BZ-Interview

Wie familienfreundlich ist Grenzach Productions?

GP ist ein zertifiziertes Unternehmen und hat 2009 den Jobmotor-Sonderpreis der BZ für Vereinbarkeit von Beruf und Familie erhalten. Britta Kuck hat sich mit der GP-Familienbeauftragten Andrea Hahn über betriebseigene Krippenplätze und flexible Arbeitszeiten unterhalten.

Britta Kuck

BZ: Wie familienfreundlich ist GP heute?
Hahn: Als wir den Kriterienkatalog zum Audit "Beruf und Familie" mit den acht Handlungsfeldern durchgegangen sind, waren wir erstaunt, wie viele Angebote und Unterstützungsmöglichkeiten wir bereits hatten. Teilzeitmodelle, auch im Schichtbetrieb, gab es bei GP schon in den 70er Jahren. Ziel der Auditierung war aber, in einer Gesamtstrategie alle Aktivitäten zusammenzufassen.

BZ: Die Familienmonitore (die repräsentativen Umfragen zu Familienleben und -politik) haben ergeben, dass vor allem berufstätige Mütter Kinderbetreuungsplätze in Betrieben und flexible Arbeitszeiten als große Erleichterung ansehen.
Hahn: Das kann ich nur bestätigen. Wir haben in unserem Betrieb sehr viele Teilzeitmodelle sowie Gleitzeit ohne Kernarbeitszeiten. Voraussichtlich werden wir noch in diesem Jahr mobile Telearbeit einführen. Die Bedürfnisse der Beschäftigten sind eben sehr unterschiedlich. Das spiegelt sich vor allem in den Teilzeitmodellen wider: Einige arbeiten lieber immer vormittags, andere zwei Tage in der Woche. Wieder andere arbeiten einen oder anderthalb Tage im Büro und einen Tag zu Hause.

BZ: Für Alleinerziehende wird in Deutschland immer noch zu wenig getan. Es mangelt an Betreuungsplätzen, vor allem für Kleinkinder. Wie unterstützt GP alleinerziehende Mitarbeiter?
Hahn: Ein besonderes Programm für Alleinerziehende haben wir nicht. Die Maßnahmen im Auditierungsprozess wurden gemeinsam von einer repräsentativen Mitarbeitergruppe des Unternehmens erarbeitet. Hier waren Beschäftigte mit Kindern unterschiedlichen Alters beteiligt, darunter auch eine alleinerziehende Mutter, aber auch Singles und eine Mitarbeiterin, die Pflegeaufgaben bei den Eltern wahrnimmt. Dabei hat sich nicht herausgestellt, dass in unserem Betrieb besonderer Handlungsbedarf bei den Alleinerziehenden besteht.

BZ: Alleinerziehende haben also auch keinen Anspruch auf einen der betriebseigenen Krippenplätze – vor den anderen Beschäftigten bei GP?
Hahn: Bei der Vergabe der Krippenplätze zählt das Anmeldedatum. Für Härtefälle gibt es eine Sonderregelung. Grundsätzlich möchten wir ein bedarfsgerechtes Angebot schaffen. Nach dem Thema Kleinkindbetreuung sind wir das Thema Ferienbetreuung angegangen. Damit möchten wir unseren Mitarbeitern die Gratwanderung zwischen 30 Urlaubstagen und 90 Ferientagen der Kinder erleichtern.

BZ: Warum ist es längst noch nicht selbstverständlich, dass Betriebe Anreize schaffen, damit Arbeitnehmer Beruf und Familie besser unter einen Hut bringen?
Hahn: Ich selbst komme aus Thüringen und bin in Kindertagesstätten groß geworden. Für mich war es normal, dass meine Mutter Vollzeit gearbeitet hat. Die komplette Betreuung war sichergestellt durch Kindertagesstätten. Hier in Westdeutschland habe ich aber oft das alte Rollenmodell erlebt: Die Frau bleibt wegen der Kinderbetreuung für längere Zeit zu Hause. Zunehmend verändert sich dieses Rollenbild. Die Frauen möchten wieder arbeiten, scheitern aber oftmals, weil es an Kinderbetreuungsplätzen mangelt. Aus Unternehmenssicht können wir einen frühen Wiedereinstieg nur unterstützen. Für uns ist es besser, wenn die Mitarbeiterin nur ein Jahr fehlt, anstatt drei Jahre. Es lohnt sich auf jeden Fall auch für Unternehmen. Vor allem im Rahmen der demografischen Entwicklung werden wir um das Thema in Zukunft nicht herum kommen.

Mehr zum Thema:
von bku
am So, 07. März 2010 um 18:51 Uhr

Badens beste Erlebnisse