Wechselvolle Geschichte

BZ-SERIE: Die Orgel in der Pfarrkirche St. Gallus Ebringen ist für Konzerte besonders beliebt.

EBRINGEN. Ebringens Orgel in der Pfarr- und ehemaligen Propsteikirche St. Gallus Ebringen hat eine lange Geschichte. Mehrfach wurde sie umgebaut, erweitert, wurden neue Pfeifen installiert. Die gute Akustik des Kirchenraumes bringt die Klangvielfalt der Orgel zum Tragen.

Nach Unterlagen von Orgeldenkmalpfleger Bernd Sulzmann erhielt die Pfarrkirche bereits 1722 nach der Barockisierung des Langhauses eine erste Orgel mit 8 Registern (Neues Örgele für 60 fl) von Orgelbauer Fischer aus Freiburg. Nach mehreren Reparaturen erbauten im Jahr 1836/37 die Gebrüder Franz Josef und Martin Martin aus Waldkirch für die Ebringer Pfarrkirche eine neue einmanualige Orgel mit 10 Registern. Die Martinbrüder hatten wie ihr Vater die berühmte Silbermannschule beim Nachfolger der Straßburger Silbermänner absolviert.

Das Orgelwerk war zu 80 Prozent fertiggestellt, als die beiden 1837 wegen einer schweren Verschuldung ihrem Leben ein Ende setzten. 1838 vollendete daher der Freiburger Orgelbauer Josef Merklin die Orgel und erstellte sie in Ebringen. Die Orgel enthielt ein Zungenregister im Manual und im Pedal einen durchdringenden Trompetenbass. Das Gehäuse wurde der Zeit entsprechend flachfeldrig in schlichter klassizistischer Form mit zwei Außentürmen rot-grün marmoriert erstellt, berichtet Pfarrgemeinderat Wolfgang Zähringer.

1943 wurde die Orgel durch die bekannte Freiburger Orgelbaufirma Welte & Söhne unter Verwendung der Martin- und Merklin-Pfeifen und des Gehäuses von 1837 umgebaut. Welte erstellte das zweite Manual völlig neu, dazu einen freistehenden elektrischen Spieltisch. Das Gehäuse wurde seitlich nach hinten erweitert. Leider, so Zähringer, sind bei diesem Umbau wertvolle Teile der Martin/Merklin Orgel verloren gegangen. Welte durfte nach gesetzlichen Vorgaben in dieser Zeit keine hochwertigen Materialien verwenden. So waren viele Register der Kriegsorgel aus Zink gefertigt, weil keine Zinnlegierungen verwendet werden durften. Im Gutachten des damaligen Erzbischöflichen Orgelinspektors Professor Musch von 1979 stand: "Die Orgel ist in ihrer Funktion durch und durch unzulänglich. Das Pfeifenmaterial macht insgesamt keinen wertvollen Eindruck. Das Pedal im Spieltisch ist wackelig".

Der Pfarrgemeinderat reagierte. Die Orgelbaufirma Fischer+Krämer aus Endingen rekonstruierte 1982 die ehemalige Orgel als Neubau in der oberrheinischen Tradition der Straßburger Silbermänner und ergänzte sie im Originalgehäuse von 1838 nach einer Disposition des staatlichen Orgeldenkmalpflegers Bernd Sulzmann um weitere 12 Register. 185 Pfeifen aus der Hauptwerksmixtur sind handsignierte Original-Pfeifen von 1836/37 von den Gebrüdern Martin und Josef Merklin.

Durch die große Spendenbereitschaft in der Pfarrgemeinde, durch Versteigerung von Orgelpfeifen bei den Weintagen, dem Anteil der Pfarrgemeinde einschließlich der Zuschüsse des Ordinariats Freiburg kam der Gesamtbetrag von 220 000 D-Mark bei der Orgelweihe 1983 zusammen. Die "Neue Orgel" war finanziert, so Wolfgang Zähringer, der selber alte Orgelpfeifen erstanden hat.

Von Kennern wird die Ebringer Orgel als ein recht gutes Instrument geschätzt. Die Orgel mit ihrer Klangvielfalt eignet sich hervorragend für Konzerte. Jochen Bösch, früherer Ebringer Dirigent und Kirchenmusiker, schätzt an der Orgel, dass der Klang sehr voll und kräftig ist und vor allem die Prinzipale sowie die Zungenregister sehr klangvoll intoniert sind, also ganz so, wie es im Silbermann-Stil üblich ist. Das und die gute spieltechnische Verarbeitung sind vor allem der Grund, warum sich die Ebringer Orgel gut für Konzerte eignet, vorzugsweise für Orgelwerke aus der Barockzeit, für welche Silbermann steht.

Viele bekannte Kirchenmusiker und frühere Chorleiter des Kirchenchors, unter anderem Professor Klaus Christhart Kratzenstein und der Freiburger Domorganist Professor Gerhard Gnann haben die Orgel gespielt und hier Konzerte gegeben.

2013 wurde das Instrument einer Reinigung unterzogen. Dabei wurden durch die Orgelbauer alle Pfeifen ausgebaut, gereinigt und verschlissene Teile der Spielanlage erneuert. Organist Jörg Josef Schwab hat vor wenigen Wochen bei einem Konzert die Zuhörer die Klangvielfalt und den Zauber der Ebringer Orgel erleben lassen.
von Frowalt Janzer
am Mi, 04. Februar 2015

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