Online-Medium und Verein

Zwei Endinger Bürgermeisterkandidaten teilen mehr als ihre Kandidatur

So treten Andreas Schmidt und Werner Semmler zum Beispiel als Herausgeber und Chefredakteur eines Internetmediums auf – das sorgt für Diskussionen in der Stadt, die die beiden aber nicht ganz nachvollziehen können.

Fünf Kandidaten werben um die Gunst der Wähler bei der Bürgermeisterwahl in Endingen. Zwei von ihnen – Andreas Schmidt und Werner Semmler – verbindet mehr als nur die Bewerbung um das gleiche Amt. Das sorgt für Diskussionen in der Stadt. Sowohl Schmidt als auch Semmler weisen gegenüber der BZ jedwede Kritik zurück.

Die Fakten: Andreas Schmidt ist Präsident von "Neuer Zeitungsverein e.V." in Freiburg, der Herausgeber und Verleger eines Internetmediums ist. Als Chefredakteur wird dort Werner Semmler genannt: aktuell zumindest für zahlreiche Ausgaben des Mediums, nicht aber für Endingen. In der Ettenheimer Ausgabe des Mediums veröffentlichte Semmler Beiträge zur dortigen Bürgermeisterwahl. Außerdem ist Schmidt auch Präsident eines Vereins, der sich um den Erhalt des Parks von Werner Semmler bemüht.

Semmler sieht sich und Schmidt durch die Diskussionen diskreditiert

Werner Semmler sieht in der öffentlichen Thematisierung der persönlichen Bekanntschaft den Versuch, sie beide zu diskreditieren. Das gemeinsame Interesse für den Park spiele für die Wahl keine Rolle. Und beim Internetmedium habe man eine ganz klare Trennung vereinbart, um Interessenkonflikte von vorneherein zu vermeiden. Schmidt habe während der Bewerbung in Endingen keine Verantwortung für das Medium und er selber, so Semmler gegenüber der BZ, sei raus aus der aktuellen Berichterstattung.

"Wir kennen uns. Deshalb dürfen wir uns aber trotzdem beide bewerben", betont Semmler mit Nachdruck: "Ich will mich nicht dafür verteidigen müssen." Er habe mit Schmidts Kandidatur nichts zu tun. Unterstellungen, Schmidt sei sein "Strohmann", seien pure Verleumdung. Und warum werde nicht thematisiert, wer in wessen Kompetenzteam ist? Semmler beklagt zudem, dass über E-Mails vieles an Verleumdungen laufe.

Andreas Schmidt erklärt auf BZ-Anfrage, er führe zur Wahrung strikter Neutralität gemäß eines Vorstandsbeschlusses nicht die Aufsicht über die Berichterstattung in Endingen, solange das Wahlverfahren laufe. Schmidt: "Wir folgen damit unserem Anspruch auf unbefangene, unbestochene und neutrale Berichterstattung." Er habe keinen Einfluss mehr auf die redaktionellen Inhalte.

Die Frage nach seinem Verhältnis zu Werner Semmler nennt Schmidt "unzulässig, weil sie in die Privatsphäre zielt und daraus vielleicht einen Vorwurf machen will", beantwortet sie aber dennoch. Er habe keine privaten Beziehungen, sondern setze sich "für die Rettung seines bedrohten Parks ein, um ihn in eine Stiftung einzubringen und dem Gemeinnutzen zuzuführen". Der Zeitungsverein nutze Werner Semmlers Wissen und Erfahrung "beim Aufbau von neuen Redaktionen in unseren Medien".

Der Vorstand des Zeitungsvereins erklärt, Schmidts Tätigkeit im Vorstand ruhe während seiner Kandidatur. Die verlegerische und journalistische Überwachung des Mediums und der Ausgabe Endingen werde in der Zeit von zwei weiteren Vorstandsmitgliedern wahrgenommen. Und Werner Semmler dürfe während des Wahlverfahrens in der Endinger Ausgabe nicht veröffentlichen. Damit sichere der Verein eine neutrale Berichterstattung über die Wahl.

Derweil wehrt sich die Endinger Bürgergemeinschaft (EBG) gegen Darstellungen in einem am Samstag auf eben diesem Medium erschienenen Beitrag. Dieser setzt sich kritisch mit der EBG auseinander und wirft die Frage von Wahlbeeinflussungsversuchen durch EBG-Funktionäre auf. Verbunden wird dies mit einem Zitat aus einem Schreiben von Bettina Stumpf-Maroska an Andreas Schmidt und der Ankündigung, den dazu vorliegenden Schriftwechsel "demnächst" zu veröffentlichen. Zu lesen ist in dem Beitrag auch, EBG-Funktionäre sollten zwei Kandidaten "übel angeschwärzt" haben.

Die EBG weist in einer am Montag verbreiteten Erklärung den Vorwurf der Wahlbeeinflussung und der Diffamierung von Kandidaten zurück: "Die Satzung der EBG sieht explizit vor, dass sich die Bürgergemeinschaft bei Bürgermeisterwahlen bei der Kandidatensuche beteiligt." Das könne der Wähler bei einem Personenwahlkampf unterschiedlich betrachten. Das Kommunalwahlrecht verbiete es Parteien oder Wählervereinigungen aber nicht, Kandidaten zu unterstützen.

"Die öffentliche Parteinahme für einen Bewerber oder Ablehnung eines Kandidaten durch die stellvertretende Vorsitzende des Gemeindewahlausschusses hat nicht stattgefunden", betont die EBG. Man sei fassungslos angesichts der teilweise in Foren kursierenden Gerüchte. Das höchste Gut sei und bleibe für die Wähler, die EBG und die anderen Gemeinderatsfraktionen das Wohlergehen der Stadt. Zitat: "Wir dürfen nicht zulassen, dass uns ein populistisch geführter und auf Spaltung zielender Wahlkampf in die Irre treibt."

von Martin Wendel
am Di, 23. Oktober 2018 um 17:03 Uhr

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