Wie dicht hätten wir’s denn gerne?

OB Müller sucht mit Vorschlägen für einen Kompromiss zwischen Reichswaisenhaus und Bauwert nach einem Ausweg.

LAHR. Um die verhärteten Fronten in Sachen Bebauung des Altenbergs aufzuweichen, sucht die Stadt vor der Bürgerinformation am 10. März den Kontakt mit dem Verein Reichswaisenhaus und Investor Birk. Ziel ist eine erneute Reduzierung bei der Dichte der Bebauung. Derzeit sind rund 150 Wohneinheiten vorgesehen. Theoretisch wäre eine Reduzierung möglich, wenn sich der Verein beim Kaufpreis flexibel zeigte.

Im Pressegespräch präsentierte die Verwaltung gestern ihre Vorstellungen. Zugleich gab sich Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller überzeugt, sollte das Projekt scheitern, wäre dies bestenfalls ein kleiner Zeitgewinn für die Gegner: "Dann steht die Bebauung spätestens in fünf Jahren auf der Wiedervorlage." Konkret sind es vier Bitten, mit denen die Stadt auf die Deutsche Bauwert und den Verein Reichswaisenhaus zugeht, und dabei auf beiden Seiten auf eine einvernehmliche Lösung hofft.

» Uwe Birk, Vorstandsvorsitzender der Immobiliengesellschaft Deutsche Bauwert Holding soll erneut prüfen, ob für ihn die Option einer reduzierteren Bebauung in dichte und Höhe ökonomisch darstellbar ist.

» Voraussetzung dafür wäre, dass sich der Verein Reichswaisenhaus zu einer Reduzierung des Kaufpreises durchringen kann, wenn dafür flexibler geplant werden kann.

Die Stadt bittet Birk noch einmal zu prüfen, ob bei der Bebauung eine soziale Komponente eingebaut werden kann. Mit anderen Worten: ob auch für Menschen mit geringerem Einkommen erschwinglicher Wohnraum geschaffen werden kann.

Der Verein Reichswaisenhaus sollte vor einem Verkauf klar benennen, welchem sozialen Zweck der Erlös aus dem Verkauf des Areals zufließen, ob er möglicherweise in eine Stiftung oder Zustiftung übergeführt soll.

Noch in dieser Woche sucht Müller das Gespräch mit Uwe Birk. Auch wenn das Verfahren derzeit durch den anstehenden Bürgerentscheid ruht – der Bebauungsplan Altenberg steht unter den rund 50 Bebauungsplänen, die derzeit im Bauamt bearbeitet werden, in der Priorisierung ganz oben, machte Müller klar: "Zum einen gibt es in der Stadt ganz klar den Bedarf nach Wohnraum, zum anderen wollen wir dem Verein helfen, der seine Immobilien und das Areal nicht anders nutzen kann." Die Stadt werde den Aufstellungsbeschluss sicher nicht zurücknehmen. "Wichtig sind jetzt Signale vom Investor und vom Grundstückseigentümer", formulierte er seine Erwartung. "Das Schlimmste, was uns drohen kann, ist Stillstand."

Sollte die Bürgerinitiative Altenberg beim Bürgerentscheid das nötige Quorum erreichen, dann drohen drei Jahre Stillstand. "Danach", so Baubürgermeister Tilman Petters, "fangen wir wieder bei Null an. Alle Untersuchungen müssen wiederholt werden" Die Awo habe dort noch für mehr als 20 Jahre einen Erbbaumietvertrag, könne und wolle die ganze Anlage seit Jahren aber nicht mehr nutzen.

Der Kindergarten "Die kleinen Strolche" sitzt seit mehr als zehn Jahren in dem historischen Gebäude und seit einiger Zeit auf gepackten Koffern. Der Auszug ist im Prinzip beschlossene Sache. Und der Verein Reichswaisenhaus, dem die Immobilie gehört, hat keine Mittel, um diese in Schuss zu halten. Vom Planungsrecht her definiere der derzeitige Bebauungsplan das Areal als Siedlungsgelände mit einem klar definierten sozialen Zweck, so Petters.

"Aber da sind die Möglichkeiten der Refinanzierung eng begrenzt – ganz abgesehen davon, dass es keinen Interessenten gibt, der auf dieser Grundlage investieren will." Aus rechtlichen Gründen ausgeschlossen ist nach Überzeugung der Stadt, ein Teil des Areals als Bauland zu veräußern, um mit dem Erlös die Sanierung der denkmalgeschützten beiden Häuser zu finanzieren. "Wir wollen, dass die beiden Baudenkmäler weiter genutzt werden." Für eher unwahrscheinlich hält Oberbürgermeister Müller Befürchtungen von Anliegern, ihre Immobilien in der Bürklin- oder Altvaterstraße verlören an Wert, wenn der Altenberg erst einmal bebaut ist: "Der Bodenrichtwert liegt schon jetzt bei 165 bis 210 Euro pro Quadratmeter."
von Manfred Dürbeck
am Di, 14. Februar 2017

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