"Wir sind alle besonders stolz"

Großer Andrang beim Showtraining von Arthur Abraham im Dome des Europa-Parks.

Pünktlich um 15 Uhr betritt der ehemalige Weltmeister, der in diesem Jahr wieder Weltmeister werden will, den Europa-Park-Dome. Als Arthur Abraham um sich blickt, schleicht sich ein Lächeln in sein Gesicht. Voll ist die Halle an diesem Sonntagnachmittag, Mitarbeiter des Parks karren schon seit einigen Minuten Stühle herbei. "Wir haben mit etwa 100 Zuschauern gerechnet", sagt Roland Schwär, Veranstaltungsleiter im Europa-Park, "jetzt sind es bestimmt 750." Großer Bahnhof für die Profiboxer, die sich mit einem einstündigen Show-Training die Ehre geben.

Arthur Abraham will am Samstag in Offenburg sein Comeback starten, bei einem Kampf gegen den Argentinier Pablo Oscar Natalio Farias. Immerhin geht es um nicht mehr oder nicht weniger als um seine sportliche Zukunft. Diesen Druck sieht man ihm sechs Tage vor dem Kampf aber nicht an: Locker, lässig, gut gelaunt und cool zeigt er sich im Europa-Park, wo er dieser Tage auch logiert. Im schwarzen Trainings-Outfit schlendert er durch die Reihen – und schon ist er dicht umringt von Fotografen und Fans. Mitten in Dome steht ein fünf mal fünf Meter großes Seilgeviert, dort hat sich auch die kleine Euro-Maus aufgebaut, stilecht mit blauem Bademantel und Boxhandschuhen. Der echte Boxring am Samstag in der Baden-Arena wird 6,10 mal 6,10 Meter messen.

Neben Arthur Abraham und dessen kaum weniger bekanntem Trainer Ulli Wegner ist ein Handvoll anderer Kämpfer erschienen, die sich am Samstag im Ring schlagen werden. Zum Beispiel Henry Weber, der den Titelverteidiger Robert Stieglitz in einem Supermittelgewichts-WM-Kampf des Verbandes WBO herausfordert. Sauerland-Pressesprecher Frank Bleydorn macht im Ring den Conférencier. Während Weber zu Rockmusik Liegestützen macht, Tatzenarbeit und Schattenboxen vorführt, befriedigt Arthur Abraham die Wünsche der Fans. Ungezählte Male stellt er sich zu Erinnerungsfotos auf. Väter, die kleine Buben im Schlepptau haben, reichen ihm Boxhandschuhe, die er mit stoischer Ruhe signiert.

Unter den Sportfreunden, die seine Nähe suchen, sind auch Menschen aus der armenischen Gemeinde in Kehl. Tavit Halkacioglu sagt: "Ich schaue mir immer seine Kämpfe an. Egal ob nachts oder morgens um Sechs. Ich bin ein ganz großer Fan." Auch Hayik Parlar, Vorsitzender der Gemeinde, sucht die Nähe des gebürtigen Armeniers. "Es werden viele von uns beim Kampf sein. Das ist ein ganz besonderes Ereignis. Wir sind alle besonders stolz auf ihn."

Der zweite Faustkämpfer, der sich dem Publikum zeigen darf, ist Robert Stieglitz, der Gegner von Henry Weber. Auch er zeigt einen Ausschnitt aus seinem Aufwärmprogramm. Durch die Reihen der Zuschauer geht ein Raunen, wenn die Schläge wuchtig auf die Tatzen klatschen.

Dann klettern Arthur Abraham und Ulli Wegner zur Musik von The Boss Hoss in den Trainingsring. Der Boxer führt vor, wie elegant er sich beim Seilspringen bewegt, während Wegner zum Mikrophon greift, mit heißerer Stimme Werbung für seine Biographie macht und noch sagt: "Ich drücke uns die Daumen, dass wir den alten und den großen Abraham am Samstag wieder sehen." Der Boxer selbst hat sich etwas in Schweiß gebracht, außer Atem ist er aber nicht, als er zum Schluss ins Mikrophon spricht: "Ich möchte mich bei den Fans bedanken. Schön, dass heute so viele gekommen sind. Schön, dass der Kampf ausverkauft ist." Dann ist die Stunde auch schon vorbei, Abraham gibt der ARD, die den Boxabend aus Offenburg überträgt, noch ein Interview, und der Dome leert sich wieder.
von Uwe Schwerer und Wolfram Köhli (Bilder)
am Mo, 09. Januar 2012

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