Wenn laufen doppelt hilft

Der 17-jährige Flüchtling Suleman Magnsa geht mit dem Team der evangelischen Kirchengemeinde beim Freiburg Marathon an den Start.

TITISEE-NEUSTADT. Suleman Magnsa will rennen. Schnelles Laufen hilft dem 17-jährigen Flüchtling aus Gambia, langsam seine Erlebnisse zu verarbeiten und in seiner neuen Heimat, dem Hochschwarzwald, anzukommen. Jetzt will er mit seinem Tempo etwas für andere tun: Suleman Magnsa ist einer von sieben Läufern, die für die evangelische Kirchengemeinde Neustadt an den Start gehen und Geld für den Umbau der Christuskirche erlaufen.

Es ist gleich zu sehen: Suleman Magnsa ist ein sportlicher Typ. Drahtig und durchtrainiert die Figur, das Baseballcap sitzt leicht schräg, er trägt Jeans und Kapuzenpulli. Seit etwas mehr als einem Jahr ist der 17-Jährige in Neustadt. Zusammen mit 13 anderen unbegleiteten minderjährigen Ausländern (UMA) ist er in einer Wohngemeinschaft der Diakonie in der Mozartstraße untergebracht.

Das Laufen ist seine Leidenschaft. Zum Fußballtraining im Jahnstadion – Suleman ist Mitglied der Spielgemeinschaft Neustadt/Hölzlebruck – joggt er. Und auch sonst ist der junge Mann oft in der Stadt zu sehen – rennend natürlich. Rauf nach Rudenberg oder rüber zum Titisee führen seine Trainingsrunden. Beim Spendenmarathon zugunsten der Schulplatzgestaltung der Hansjakobschule im vergangenen Mai rannte er bereits für die gute Sache. "Viele haben mich schon auf Suleman angesprochen. Man kennt ihn in der Stadt", erzählt Alexandra Walter, die zum Betreuungsteam der Flüchtlingswohngemeinschaft gehört.

Bei so einem großen Sportereignis wie dem Freiburg Marathon dabei zu sein, das war Sulemans Traum. Die Anmeldung war schon so gut wie abgeschickt. Da kam Alexandra Walter die Idee, ihn doch im Team der evangelischen Kirchengemeinde starten zu lassen. Rund um Pfarrer Rainer von Oppen hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die am 2. April in Freiburg den Halbmarathon läuft, um Geld für eine gute akustische Anlage im Kirchenraum zu erlaufen. Wie das funktioniert? Es können sich Paten melden, die einen der Starter mit einem gewissen Betrag pro Kilometer unterstützen. Es ist aber auch möglich, das ganze Team mit einer Summe – "ganz egal welcher", wie von Oppen sagt – anzufeuern. "Bisher stehen wir bei 1500 Euro. Das Ziel sind 4000 Euro."

Die sieben Starter sind eine bunt gemischte Gruppe: drei sind evangelisch, drei katholisch und Suleman Magnsa ist Moslem. "Mal schauen, welche Religion die schnellste ist", scherzt Marc Sigwart. Der Zunftmeister der Neustädter Narrenzunft ist der Schirmherr der Aktion. "Mit ihm haben wir eine Persönlichkeit gewonnen, die für unsere Sache wirbt", freut sich von Oppen über das Engagement. Seiner Funktion entsprechend hält Sigwart einen großen Schirm in der Hand und meint lachend: "Das mache ich gerne. Allerdings muss ich noch intensiv trainieren. Oder kann man da auch mit dem Fahrrad mitmachen?"

Apropos Training: Das bestreiten Michael Gratz, Maria Mattisseck-Neef, Miriam Zahlten, Dietmar Kohler, André Cox, Suleman Magnsa und Rainer von Oppen jeweils für sich. Der eine geht morgens ganz früh, der andere am späteren Vormittag und der nächste nach Feierabend auf die Rennstrecke. Suleman Magnsa läuft vier Mal die Woche. "Meistens nach Titisee", sagt er. "Aber", schiebt er nach, "ich bin auch schon 52 Runden im Stadion gelaufen." Sein Ziel: Er möchte die 21,1 Kilometer unter einer Stunde 30 Minuten schaffen. "Jetzt bin ich bei 1,35", strahlt er. Suleman Magnsa will rennen.

Info: Wer die evangelische Kirchengemeinde unterstützen will, kann dies über das Spendenkonto bei der Sparkasse Hochschwarzwald, IBAN DE89 6805 1004 0004 1625 41, Stichwort "Lauf für die Kirche", tun.
von Tanja Bury
am Do, 23. März 2017

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