... als Jungjournalist zwischen lauter überdrehten Profi-Journalisten?

Wie ist es eigentlich: "Es ist ein Abenteuer für sich"

Schuhe, Hose, Jackett – alles sitzt in bester Ordnung. Beim Besuch von Angela Merkels Wahlkampfauftritt in Rust als ganz offiziell akkreditierte Pressevertreter wollen wir Jugendredakteure eben aussehen wie echte Journalisten. Als wir schließlich ankommen, sind alle angespannt: Haben alle ihre Ausweise dabei? Was, wenn doch ein Name auf der Anmeldungsliste fehlt? Am Eingang zum Europa-Park-Dome stehen Beamte des Bundeskriminalamts und durchsuchen alles, die Kameraausrüstung wird haarklein inspiziert. Alles gut: Wir dürfen rein, bekommen sogar einen Umhänge-Presseausweis – das Markenzeichen eines Journalisten. Von nun an gehören wir zum Profi-Pressevolk, reißen uns um die besten Artikel und Fotos. Im extra abgetrennten Bereich "Reserviert für Presse" sind zwar alle Tische und Stühle bereits belegt. Doch allein, hier hineingelassen zu werden, ist ein Abenteuer für sich. Wir fallen dann doch ein bisschen auf unter all den ernsten Gesichtern in Anzug und Krawatte. Am Anfang hören wir noch dem Vorprogramm zu, es wird in kleinen Grüppchen diskutiert. Noch herrscht reges Treiben im Dome. Natürlich müssen sich dann die Reporter mit den größten Kameras, mit den unhandlichsten Stativen und mit dem sperrigsten Gerät durch die sowieso schon viel zu engen Reihen quetschen.

Als dann endlich der heiß ersehnte Augenblick gekommen ist, geht alles doch ein bisschen zu schnell. Alle stehen auf, wollen so nah wie möglich dran sein. Blitzlichter überall, Jubel und Schilder: Die Bundeskanzlerin ist eingetroffen. Und ehe wir uns versehen, stehen wir hinter einer Wand aufgedrehter Menschen mit Kameras und Diktiergeräten. So sieht sie also aus, die Welt der Journalisten. Um uns herum stehen mindestens ein Duzend Bodyguards und Organisatoren. Als Angela Merkel die Bühne betritt und zu sprechen beginnt, wird fleißig getippt und gekritzelt, ganz nach Geschmack. Die Zuhörer sind leise und horchen Merkel aufmerksam zu, zwischendurch ertönt Applaus – auch wenn man vor lauter Mitschreiben gar nicht immer so genau weiß, warum eigentlich gerade geklatscht wird. Denn auch wir schreiben – natürlich! – fleißig mit. Als Angela Merkel zum Ende kommt und jemand anderes zu sprechen beginnt, sinkt sofort spürbar die Spannung unter den Journalisten. Die Fotografen und Reporter sind nicht mehr ganz so aufmerksam, stellen ihre Kameras neu ein, gehen über ihre Notizen. Angela Merkel wird schließlich mit viel Trara aus dem Gebäude verabschiedet. Nur wir sind ein bisschen enttäuscht: Aus unserem Mini-Interview wurde nichts (siehe Text oben).

von Ines Schwendemann
am Sa, 14. September 2013


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