Freiburg-Marathon

Wenn der Sohne mit dem Vater...

Bernhard Schroff ist einer der wenigen Läufer, die bei allen neun Freiburg-Marathons ins Ziel kamen. Am 7. April startet er erneut und peilt den zehnten Zieleinlauf an.

FREIBURG. Der Sport ist oft eine Familienangelegenheit. Vater geht ins Training, nimmt seinen Sohn mal mit – und schon ahmt dieser den Papa nach. Ganz gleich, ob es dabei um Fußball, Handball und Leichtathletik oder etwas weniger populäre Sportarten wie Bogenschießen, Ringen und Rudern handelt. Getreu dem Motto: Wenn der Vater mit dem Sohne … Aber es gibt auch die andere Variante, also: Wenn der Sohne mit dem Vater...

Bei Bernhard Schroff, 65, in München lebender Frauenarzt, trifft Letztere zu. Wer weiß, ob er jemals zum Marathonlauf gefunden hätte, wenn ihn nicht sein Sohn Florian auf die Idee gebracht hätte. Dieser lief in München einen Marathon mit, sein Vater begleitete ihn auf den letzten Kilometern mit dem Fahrrad. Dabei weckte der Sohn den Ehrgeiz des Vaters. "Das wollte ich auch einmal probieren", sagt Bernhard Schroff jetzt, außerdem ärgerte er sich über den deutlichen Bauchansatz.

Wenn am Sonntag, 7. April, zum zehnten Mal der Freiburg-Marathon stattfindet, dann will er zum zehnten Mal nach 42,195 Kilometern das Ziel erreichen. Schroff gehört zu dem kleinen und erlauchten Kreis von 28 Läufern, die alle neun Marathons in Freiburg über die klassische Distanz von 42,195 Kilometern gelaufen sind und beendet haben. Ganz gleich ob bei Kälte oder bei Hitze (wie vor zwei Jahren), Bernhard Schroff war immer ein Finisher, also einer, der das Ziel erreicht hat.
"Nach 2000 Metern habe ich anfangs gepumpt wie ein Maikäfer." Schroff über seinen Einstieg
Insgesamt 16 Marathons hat der Frauenarzt, der seit seiner Studienzeit in München lebt, jetzt schon hinter sich: neben den neun Läufen in Freiburg auch den Schwarzwald-Marathon in Bräunlingen ("ein toller Landschaftslauf"), den Hornisgrinde-Marathon bei Bühlertal im Nordschwarzwald ("das gibt’s kurz vor dem Ziel einen Höllenanstieg"), den Berlin-Marathon ("da stehen die Zuschauer in Fünferreihen – so wie bei der Tour de France beim Aufstieg nach Alpe d’Huez") und den New-York-Marathon ("da habe ich, wie die meisten anderen der 47 000 Teilnehmer, am nächsten Tag die New York Times gekauft, nur um meinen Namen zu lesen. Denn die Zeitung veröffentlicht alle Namen der Finisher").

Geplant hatte Bernhard Schroff das alles nicht. Nachdem ihn sein Sohn, ein Sportlehrer, auf den Geschmack gebracht hatte, nahm sich Bernhard Schroff nur vor, einen einzigen Marathon zu laufen. Er sah darin eine Art Selbstbestätigung. Also nahm der damals 53-jährige im Jahr 2002 das Training auf. "Nach 2000 Metern habe ich anfangs gepumpt wie ein Maikäfer", sagt er. Doch nach wöchentlich drei Laufeinheiten ging’s eineinhalb Monate später schon ganz gut. Ein Volkslauf über zehn Kilometer schloss sich an – und die Lust auf mehr. 2003 folgte die Marathon-Premiere in München. Als dann seine Heimatstadt Freiburg 2004 erstmals einen Lauf über die klassische Distanz anbot, war Bernhard Schroff Feuer und Flamme.



Er ist es noch immer. Längst geht es dem inzwischen 65-Jährigen nicht mehr um die Verbesserung seiner in Berlin aufgestellten persönlichen Bestzeit (3:42 Stunden). "meine Geschwister und alte Bekannte treffen, die in Freiburg wohnen. Ich will einfach laufen und es soll eine Gaudi werden. Wenn mir die Beine schwer werden, dann kann es schon sein, dass ich da, wo die Musikgruppen sind, auch einmal ein paar Walzerumdrehungen mache", sagt Schroff – und ergänzt lachend: "Dann habe ich schon eine Ausrede, wenn ich mal anhalten muss." Und sollte es doch einmal allzu mühsam werden auf den rund 42 Kilometern, dann zückt er seinen kleinen Fotoapparat, den er bei Marathons stets mit sich führt: "Ich fotografiere Zuschauer und andere Teilnehmer."

Am 7. April dürfte der laufende Frauenarzt und Hobby-Fotograf indes selbst in den Fokus geraten: Wenn er zum erlauchten Kreis derer zählt, die zum zehnten Mal beim Freiburg-Marathon über den Zielstrich laufen.

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von Georg Gulde
am Sa, 23. März 2013 um 00:00 Uhr

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