Zinnpfeifen wie Butter geschmolzen

BZ-SERIE:Von einem verheerenden Feuer getroffen und wieder restauriert: die Orgel in der Pfarrkirche Sankt Alban in Bad Krozingen.

BAD KROZINGEN. Für Orgelbauer Peter Mönch aus Überlingen sind seine Instrumente fast schon Familienmitglieder. Und die 1982 von ihm erbaute Orgel in der Pfarrkirche Sankt Alban gehört da unbedingt dazu. Die Nachricht vom verheerenden Brand am Palmsonntag 2002 traf ihn daher wie ein Schlag. "So etwas habe ich noch nie erlebt", erinnert sich Mönch, "das war wie ein Verlust in der Familie." Doch Mönch baute die Orgel wieder auf – und machte sie noch besser als zuvor.

"Schmerz, schlicht und einfach nur Schmerz", hat Mönch beim ersten Blick auf die beschädigte Orgel empfunden. Das am Nachmittag des 23. März 2002 ausgebrochene Feuer in der Pfarrkirche hatte nicht nur die Holzbalkendecke, den Dachstuhl, die Abwalmung des Daches sowie alle Dachziegel der Pfarrkirche vernichtet. Auch vor der Orgel auf der Empore hatte die Feuerwalze nicht Halt gemacht. "Die Orgel war sehr kurze Zeit sehr großer Hitze ausgesetzt." Was den Zinnpfeifen ihr Pech, war dem Holzgehäuse sein Glück. "Die Zinnlegierungen der Pfeifen hat es im wahrsten Sinne regelrecht weggeblasen", erinnert sich Mönch und berichtet von Zinnpfeifen, die wie Butter wegschmolzen.

Bot sich für den Orgelbauer auf den ersten Blick noch ein Bild des Jammers, gab die umfangreiche Untersuchung und genaue Schadensanalyse Anlass zu Hoffnung. Denn immerhin hatte die Orgel selbst nicht Feuer gefangen und war bis auf einige angekohlte Stellen intakt. "Das Orgelgehäuse ist aus widerstandsfähigem Eichenholz", erklärt Mönch, "und beständiger als man meint." Zwar musste Mönch an den Zinnpfeifen einen Totalschaden feststellen und auch die Holzpfeifen abschreiben, deren dünnwandiges Nadelholz der Beanspruchung durch die große Hitze ebenfalls nicht gewachsen gewesen war. Zudem traten neben den Hitzeschäden auch Schäden durch das Löschwasser zutage. Die Windladen, als zentrale Teile der Orgeltechnik jedoch, hatten dem Brand standgehalten.

"Das war der Knackpunkt, dass sich eine Restauration lohnt", erinnert sich Mönch. Insgesamt waren 70 Prozent des Instruments zerstört. "Im Kern existierte das Instrument noch." Eine Wiederherstellung der Orgel in ihrer bisherigen Form schien möglich und wirtschaftlich sinnvoll. Die Kirchengemeinde schloss sich dieser Einschätzung an und beauftragte die Werkstätte von Peter Mönch mit der Restaurierung der Orgel. Dank der guten Dokumentation des Orgelbaus von 1982 konnte die Orgel originalgetreu wiedererbaut werden. Dazu wurde das Orgelgehäuse von verbranntem Lack befreit und Risse und aufgegangene Fugen verleimt. An den angekohlten Stellen war der Hobel anzusetzen, bis sich sauberes Eichenholz zeigte, das Zierwerk aus Lindenholz galt es zu festigen, zu ergänzen und erneut zu vergolden, bis es im alten Glanz erstrahlte. Neu anzufertigen waren auch die Tasten und Registerzüge, die durch herabgeflossenes Zinn beschädigt waren, und natürlich auch die 2167 Pfeifen. Nach den dokumentierten Maßen wurden sie aus Zinnlegierungen und Fichtenholz neu hergestellt.

Optisch und klanglich entspricht die Orgel damit zu 98 Prozent dem Originalinstrument. Veränderungen gab es lediglich in der Gestaltung des Spieltisches, die Registerzüge sind jetzt seitlich angebracht und daher leichter zu bedienen und die Setzeranlage bietet nun mit rund 1000 Programmiermöglichkeiten größeren Komfort. "Für uns Organisten ist die neue Orgel im Grunde ein Gewinn", sagt Caroline Bootz. Nicht nur im Hinblick auf die komfortablere Bedienung.

Schon 1982 galt die Orgel als sehr fortschrittlich

Auch klanglich habe sich die Orgel verbessert, in dem im Schwellwerk das Zungenregister Trompette harmonique hinzugefügt wurde. Es sorgt für einen runden, fülligen Klang und prägt zusammen mit den anderen Zungenregistern den typisch französischen Klang.

"Wir haben uns größte Mühe gegeben, den Klang so wiederherzustellen, wie er vor dem Brand war", betont Mönch. Und der ist bei der Mönch-Orgel in St. Alban sehr charakteristisch, mit großem, sinfonischem Klangcharakter. Dank ihres großen und leicht ansprechenden Schwellwerks lassen sich auf ihr Orgelwerke aller Stilrichtungen realisieren.

Für Bezirkskantorin Karin Karle ist das mit ein Grund, warum sie auf dieser Orgel ausbildet und Prüfungen abnimmt. Acht Orgelstunden gibt sie jeden Mittwoch auf der Mönch-Orgel und nicht selten haben sie und ihre Schüler Zuhörer, wenn sie Stücke aus allen Epochen üben. "Gerade im Unterricht muss ich alle Stile darstellen können", betont sie.

"Die Orgel war schon bei ihrer Erbauung 1982 sehr fortschrittlich", weiß Peter Mönch. Bis heute ist der Orgelbauer überzeugt, dass das Instrument optisch und klanglich sehr gut in die Pfarrkirche passt. "Die Orgel wurde damals eigens auf die räumlichen Gegebenheiten in Sankt Alban hin angepasst." Und die seien für das Musizieren ausgesprochen geeignet. "Die Pfarrkirche ist ein sehr musikalischer Raum, mit gerade dem nötigen Nachhall, so dass die Musik immer klar und transparent bleibt", schwärmt er. Dass das selbstredend auch für Orgelmusik gilt, das wurde an Weihnachten wieder unter Beweis gestellt. Und so mancher Kirchenbesucher hat sich vielleicht daran erinnert, dass es ebenfalls am Weihnachtsfest war als in Sankt Alban die ersten Register der restaurierten Orgel wieder erklangen – eineinhalb Jahre nach dem verheerenden Brand.
von Martina Faller
am Mo, 05. Januar 2015

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