Freiburg

Wie war’s bei … der Jugendvigil auf der Neuen Messe?

23.000 – zumeist junge – Menschen haben mit dem Papst auf der Neuen Messe die Jugendvigil gefeiert. Zum Warm-up ein paar Bands, Souvenirs zuhauf und dann der Papst on stage: Die Kurzkritik.

Der erste Eindruck: Auf dem Messegelände sind am Anfang mehr Polizisten als Pilger. Das Vorprogramm beginnt mit Verspätung. Erst nach und nach trudeln immer mehr Gruppen von Jugendlichen ein und auch etliche Papstfans jenseits der 30. Am Ende tummeln sich nach Polizeiangaben 23.000 Menschen auf dem Platz. Viele tragen bunte T-Shirts. "Jesus is my star" oder "Ministranten Oberrotweil" steht darauf. Viele lachen, manche singen sogar. Die Stimmung ist fröhlich und entspannt, wie bei einem riesigen Ministrantenlager.

Die Location: Mittelpunkt ist eine überdachte Bühne in edlem Silbergrau rechts neben den Messehallen. Zu beiden Seiten stehen riesige Lautsprecher und Bildschirme, wie bei einem Popkonzert. Nur die Polizeipräsenz ist größer. Die Besucher sammeln sich entweder vor der Bühne oder an den Fressständen. Die große Fläche dazwischen bleibt lange leer. Viele steuern auch als erstes den Stand mit Papst-Souvenirs an, vom Benedikt-Becher bis zur batteriebetriebenen Kerze. Der Renner sind die knallroten Papst-Käppis – kein Wunder bei dem Sonnenschein. Bratwürstleduft und Gelächter erfüllen die Luft.

Das Warm-Up: Um 15.43 Uhr begrüßen die SWR3-Moderatoren Anetta Politi und Volker Janitz die Pilger und geben das Mikrofon bald an die Mannheimer Band "Rathsfeld" weiter. Deren sanfter Pop mit den gefühlsbetonten, manchmal auch nachdenklichen Texten passt zur Stimmung. Der Sound ist gut, die Stimme von Sängerin Eva Rathsfeld sogar auf den wenigen Schattenplätzen am Rand des Messegeländes gut zu hören. Sie spielen eine halbe Stunde, dann übernimmt wieder das Moderatorenduo. Die beiden holen Zivis, FSJler und andere Jugendliche auf die Bühne und lassen sie von ihrem sozialen Engagement erzählen. Danach spielen noch mal "Rathsfeld". Dann kommen wieder die Moderatoren. Dann Akrobaten vom Europa-Park Rust, dann wieder Moderatoren. Das Hin und Her zwischen Musik und Gesprächen geht weiter bis der Papst kommt.

Die Klatschstangen: Ohne die grünen und roten Lufthüllen, die, kräftig gegeneinander geschlagen, wie Blechtrommeln scheppern, geht beim Vorprogramm gar nichts. "Young and faithful" steht auf den Stangen, die kostenlos an die Pilger verteilt werden. Vor allem die Rhythm-and-Move-Combo "Synergybeats" schafft es, dass viele Zuschauer die aufgeblasenen Tüten mit ausgestreckten Armen hin und her schwenken. "Synergybeats" ist eine Gruppe aus Trainern und Musikpädagogen, unterstützt von einer Rhythmikgruppe. Zusammen animieren sie das Publikum vor der Bühne wie einen Aerobic-Kurs im Fitnessstudio. Die Klatschstangen taugen aber auch für Meinungsumfragen: Bei der Aussage "Alle Entscheidungen für die Kirche vor Ort sollen zentral in Rom getroffen werden", ragen fast nur rote Stangen in den Himmel. Also klare Ablehnung. Ebenso für "Wer hält gelebte Sexualität für Sünde?" und ähnliche Statements.

Der Durst: Immer wieder ermahnen die Moderatoren die Zuschauer, genügend zu trinken. Die Sonne brennt auf den Platz, viele setzen Kappen auf oder binden sich ihr T-Shirt um den Kopf. Andere suchen hinter, vor und neben den Toilettencontainern oder Zelten Schatten. Die zahllosen freiwilligen Helfer in ihren orangefarbenen T-Shirts verteilen Wasser an die Pilger.

Der Papst on stage: Vierzig Minuten, bevor der Heilige Vater eintreffen soll, beginnt das Einsingen. Eine Sängerin der Gruppe "Sisterzone" übt mit den Pilgern die Lieder für die Gebetswache. Vielstimmige "Aaaaahs" und "Ooooohs" schallen über den Platz. Dann läuft die Zeit: Immer mehr Menschen drängen sich an den Absperrgittern entlang der Route, die das Papamobil zurücklegen soll. Gebannt schauen alle auf die großen Bildschirme. Viele schwenken Flaggen – die deutsche, aber auch die Schweizer, die polnische oder die bayerische. Die "Stupfericher Minis" grüßen Papst Benedikt XVI. "We love Benedikt" steht auf den Transparenten. Wobei das Wort "love" durch ein rotes Herz ersetzt ist. Als das Papstauto um kurz nach sieben endlich auftaucht, brandet Jubel auf. Immer dort, wo der Papst vorbeifährt, jubeln die Menschen besonders laut. Manche haben Tränen in den Augen. Sanft lächelnd grüßt der Papst durch die offenen Fenster seines Mobils. Auf diesen Moment haben die Menschen gewartet. Das Programm drumherum war nur Zugabe. Wie beim Auftritt eines Weltstars, an den keine Vorgruppe heranreicht. Der Papst in seinem rotgoldenen Fest trifft hier auf Fans. Als er die Bühne betritt: Jubel. Wenn die Kameras sein Gesicht einfangen: Beifall. Als er sagt, dass er sich den ganzen Tag auf diesen Abend gefreut habe: Riesenjubel. Sein Auftritt ist perfekt geplant und klappt ohne Panne.

Lichter an! Rechtzeitig zur Ansprache des Papstes entzünden freiwillige Helfer die ersten Kerzen. Und die Gläubigen geben das Licht weiter von Kerze zu Kerze, wie in der Osternacht. Die aufgedreht-fröhliche Stimmung weicht einer besinnlichen. Die Sonne ist längst untergegangen. Lautlos stehen die Menschen im Dunkeln, schauen auf die Kerze in ihrer Hand und lauschen den Worten des Papstes. "Ihr seid das Licht", ruft er ihnen zu. Das ist das, was sie hören wollen. Gläubige Christen ziehen daraus Kraft. Der Papst trifft den richtigen Ton. Hinterher haben viele ein seliges Lächeln auf dem Gesicht.

Die After-Show-Party: Als die Vigil zu Ende und der Papst wieder weg ist, übernehmen "Ararat" die Bühne. Die Band will 90 Minuten spielen, egal wie viele Zuschauer jetzt schon von der Bühne weg zu den Ausgängen streben. "Ararat" singen, wie alle Bands an diesem Tag, überwiegend deutsche Texte und christliche. Während die Musik über das Gelände schallt, gehen viele Pilger in die Besinnungszelte. Drei Zelte, in denen sie beten, singen oder einfach nur über das Erlebte nachdenken können. Um 21.15 Uhr, der Papst ist noch keine Stunde weg, sind die Zelte voll. Vor der Bühne harren nur noch wenige aus. "Ararat" spielen immer noch. Eine Ministrantengruppe aus dem Kreis Rottweil tanzt munter im Kreis, während andere schon ihre Isomatten ausgerollt haben und darauf schlafen. Der Boden ist übersät von zerplatzten Klatschstangen, zerknüllter Plastikfolie und zerfetzten Papiertüten.

Fazit: Die Fans waren begeistert, die Schaulustigen zufrieden, der Papst sichtlich geschafft nach seinem anstrengenden ersten Tag in Freiburg. Die Organisatoren und die vielen freiwilligen Helfer haben sich ein Extralob verdient.
von Barbara Schmidt
am So, 25. September 2011 um 00:23 Uhr

Badens beste Erlebnisse