Namensforschung

Welche Herkunft haben Familiennamen in Südbaden?

Armbruster, Faller, Schöpflin oder Wehrle – Familiennamen, die in Südbaden weit verbreitet sind. Doch wo kommen sie her? Was bedeuten sie und wie verbreitet sind sie? Der Namensforscher Konrad Kunze klärt auf.

Waffenschmiede
Die Bezeichnung Armbrust für eine Waffe leitet sich aus dem lateinischen Begriff arcuballista ab, was soviel wie Bogenschleuder bedeutet. Die Hersteller solcher Waffen oder aber auch der Menschen, die diese Waffen beruflich nutzten, trugen im zwölften oder 13. Jahrhundert also den Namen Armbruster. In anderen Gegenden Deutschlands heißen entsprechende Berufsnamen Armborst oder auch Arm-broster.

Für Deutschland hat Namensforscher Konrad Kunze errechnet, dass rund 8000 Menschen den Namen Armbruster tragen.

Noch alles offen
Dufner ist ein Familienname, dessen Herkunft, wie bei vielen anderen, nicht eindeutig geklärt ist. Einige vermuten, es sei ein Herkunftsname. Er wurde also von Menschen getragen, die aus dem Ort Teufen im Kreis Oberndorf am Neckar stammen. Früher hieß dieser Ort Tüfen. Andere vermuten, der Name kommt von dem mundartlichen Begriff duffen, was prügeln bedeutet. In diesem Fall wäre der Namensträger also ein Schläger. Glücklicherweise ist bei dieser Bestimmung noch alles offen.

Namensforscher Konrad Kunze hat für Deutschland errechnet, dass sich jeweils rund rund 1500 Menschen Duffner oder Dufner nennen.

Die Fallers
Die Fallers hatten einen Urahn, der an einem Fall gewohnt haben muss. Das kann ein Wasserfall gewesen sein. Ebenso gut aber auch ein Windfall, also eine Stelle, an der durch einen Sturm die Bäume abgeknickt waren. Deutlich wird dies auch an Namen wie Obergfäll oder Obergföll, die entsprechend am oberen Gefäll lebten. Der Windbruch ersparte ihnen also das Roden. Anderenfalls hätten sie Namen wie Reuter oder Reiter.

Für Deutschland hat Namensforscher Konrad Kunze errechnet, dass fast 5200 Menschen den Namen Faller tragen.

Charakterstark
Dieser Name setzt sich aus gut und Mann zusammen und könnte in seiner Bedeutung darauf hinweisen, dass sein Träger ein charakterlich unbescholtener Mensch war. Eine zweite Möglichkeit geht auf den Begriff "von guter Geburt" zurück. Namensträger waren Menschen, die nicht leibeigen waren. Ableiten lässt sich dies aus dem Lateinischen "bonus homo", damals eine feste Bezeichnung für freie, im Waffendienst stehende Leute, aus der sich die Ritterschaft rekrutierte. Eine dritte Erklärung findet sich im altdeutschen Rufnamen Gutmann, folglich kann ein Träger dieses Familiennamens auch ein Nachkomme des Mannes, der den Vornamen Gutmann trug.

Namensforscher Konrad Kunze errechnete, dass in Deutschland rund 2600 Menschen den Familiennamen Gutmann tragen.

Dicker Klumpen
Dieser Familienname lässt sich ohne Zweifel auf den Klumpen zurück führen – und ist genauso wie in anderen Regionen die Namen Klotz, Knoll, Strunk, Stoll, Block und Mock ein nicht gerade höflicher Übername für einen Menschen, der sehr beleibt ist. Dass sich dieser Name mit doppeltem "p" schreibt, ist bezeichnend für das Alemannische. In anderen Gegenden Deutschlands findet sich dieser Nachname verstreut auch mit nur einem "p".

Für Deutschland hat Namensforscher Konrad Kunze errechnet, dass rund 4300 Menschen den Namen Klumpp tragen.

Der Hugo war’s
Träger des Namens Hug sind Nachkommen eines Mannes, der vor etwa 800 Jahren lebte und Hugo hieß. Dieser Urahn hat einen germanischen Namen, wie zum Beispiel Hugbert getragen, verkürzt Hugo genannt. Daraus entstand im Laufe der Zeit im alemannischen Dialekt Hug. Auf der Ostseite des Schwarzwaldes wurde im Dialekt aus einem langen "u" ein "au". Dort heißen die Menschen mit entsprechendem Vorfahr Haug – ein Name, der sich im Schwäbischen etabliert hat.

Für Deutschland hat Namensforscher Konrad Kunze errechnet, dass es fast etwas mehr als 5000 Menschen gibt, die den Familiennamen Hug tragen.

Grüezi Schwiiz
Für Familiennamen, die auf -lin enden, ist , jedenfalls im Badischen, schweizerische Herkunft anzunehmen. Konzentriert finden sich Namen, wie etwa Stöcklin, Rinklin, Kölblin oder Höfflin, am Kaiserstuhl und im Markgräfler Land. Diese Regionen waren nach dem 30-jährigen Krieg fast menschenleer und wurden in der darauf folgenden Zeit von der Schweiz aus wieder besiedelt. Die Endung -lin ist in der Schweiz eine Form der Verniedlichung, ähnlich dem -le im Badischen. Der Urahn der Familie Stöcklin, war wohl ein kleiner, magerer Mensch, bedeutet Stöcklin doch kleiner Stock. Hüglin hingegen deutet darauf hin, dass der Vorfahr eher rundlich war, da im Namen der Begriff Kolben steckt. Schöpflin wiederum war die Familie, die am kleinen Schopf wohnte. Familien mit Namen Höfflin immerhin, hatten einen Vorfahren, der einen kleinen Hof besaß. Rinklin sind wahrscheinlich die Nachkommen eines Mannes, der Ringwald mit Vornamen hieß; bei Bürklin hieß der Urahn Burghard; bei Hüglin war es der Hugo.

Übrigens, rund 2,6 Millionen Menschen tragen in Deutschland einen Familiennamen, der auf -le endet, wodurch sofort ersichtlich wird, dass sie aus Baden-Württemberg stammen. Für Deutschland hat Namensforscher Konrad Kunze folgende Häufigkeiten errechnet:

Schöpflin rund 1200 Stöcklin rund 500 Bürklin rund 500 Höfflin rund 450 Kölblin rund 400 Hüglin rund 350 Rinklin rund 300

Der Sympath
Oft ist die Bedeutung von Familiennamen keine freundliche. Das liegt daran, dass ihre Träger sie sich nicht selbst aussuchten, sondern von ihren Mitmenschen angehängt bekamen. Schätzle bildet hierbei eine große Ausnahme. Dieser Name ist nämlich die Bezeichnung für jemanden, der offensichtlich seinen Mitmenschen sehr sympathisch war. Im Bayrischen gibt es Familiennamen mit der gleichen Bedeutung, hier heißen sie Schatzl.

Für Deutschland hat Namensforscher Kunze errechnet, dass fast 3500 Menschen ihr sympathisches Auftreten im Namen Schätzle zeigen.

Die Steuerzahler
Der Schilling ist eine Münze – und so kommt der Familienname aus der Verpflichtung des Urahns, entsprechende Abgaben zu leisten. Vergleichbare Familiennamen lauten Drei- oder Fünfschilling oder aber Hundertpfund und Fünfgeld, die in ganz Deutschland verbreitet sind. Typisch badisch hingegen ist der Familienname Schillinger. Die Endung -er ist eine landschaftlich begrenzte Nebenform.

Für Deutschland hat Namensforscher Konrad Kunze errechnet, dass es fast 34 000 Menschen mit dem Namen Schilling und rund 5000 Schillingers gibt.

Urahn Werner
Der Vorfahr der Familien, deren Nachname Wehrle lautet, trug vor etwa 800 Jahren den Vornamen Werner. Im Dialekt wiederum wurde dieser Mensch vermutlich mit dem Spitznamen Wernerle gerufen, was wiederum mit der Zeit zu Wehrle verkürzt wurde. Und da im alemannischen Dialekt häufig "e" und "ö" wechseln, wurde der Name in manchen Regionen eben mit einem "e", in anderen mit "ö" geschrieben.

Für Deutschland hat Namensforscher Konrad Kunze errechnet, dass es rund 4000 Menschen mit dem Namen Wehrle und rund 3200 Wöhrles gibt.

Sonnen- und Schattenseiten
Im Schwarzwald wurden Abhänge eine Tales, auf denen Schnee lange liegen blieb, Winterhalden genannt. Und die, auf die die Sonne lange schien, Spiegel- oder Sommerhalden. Entsprechend hießen Bauern, die auf einer dieser Talseiten lebten, Winter- oder Spiegelhalter. Da im alemannischen Dialekt "d" und "t" nicht unterschieden werden, findet sich bis heute häufig die Schreibweise mit t – also -halter statt -halder.

Für Deutschland hat Namensforscher Konrad Kunze errechnet, dass es rund 3000 Menschen mit dem Namen Winterhalter oder Winterhalder gibt. Aber nur rund 700 Menschen tragen den Namen Spiegelhalter oder Spiegelhalder.
von Ulrike Sträter
am Do, 30. Oktober 2014 um 00:05 Uhr

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