Hochschwarzwald

Wie in Dresden die neue Orgel für Titisee entsteht

Mehr als 350.000 Euro kostet die neue Orgel für Titisee. Jetzt laufen in Dresden die Arbeiten für das Instrument an. Die BZ hat nachgefragt, was bei den Orgelbauern derzeit passiert.

"Die Orgel ist doch in meinen Augen und Ohren die Königin aller Instrumente", schrieb Wolfgang Amadeus Mozart einst in einem Brief an seinen Vater. Die neue musikalische Königin der Christkönigkirche in Titisee entsteht gerade in Dresden. Dort wird das neue Kircheninstrument bei der Firma Jehmlich gebaut. Die Badische Zeitung hat nachgefragt, was derzeit in der sächsischen Hauptstadt geschieht und wann die etwa 350.000 Euro teure Orgel im Hochschwarzwald zu hören sein wird.

Es begann mit einem weit entfernten Zufall. Johannes Götz spielte ein Orgelkonzert in der katholischen Kirche Bratislava-Lamac und war äußerst angetan von dem Instrument, auf dem er spielt. Der erzbischöflicher Orgelinspektor erkundigte sich, was da für eine Orgel in der Hauptstadt der Slowakei erklang. Und so kam es, dass die Firma Jehmlich aus Dresden überhaupt in die Ausschreibung für den Orgelneubau für die Christkönigkirche in Titisee kam.

Mit Erfolg, die Dresdner Orgelbauer bekamen Anfang 2014 den Zuschlag. Jetzt arbeiten bis zu zehn Spezialisten an dem Kircheninstrument für Titisee. Vor circa drei Monaten wurde begonnen die Konstruktionszeichnungen anzufertigen. Jetzt entstehen nach und nach die vielen Orgelteile.

"Das ist eine tolle Zusammenarbeit mit der Gemeinde."
Ralf Jehmlich, Orgelbauer
Jede Orgel ist ein Einzelstück und wird individuell für die Größe des Raumes und die Akustik zugeschnitten. Die Orgel, die bald in Titisee erklingen wird, hat 19 Register. Jedes Register besteht aus einer klangspezifischen Pfeifenreihe. Bedient werden die insgesamt 1154 Pfeifen über zwei Manuale, also Klaviaturen, und Pedale. "Damit ergeben sich breit gefächerte musikalische Möglichkeiten", sagt Ralf Jehmlich, Inhaber der Firma und selbst gelernter Orgelbauer. Er ist überzeugt, dass hier ein echtes Schmuckstück entsteht. "Das Instrument dient vorrangig der Liturgiebegleitung, vermag die Kirche bei Vollbesetzung führen und ist auch für Konzerte konzipiert."

177.000 Euro gespendet für die neue Orgel

Die alte Orgel stammt aus dem Jahr 1937 und weist zunehmend Störungen auf. Sie entspricht nicht mehr den heutigen Ansprüchen. Der Auffassung ist auch der Orgelbauverein Christkönig Titisee. Der Verein ist seit mehr als zehn Jahren aktiv und ohne ihn gäbe es wohl keine neue Königin. Die sehr aktiven Mitglieder haben es geschafft, bislang etwa 177.000 Euro an Spenden zusammenzutragen.  "Der Orgelbauverein ist über das bisher Erreichte sehr froh, wir möchten jedoch noch etwas über das Realisierungsdatum hinaus aktiv bleiben, um die zu erwartenden Kreditlasten für die Kirchengemeinde Christkönig möglichst gering zu halten", sagt Clemens Disch, der Vorsitzende des Vereins. "Das ist eine ganz tolle Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Die Menschen sind sehr engagiert", sagt Ralf Jehmlich, dem die Arbeit des Vereins imponiert.

Die Firma Jehmlich ist in der sechsten Generation in Familienhand. Seit 1808 hat das Unternehmen viele Orgeln gebaut, es stehen Exemplare in Norwegen und sogar Japan. Das Instrument für Titisee trägt die Opus-Nummer 1166. Für Jehmlich bleibt trotz der hohen Zahl jede Orgel etwas Besonderes. "Das sind unsere Kinder. Wenn eine Orgel entsteht, ist das schon so etwas wie eine Schwangerschaft", sagt der dreifache Vater. Die Firma kommt jedes Jahr für Wartungsarbeiten nach Titisee. Für Jehmlich entsteht eine besondere Bindung. "Es ist ein schöner Gedanke, dass jeden Sonntag unser Instrument in einer Kirche klingt."

In Einzelstücken kommt die Orgel nach Titisee

Und bis es so weit ist, ist nicht mehr lange hin. Im März 2015 soll die Orgel zum ersten Mal in der Orgelbauwerkstatt in Dresden komplett aufgebaut werden. Anschließend wird sie abgebaut, die Teile einzeln verpackt und nach Titisee transportiert. Im April soll die Montage erfolgen, im Juni wird das Instrument intoniert und gestimmt. Und am 12. Juli dann folgt der Höhepunkt: Die fertige Orgel wird in der Christkönigkirche beim Pfarrfest geweiht und erstmalig erklingen.
von Sebastian Wolfrum
am Mi, 03. Dezember 2014 um 16:15 Uhr

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