Familien in Südbaden

Wo Tiere zur Familie gehören

Der Deutschen liebstes Tier ist das Haustier. Hund, Katze und – in unserem Fall Gelbbrust-Aras – sind aber auch Therapeut, Freund und Gesprächspartner.

Der Deutschen liebstes Tier ist das Haustier. Nicht selten, dass es einen separaten Platz am Tisch bekommt und besondere Annehmlichkeiten genießt. Hund, Katze und – in unserem Fall Gelbbrust-Aras – sind aber auch Therapeut, Freund und Gesprächspartner. Die BZ-Redakteure Katja Mielcarek und Michael Krug haben sich mit drei Tierliebhabern unterhalten.

BZ: Frau Heim-Wagner, wir nehmen an, Sie sind im Herrischrieder Ortsteil Niedergebisbach so bekannt wie ein bunter Hund wegen Ihrer beiden Gelbbrust-Aras Pablo und Lara?

Heim-Wagner: Ich achte da nicht so drauf, aber wahrscheinlich schon. Freifliegende Aras sind ungewöhnlich für den Hotzenwald. Die Autofahrer schauen schon. Das macht Spaß, das ist was ganz anderes, wenn man so durchs Dorf läuft mit den beiden.
BZ: Keine Angst, dass die ausbüxen?

Heim-Wagner: Normalerweise sind sie sehr fixiert auf mich. Wenn ich will, dass sie fliegen, muss ich meinen Mann holen, der bringt sie raus. Dann fliegen die wirklich ihre Runde. Irgendwann kommen sie wieder zurück auf die Voliere. Es gab aber auch schon Zeiten, da hat er mich angerufen und gesagt: Komm’ heim, komm’ heim, ich krieg sie nicht rein.

BZ: Frau Folk, ist Ihnen Ihre Katze Luzie schon mal abgehauen?

Folk: Wir sind zweimal umgezogen...

BZ: ... Umziehen mit Katzen – ein heikles Thema.

Folk: Das erste Mal schon. Da ist sie ein Dreivierteljahr alle zwei Wochen ins alte Haus. Wir wussten nicht, wo sie ist, bis die alten Nachbarn uns informiert hatten. Dieses Jahr sind wir wieder umgezogen, in eine Wohnung mit einem großen Garten. Drei Wochen haben wir sie dringelassen, dann ist sie uns doch entwischt. Sie ist wieder an das erste Haus gelaufen. Als ich sie dort abholte, hat sie sich richtig gefreut. Und seitdem, also seit Februar, ist sie nie mehr abgehauen.

BZ: Geht das spurlos an Ihnen vorbei, wenn die Katze nicht auffindbar ist?

Folk: Wenn sie zwei Tage fehlt, mache ich mir schon Sorgen. Andererseits finde ich das gerade gut, dass eine Katze so selbstständig ist und nicht dauernd betüddelt werden muss.

Wehner: Mein Hund Amelie, ein Irish Terrier, und ich sind nur für die sieben Stunden Schlaf getrennt. Morgens geht es gleich gemeinsam los mit dem Zeitungholen, dann gibt es die ersten Streicheleinheiten und dann gehen wir spazieren.

Die Katzenklappe bin ich. Gabriele Folk steht auch nachts um vier auf.
BZ: Wie kamen Sie "auf den Hund"?

Wehner: Ich bin mit Hunden großgeworden. Und in einem Urlaub haben meine Frau und ich einen Irish Terrier gesehen, da wussten wir, der ist es. Der Hund muss auch zum Herrchen passen. Amelie ist der zweite Hund, zwischen dem ersten und ihr lag eine Pause von mehr als zehn Jahren. Eigentlich heißt sie ja Gwenny von Lenzholz. Von dem Namen haben wir aber nie Gebrauch gemacht. Meine Tochter hat damals, als ich in Rente gegangen bin, gesagt, der Papa, der braucht was, außer Garten und so. Und dann haben wir im Internet gesucht und in Köln gab es gerade einen Wurf. Amelie sollte eigentlich nach München, aber in die Innenstadt – das war dem Besitzer nicht so geheuer.

BZ: Jetzt sind Hund und Katze ja Tiere, die man knuddeln kann...

Heim-Wagner: Einen Papagei kann man auch knuddeln. Pablo ist sehr bezogen auf mich. Wenn Lara dazukommt, stinkt ihm das natürlich, dann will er mir die Brille runterreißen und ich muss x-mal sagen: Nicht meine Brille. Wenn ich aber sage: Komm’ kuscheln, dann kommt er runter, dann wird er gekrault.

BZ: Und wo sind Ihre Tiere nachts?

Folk: Meine Katze Luzie schläft bei mir ab und an unter der Decke. Wenn sie rauswill, schmeißt sie alles vom Nachttisch. Dann rumpelt es und das nervt mich, dann steh’ ich auf, lass’ sie raus und dann ist wieder Ruhe.

BZ: Sie haben keine Katzenklappe?

Folk: Die Katzenklappe bin ich. Ich steh’ auch nachts um vier auf.

BZ: Dürfen die Papageien ins Bett?

H-W: Nein, die würden nur knabbern. Die ruhen und krallen sich an die Voliere, in der Schlafstellung. Bei mir gibt es da klare Regeln, wie bei Kindern.

BZ: Wo schläft Ihre Hündin Amelie?

Wehner: Die hat ihr Körbchen, das schieb ich in die Küche und da bleibt sie auch. Ich gehe eigentlich nie vor zwölf ins Bett. Aber ab elf, halb zwölf kommt sie und guckt uns so an. Das heißt: "Wollt ihr nicht mal ins Bett?" Sie will dann ihre Ruhe.

BZ: Die hat sie aber schön im Griff?

Wehner: Das meint meine Frau auch.

BZ: Dürfen Ihre Tiere mit am Tisch sitzen beim Essen?

Heim-Wagner: Sie haben einen Sitzbaum, den mein Mann gebaut hat.

BZ: Betteln die Aras?

Heim-Wagner: Nein, das gibt es nicht.

BZ: Und Amelie, bettelt die?

Wehner: Die bettelt nicht. Sie kriegt immer um 11 und um 18 Uhr Futter. Wenn ich abends einen Krimi anschaue und mit dem Futter bis in die Werbepause warten will, das geht nicht. Amelie setzt sich dann in meine Blickrichtung und schaut mich unverwandt an, die hat einen besonderen Blick, und so stur. Da weiß ich, was sie denkt: Na, Alter, willste mir heute nichts zu fressen geben?

BZ: Und die Katze?

Folk: Die sitzt nicht am Tisch und bettelt nicht. Zumindest nicht, wenn wir am Tisch sitzen. Aber wehe, wenn wir den Raum verlassen und vergessen, das Nutella-Glas zuzumachen … Butter auch. Da beißt sie richtig runter, man sieht dann so kleine Zahnspuren. Aber sie würde nie beim Essen nebendran sitzen.

Wehner: Was kriegen die Papageien eigentlich zu fressen?

Heim-Wagner: Ich gebe nur frisches Obst und Körner. Es gehen aber auch Brokkoli, Tomaten, Petersilie und Salat.

Sie ist ’ne Zicke... Heim-Wagner über Papagei Lara
BZ: Wie kamen Sie auf Papageien?

Heim-Wagner: Ich biete tiergestützte Therapien an, habe also auch Pferde, Katzen, Hunde und Hühner. Und da kam ich auf die Idee, ich könnte mir Papageien zulegen. Ich habe dann einen Kurs bei Matthias Reinschmidt, einem Spezialisten für Papageien, belegt. Daher weiß ich auch: Papageien sind ortsgebunden, wenn die wegfliegen, sind sie in unmittelbarer Nähe. Ich habe eine große Voliere draußen und eine drinnen. Ich putz’ mit denen und saug’ mit denen und geh’ mit ihnen spazieren.

Wehner: Baden die auch?

Heim-Wagner: Die sollten eigentlich abgebraust werden, aber meine mögen das gar nicht, das ist immer eine Schreierei und ein Gepiepse. Wenn es regnet, warte ich ein bisschen, bis ich sie reinhole … Im Winter sind sie im Haus. Sie dürfen nicht kälter als fünf Grad haben.

BZ: Haben Sie die Tiere als Ei oder Küken bekommen?

Heim-Wagner: Nein, Pablo war einjährig, Lara kam etwas später. Sie macht alles nach. Sie ist ’ne Zicke...

BZ: Wie sieht der Speiseplan Ihres Hundes Amelie aus, Herr Wehner?

Wehner: Sie bekommt Trockenfutter mit heißem Wasser und ich koche ihr Gemüse. Karotten, Sellerie, Kohlrabi, so einen Eintopf, dazu gibt’s Hähnchenherzen, Hähnchenleber und -mägen, das koche ich mit. Da friere ich so fünf bis sechs Portionen ein und davon bekommt sie immer so ein paar Löffel unter das Trockenfutter. Manchmal gibt’s auch Frischkäse, auch mal ein gekochtes Ei. Rohes Gemüse und rohes Fleisch mag sie nicht.

BZ: Hat Luzie einen Jagdinstinkt?

Folk: Dieses Jahr war es schlimm. Wir haben drei Kreuze im Hof, eine Maus und zwei Spatzen, die haben meine Tochter und ich zusammen beerdigt. Vier weitere Tiere habe ich Luzie sofort weggenommen. Seitdem frisst sie ihre Beute auf.

BZ: So ein Papagei knabbert doch gern an allem rum, oder?

Heim-Wagner: Alles, was sie können, knabbern sie an, Türen, Fliegengitter. Besonders gerne haben sie Knöpfe. Die sind ratzfatz ab.

BZ: Sollen die mal Kinder kriegen?

Heim-Wagner: Wenn sie wollen, können sie.

BZ: Und – können Sie?

Heim-Wagner: Das geht erst ab fünf, sechs Jahren. Die beiden wurden im Brutkasten aufgezogen. Ich weiß nicht, ob das funktioniert, ob sie die Eier auch ausbrüten würden.

Wehner: Sind die Aras sprachbegabt?

Heim-Wagner: Er kann "Pablo" und "feiner Pablo" sagen, das sage ich oft zu ihm. Und wenn er streitet mit Lara, dann ruft er sie beim Namen.

BZ: Und Lara?

Heim-Wagner: Sie kann sprechen, aber sie sprechen nicht, wenn ich dabei bin. Meine Papageien müssen nicht sprechen.

BZ: Tiere und Urlaub machen: Wie passt das bei Ihnen?

Wehner: In der Zeit, als wir mal keinen Hund hatten, war das einfacher. Sonst muss man schon vieles bedenken.

Heim-Wagner: Wir können weg, die Papageien versorgt dann die Tochter. Pablo ist stinkig, wenn wir länger wegbleiben. Aber ich kriege ihn schnell wieder auf meine Seite. Ich frage ihn, ob er stinkig ist, dann kuscheln wir.

BZ: Und bei Ihnen?

Folk: Das ist kein Problem, weil mein Vater Katzen sehr gerne hat und notfalls drei Mal am Tag nach ihr schaut. Aber wenn wir nach ein paar Tagen wiederkommen, ist Luzie erst einmal beleidigt. Das dauert zwei Tage, dann ist sie wieder normal.

BZ: Wie groß ist die therapeutische Wirkung der Tiere?

Folk: Bei uns ist sie eine sehr wichtige Therapeutin. Inzwischen ist sie sogar Babysitterin für meine Tochter Leonie. Die bleibt auch ganz alleine zu Hause, unter der Bedingung, dass Luzie auch da ist.

BZ: Ist das bei Hunden auch so?

"Amelie war bemüht, dass wir wieder eins werden."Bernhard Wehner über einen Konflikt mit seiner Hündin
Wehner: Einmal hatten wir einen Konflikt, da habe ich gesagt, jetzt rede ich nicht mehr mit dir. Das ging bis nachmittags. Da hat sie mir dann ihre Schnauze aufs Bein gelegt, und meine Frau hat gesagt, ich solle meinem Herzen doch einen Stoß geben, ich würde ja sehen, wie sich Amelie anstrengt. Sie war bemüht, dass wir wieder eins werden.

BZ: Haben die Aras auch so ein Gespür?

Heim-Wagner: Pferde sind äußerst sensibel, auch die Hunde, bei den Aras habe ich noch nicht darauf geachtet.

BZ: Würden Sie sagen, dass Ihre Tiere zur Familie gehören?

Wehner: Auf jeden Fall!

Heim-Wagner: Unsere Tiere sind Familienmitglieder, kurz und bündig.

Folk: Das würde ich für unsere Katze auch sagen.

BZ: Aras können ja steinalt werden, aber Frau Folk und Herr Wehner müssen sich darauf einstellen, dass Ihr Tier vor Ihnen geht.

Wehner: Ich hab’ da auch schon dran zu knabbern. Ich war beim Tierarzt, sie zittert, am ganzen Körper. Amelie ist jetzt zwölf geworden. Wenn sie stirbt, würde ich mir einen Hund aus dem Tierheim holen.

Folk: Ohne Katze könnte ich nicht leben.
von mkg, mie
am Do, 30. Oktober 2014 um 00:00 Uhr

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