochen habe. Als Bürgermeister würde er eine rasche Entscheidung anstreben, die sich den Sachfragen stelle. Dazu zählte er wegfallende Parkplätze im Innerort, wenn die Trasse gebaut werden solle. Und bei einer Tram nur bis zum "Ochsen" fehle der Abstellplatz für Fahrräder. Als Alternative regte Danner ein Ringbussystem an, das schon kurzfristig die jetzige Endhaltestelle optimal anbinden könne.

"Ich glaube nicht an eine Straßenbahn durch den ganzen Ort bis an den Bahnhof, der dazu verlegt werden müsste," erklärte Michael Schlegel. Seit diesen Beschlüssen aus den 90er Jahren habe man ein anderes Szenario, mit Busanbindungen an den Denzlinger Bahnhof und an die neue Straßenbahnendhaltestelle. "Wir müssen mehr mit Bussen machen, da ist noch Luft nach oben", schlug Schlegel vor. Man solle transparent prüfen, was man mit den bisher für die Tram freigehaltenen Flächen machen könne und wolle.

Claudia Warth bekannte sich hingegen zum Bau der Straßenbahn, die auch nicht nur bis zum "Ochsen" gehen solle. Die Entscheidung darüber müsse im Gemeinderat fallen, aber unter Einbeziehung der Bürger, eventuell in einem Bürgerentscheid. In diesem Meinungsfindungsprozess gehe es um mehr als nur den Bahnbau. "Es braucht ein Bild von der Entwicklung unserer Ortsmitte – wollen wir es so wie bisher, oder können wir uns auch eine lebendige Mitte mit einer in kurzen Abständen haltenden Straßenbahn vorstellen", sagte die Kandidatin.

WIE UND WO WOHNEN?
Bezahlbarer Wohnraum ist in Gundelfingen ein knappes Gut, das wissen die Kandidaten. Seine Fraktion habe deshalb einen Bebauungsplan für ein Neubaugebiet Nägelesee-Nord vorgelegt, so CDU-Gemeinderat Thomas Danner. In Sachen Nachverdichtung sieht er die Gemeinde an der Grenze: "Wir wollen auch noch grüne Fläche im Ort." Claudia Warth dagegen setzt neben der Suche nach neuen Wohnformen und der Zusammenarbeit mit Baugenossenschaft auf eine Potenzialanalyse, die den Leerstand in Gundelfingen aufzeigen soll. Pragmatischer äußerte sich der jüngste der Kandidaten, der 30-jährige Raphael Walz: "Ich will keine Luftschlösser bauen, sondern der Realität ins Auge schauen – Gundelfingen hat wenig Potenzial für mehr Wohnraum." Nägelesee-Nord stelle die einzige Perspektive dar. Es sei aber utopisch zu glauben, Gundelfingen könne so ausreichend Wohnraum im unteren Preissegment schaffen. Es gehe, so Christian Göpper, nicht um Wachstum, sondern um eine konstante Bevölkerungszahl – um Einrichtungen wie Kindergärten und Schulen zu halten. "Es ist deshalb vertretbar, maßvoll in die Fläche zu gehen." Den vom Land vorgegebenen Nettoflächenverbrauch hält Michael Schlegel zwar für richtig, in einer Zuzugsregion wie dem Breisgau aber für nicht haltbar. Schon beim Erwerb und der Umlegung von Flächen will der jetzige Bürgermeister von Reute Mechanismen nutzen, um an Fläche zu kommen, die die Gemeinde für den sozialen Wohnungsbau nutzen kann.

FLÄCHEN FÜR GEWERBE
Wie viele Gemeinden hat auch Gundelfingen Probleme, Gewerbebetrieben Platz zu bieten. Einig waren sich die Kandidaten, dass man hier bei Bebauungsplänen die zulässigen Höhengrenzen für Gewerbebauten anheben müsse. Das werde aber nicht alle Probleme lösen, befand Michael Schlegel, da manche Firmen auf ebenerdige Flächen angewiesen seien. Man müsse sehen, ob hier im Fall des Baus einer Nordtangente sich Chancen für neue Gewerbeflächen öffnen könnten. Thomas Danner sah dies skeptisch, da es sich dort um die besten Ackerlagen der Gemarkung handle. Man müsse alles versuchen, auch Brachflächen im Gewerbegebiet neu zu nutzen, bekräftigte Danner, was auch Schlegel betont hatte, aber mit dem Verweis darauf, dass hier die Eigentümer das letzte Wort hätten. Ein Flächenmanagement bezeichnete Christian Göpper als unerlässlich, um dem Gewerbe Entwicklungsmöglichkeiten zu bieten. Dabei müsse man auch auf Dienstleistungen setzen. Auch Claudia Warth sah in der Suche nach geeigneten Branchen einen Schlüssel, Gundelfingen als Gewerbestandort attraktiv zu halten. Das sei eine Frage der Wirtschaftsförderung. Da Gundelfingen vor allem ein Wohnort sei, käme nur verträgliches Gewerbe in Frage und die Förderung der ansässigen Betriebe, betonte Raphael Walz. Man solle auch die Chancen interkommunaler Gewerbegebiete prüfen, zumal es dafür höhere Fördermöglichkeiten gebe.

PLATZ FÜR FLÜCHTLINGE
Die Runde war sich einig: Flüchtlinge sollten in Gundelfingen dezentral, sprich an zwei oder sogar drei Plätzen untergebracht werden. Zu konkreten Standorten – wie etwa dem an der evangelischen Freikirche – aber wollte sich keiner äußern. Claudia Warth regte an, der runde Tisch solle Kriterien erarbeiten, anhand derer die Bürger nachvollziehen können, warum welcher Standort wie beurteilt wird. Es überraschte nicht, dass alle Kandidaten die Flüchtlinge in die Gemeinde integrieren wollen – sei es durch Deutschkurse, Konzerte oder Kochabende. Dafür forderten sie die Unterstützung des Landratsamts ein und hoffen auf ehrenamtliches Engagement der Bürger. Diese konnten sich nach dem Ende der Diskussion noch mit den Kandidaten persönlich austauschen. Dazu reichte der Turnverein Gundelfingen einen kleinen Imbiss.

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von Manfred Frietsch und Tanja Bury
am Fr, 10. Oktober 2014 um 11:07 Uhr

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