BZ-Serie: Nachnamen in der Region (4)

Woher kommen die Familiennamen auf -lin?

Spurensuche: Stöcklin, Rinklin und Höfflin – am Kaiserstuhl enden ganz viele Nachnamen mit -lin. Namensfachmann Konrad Kunze erklärt, wie es dazu gekommen ist.

Seit einem Vierteljahrhundert befasst sich der Sprach- und Literaturwissenschaftler Konrad Kunze mit der Herkunft der Familiennamen. In diesen Wochen erklärt er in der BZ, welche Wurzeln Namen haben, die im Breisgau häufig vorkommen und hier als typisch gelten. Heute geht es darum, wie die Höfflins, Stöcklins, Rinklins und die vielen anderen -lins an den Kaiserstuhl kamen.

Es gibt in Deutschland etwa 1600 verschiedene Familiennamen, die mit -lin enden, beispielsweise Templin, Berlin, Kröpelin, Zeppelin. Es handelt sich um Namen, die die Herkunft aus entsprechenden Orten anzeigen, also etwa Zeppelin "der aus Zeppelin stammt". Solche Ortsnamen sind slawischer Herkunft und finden sich vor allem in Nordostdeutschland. Daher sind auch entsprechende Familiennamen hauptsächlich in Nordostdeutschland beheimatet.

Aber weit davon entfernt finden sich auch am Kaiserstuhl und im Markgräflerland Nester mit Familiennamen auf -lin, wie Bürgelin, Enderlin, Vögtlin. Im Postleitzahlbezirk 79356 Eichstetten tragen sieben Prozent aller Einwohner einen Familiennamen mit
-lin, im Postleitzahlbezirk 79268 Bahlingen fünf Prozent. Bei ihnen handelt es sich um zärtliche Namen mit der alten alemannischen Verkleinerungsform -lin, aus der unsere Verkleinerungsform
-le entstanden ist. Ein Burkhard wurde zärtlich Bürklin gerufen, woraus heute Bürkle entstanden ist, einen Andreas rief man Enderlin, woraus Enderle wurde, und den Nachkommen eines Vogts nannte man Vögtlin, heute Vögtle.

In der hiesigen Region ist nun in den Familiennamen das alte -lin normalerweise zu -le abgeschwächt worden. Daher sind die Namen mit -lin am Kaiserstuhl und im Markgräflerland sehr auffällig. Aber in der Schweiz oder im südlichen Elsass hat sich noch lange das -lin erhalten, teilweise bis heute. Die auffälligen Namen am Kaiserstuhl und im Markgräflerland sind auch dadurch zu erklären, dass sie aus der Schweiz nach dem Dreißigjährigen Krieg eingewandert sind, als diese Gegenden durch den Krieg weitgehend entvölkert waren.

Die Karte dokumentiert die Verbreitung der etwa 280 Rinklins, der zirka 450 Höfflins und der rund 490 Stöcklins. Die Rinklins machen in Eichstetten 3,6 Prozent aller Einwohner aus. Es handelt sich um eine zärtliche Kurzform des alten Rufnamens Ringwald. Höfflins heißen zwei Prozent der Bevölkerung von Bötzingen. Es ist ein Name, der auf die Wohnstätte in einem kleinen Hof oder auf den Besitz eines solchen Anwesens zurückgeht. In Weisweil tragen 3,5 Prozent der Einwohner den Namen Stöcklin. Das Wort Stock bedeutete früher nicht nur "Stock", sondern auch "Baumstumpf, Klotz, Grenzpfahl". So können Namen wie Stöcklin, Stöckle und Stock Menschen kennzeichnen, die etwa an Grenzpfählen wohnten, die dürr oder steif wie ein Stock waren oder grob wie ein Klotz. Hauptsächlich in Denzlingen, Emmendingen und Freiamt finden sich die meisten der rund 420 Bürklins (Erklärung siehe oben), und in Freiamt und Vörstetten die meisten der etwa 350 Kölblins, was "der kleine Kolben" bedeutet und wohl ein Übername für einen beleibten, kleinen Menschen ist.
von Konrad Kunze
am Fr, 19. August 2016 um 17:08 Uhr

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