Verkehrskonzept

Wer zum Papst will, kommt auch hin

Der Papst kommt – und viele zehntausend Menschen wollen ihn sehen: Am 24. und 25. September ist Freiburg fest in Pilgerhand. Das Verkehrskonzept soll die Bewegungsfreiheit der Freiburger und ihrer Gäste garantieren. So funktioniert’s.

Nach aktuellem Stand werden 100.000 Gläubige beim großen Papstgottesdienst am Sonntag auf dem Flugplatzgelände erwartet. Bei der Jugendvigil am Abend davor rechtnen die Veranstalter mit 20 .000 Teilnehmern. Am Samstagnachmittag können an der Kaiser-Joseph-Straße 10.000 Zuschauer den Papst in Freiburg begrüßen. Der Empfang auf dem Münsterplatz ist 3000 geladenen Gästen vorbehalten.

Das Aachener Ingenieurbüro IVV hat ein Verkehrskonzept erarbeitet, das für einen reibungslosen Ablauf der Verkehrs- und Pilgerströme sorgen soll. "Es wird Einschränkungen geben, aber das ist für zwei Tage zumutbar", sagt Baubürgermeister Martin Haag. Freiburgs Polizeidirektor Heiner Amann betont, dass mit dem Konzept die Bewegungsfreiheit der Anwohner gewährleistet wird. Die Botschaft heißt: Wer zum Papst will, kommt zum Papst. "Aber man muss Geduld mitbringen", so Amann – ähnlich wie bei Fußballspielen: Da müsse man auch Zeit einplanen, will man zum Stadion. Entscheidend ist: Das Verkehrskonzept geht von der maximalen Zahl von 300 000 Besuchern aus, kann aber flexibel nach unten angepasst werden. Mit die größte Herausforderung stellt das Ende der Messe am Flugplatz dar, wenn alle Besucher gleichzeitig durch die fünf Ausgänge das Gelände verlassen wollen: "Dann werden die Wege voll sein, egal wie viele Besucher kommen", sagt Dirk Serwill, der das Konzept mit erarbeitet hat.

Hier eine Übersicht über die wichtigsten Punkte des Verkehrskonzeptes, unterglieder nach Verkehrsarten.

REISEBUS

Wer will schon allein im Auto fahren? In der Gruppe ist es doch viel schöner – und stressfreier. Daher, und um das Verkehrsaufkommen rund um Freiburg zu minimieren, empfehlen die Veranstalter sich für den Besuch des Gottesdienstes am Sonntag zu organisieren und in Reisebussen zu fahren. Die Parkplätze liegen in der Nähe der Veranstaltungsorte, "maximal 45 Minuten zu Fuß", verspricht Serwill. Es sind rund 3700 Stellplätze für mehr als 186 000 Pilger organisiert, nicht alle werden gebraucht. Die Stellplätze befinden sich unter anderem im Gewerbegebiet Hochdorf, am Mundenhof oder im Industriegebiet Nord. Von dort geht es auf extra eingerichteten Pilgerwegen zum Flugplatz. Die Parkplätze werden über ein Reservierungssystem vergeben, das Anfang August im Internet freigeschaltet wird (http://www.papst-in-freiburg.de Die Gruppen erhalten vor der Veranstaltung einen genauen Plan mit dem An- und Abfahrtsfahrtsweg zugeschickt.

BAHN

16 Prozent Besucher werden mit der Bahn anreisen, die Deutsche Bahn AG wird zusätzliche Züge einsetzen. Diese stoppen in Freiburg nur am Hauptbahnhof und am Haltepunkt Freiburg-West – aus Sicherheitsgründen werden die Haltestellen Herdern und Messe nicht bedient. Vom Hauptbahnhof führen Pilgerwege zu Fuß zum Flugplatzgelände. Damit es am Sonntag nach Ende des Gottesdienstes kein gefährliches Gedränge im Hauptbahnhof gibt, wird davor eine sogenannte Wartebox eingerichtet. Je nach Zahl der Teilnehmer kann es zwei bis vier Stunden dauern, bis alle Bahnreisenden Freiburg in Richtung Norden wieder verlassen haben. Die Wartezonen werden sowohl an der Innenstadt- als auch an der Stühlinger Seite angelegt. Die Pilger werden schon vorher aufgeteilt, je nach Richtung, in die sie abfahren. Statt durch die Unterführung gelangen alle über die Stadtbahnbrücke zu den Gleisen. Die Stadtbahnen der VAG werden deswegen am Sonntag nicht auf der Stadtbahnbrücke halten.

AUTO

Für Autofahrer werden im Maximalfall 23 500 Stellplätze für 65 000 Pilger bereitstehen. Alle liegen außerhalb von Freiburg. Die Papstbesucher werden dann mit einem kostenlosen Shuttlebus von den Parkplätzen in Kirchzarten, Emmendingen, Teningen, Riegel, Breisach und Bremgarten nach Freiburg gefahren. Shuttlebus-Haltestellen finden sich auf dem Güterbahngelände und an der Berliner Allee. In den Warteboxen gibt es Toiletten, Erste Hilfe und Trinkwasser. Etwa 130 Shuttlebusse stehen bereit. Behinderte und ältere Menschen können nach Anmeldung ihren Wagen auf dem messenahen Ikea-Parkplatz abstellen.

FAHRRAD

Die Verkehrsplaner gehen davon aus, dass rund acht Prozent der Papst-Freunde mit dem Fahrrad anreisen werden. Doch die Zweiräder sind ein Sicherheitsrisiko. Kommt es zu einer Panik, gelten sie als Stolperfalle Nummer eins. "Aus diesem Grund sind sie in der näheren Umgebung zu den Veranstaltungsorten verboten", erläutert Serwill (siehe Grafik). Radler werden zu Abstellplätzen geleitet, diese sind im Westen am Park-und-Ride-Platz an der Paduaallee, am Seepark und am Eisstadion geplant. Zudem wird das Parkhaus von Kaufland in Brühl für Fahrräder umfunktioniert, es werden Gitter aufgestellt, an denen jeder sein Rad anschließen kann. Von den Stellplätzen geht es dann nicht minder klimafreundlich zu Fuß zum Heiligen Vater.

FREIBURGER VERKEHRS-AG

Die VAG bietet am Samstag und Sonntag einen 24-Stunden-Service. Allerdings: In den roten Zonen können die Stadtbahnen nicht fahren und die VAG-Busse auch nicht auf den gesperrten Straßen. Das bedeutet: Es wird Abweichungen von den normalen Linienführungen und Fahrplänen geben. Die VAG wird rechtzeitig informieren, heißt es.

PILGERWEGE UND MEHR

Es werden zahlreiche Pilgerwege, die zum Flugplatz führen, angelegt und auch entsprechend ausgeschildert und nachts beleuchtet. Freiburgs breitester Pilgerweg dürfte die Paduaallee sein, über welche die Fußgänger gen Flugplatz kommen. Dazu gibt es Rettungswege zu allen Krankenhäusern, plus ein Medical Center an der Messe. Ausgewiesen ist auch eine sogenannte Protokollstrecke, auf welcher sich Benedikt XVI. durch Freiburg bewegt. Diese wird aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben. Ist der Papst durch, werden hier alle Sperrungen jeweils schnell wieder aufgehoben.

Stichwort: Verkehrszonen

Während des Papstbesuchs sind Stadtgebiet und Umland in drei Verkehrs- und eine Sicherheitszone unterteilt. Sie gelten zeitlich gestaffelt. Dunkelrote Sicherheitszone ist jeder Ort, an dem Benedikt XVI. auftritt. Sie ist abgezäunt, am Ein- und Ausgang gibt es Kontrollen. Daran schließt die rote Verkehrszone an. Dort haben nur Fußgänger Zugang, Radler sind tabu, öffentlicher Nahverkehr findet nur eingeschränkt statt. Rote Zonen gibt es in der Innenstadt am Samstag von12 bis 15 Uhr, am Sonntag zur heiligen Messe, am Flugplatz von Samstag 15 bis Sonntag 16 Uhr, am Konzerthaus sonntags von 16 bis gegen 18 Uhr. Achtung: Alle Zeitangaben können sich in der Detailplanung noch ändern. An die rote schließt die gelbe Verkehrszone an, in die nur Anwohner Zufahrt haben. An den Zoneneingängen werden Personalausweis oder Fahrzeugschein kontrolliert. Wer innerhalb der Zone arbeitet, erhält eine Ausnahmegenehmigung. Die Zone gilt am Samstag im erweiterten Innenstadtbereich von 12 bis 15 Uhr, an Messe und Flugplatz von 15 bis 24 Uhr. Von Mitternacht an erstreckt sie sich bis circa 18 Uhr über das Stadtgebiet ohne Tuniberggemeinden bis nach Gundelfingen, Merzhausen und Heuweiler. An die gelbe dockt die grüne Zone an. Sie erstreckt sich von Ehrenkirchen über Hinterzarten bis Denzlingen und Umkirch. Schilder weisen dort auf Sperrungen hin und leiten großräumig um. Aber eines gilt ganz sicher: Raus aus Freiburg kommt man am Wochenende zu jeder Zeit.

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von Alexandra Sillgitt und Joachim Röderer
am Sa, 23. Juli 2011 um 13:20 Uhr

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