Zwischen praktisch und scharf

Seit 90 Jahren bietet das Geschäft Langenbach am Schloßplatz Unterwäsche an / Die Chefin sieht ihre Stärke in der Beratung.

LAHR. Mode beeinflusst das tägliche Leben. Mal offensichtlich, mal eher versteckt. Beim einen mehr, beim anderen weniger, aber keiner kann sich ihr komplett entziehen. Die Badische Zeitung stellt in der Serie "Mode in Lahr" verschiedene Facetten und Menschen der Modewelt in und aus Lahr vor. Heute: Ein Besuch beim Unterwäschefachgeschäft Langenbach, das seit 90 Jahren am Schloßplatz seinen Kunden Nützliches und Anregendes für unten drunter verkauft.

Von klassisch weiß, gerne mit Feinripp und hinab zu den Knien, bis zum annähernden Nichts eines String-Tangas – die Unterwäsche hat sich in den vergangenen Jahrzehnten mitunter massiv verändert. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Geschichte des Unterwäschehändlers Langenbach wider, das 1927 von Anna Langenbach im gleichen Haus am Schloßplatz gegründet wurde. Doch auch heute noch gilt, dass nicht nur allerneueste Entwürfe im Angebot sind. Wie eh und je werden auch klassische Modelle weiter nachgefragt.

Einzelne Kuriositäten allerdings haben ihre beste Zeit hinter sich. Helga Fäßler, die Senior-Chefin, erinnert sich an ein Unterhosen-Modell, das laut Erzählungen vor allem bei Landfrauen begehrt war. Eine besonders überlappend genähte Form erlaubte den Damen bei der Feldarbeit – damals trugen die Frauen ausnahmslos Röcke – das schnelle Geschäft am Rande des Ackers. In den 1930er-Jahren muss das gewesen sein. Mode entwickelt sich eben. Gewohnheiten auch.

Andere Modelle waren über Jahrzehnte hinweg gefragt. "Zu den Erfolgsmodellen gehörte etwa der Zauberkreuz-BH", sagt Stefanie Fäßler, Geschäftsführerin und mit ihrem Mann Torsten Inhaber des Geschäfts. Dieses Modell sei besonders bequem und stabilisierend gewesen. Praktische Faktoren sind generell auch heute noch gefragt. "Insgesamt aber sind die Modelle deutlich modischer geworden", weiß Stefanie Fäßler. Auch bei betagteren Frauen. "Es kam schon vor, dass wir einer älteren Dame klassische Modelle angeboten haben und als Antwort bekamen, dass sie doch nichts Altbackenes wolle", sagt die Geschäftsführerin. Entsprechend abwechselnd gestaltet sich das Angebot auf den rund 90 Quadratmetern Verkaufsfläche. Neben Unterwäsche für Damen finden auch Herren und Kinder Kleidung für drunter, ebenso für die Nacht und bei Bedarf in Sondergrößen.

Erotische Wäsche bietet Langenbach auch an, allerdings in überschaubarem Maß. Klar komme es immer mal wieder vor, dass nach sexy Dessous gefragt werde, so Stefanie Fäßler. Dies sei allerdings die Ausnahme. "Die meisten unserer Kunden kommen regelmäßig zu uns. Und sie wissen, was sie bei uns finden", sagt die Chefin. Die Nachfrage sei insgesamt nicht groß genug, um hier einen Schwerpunkt zu setzen.

Gerade vor Weihnachten ist erotische Wäsche gefragt

Vor Weihnachten kämen die meisten Anfragen in diese Richtung, aber auch insgesamt. "Da will man dann mal besondere Geschenke machen", mutmaßt Helga Fäßler. Vor Jahren habe es auch vor dem Muttertag in den Verkaufszahlen einen Ausschlag nach oben gegeben. "Da haben die Söhne noch viel häufiger ihren Müttern schöne Unterwäsche oder einen Gutschein geschenkt", erinnert sich die Senior-Chefin. Heute stze man dem Feiertag andere Schwerpunkte, etwa gemeinsame Zeit mit der Familie zu verbingen.

Der Online-Handel bereitet Stefanie Fäßler keine Bauchschmerzen. "Mit unserem Angebot müssen wir uns nicht vor der digitalen Konkurrenz verstecken", betont die Geschäftsführerin. Es komme zwar vor, dass Kunden nur ihre Größe ermittelt bekommen wollen und dann wieder gehen, ohne etwas zu kaufen. Doch die meisten Kunden, die den Laden betreten, verließen diesen auch mit einem neuen Stück Wäsche, so Fäßler. "Andersherum finden auch Kunden den Weg zu uns, die etwas im Internet gesehen haben und nun schauen wollen, ob das wirklich etwas für sie ist."

Selbst im Internet aktiv zu werden, sei derzeit nicht geplant. "Unsere Stärken können wir im Geschäft ausspielen", sagt Stefanie Fäßler. Zu diesen zählen Chefin und Senior-Chefin, die in Lahrer Modehäusern und an der Textilfachschule gelernt haben, insbesondere eine fachliche Beratung. "Brust ist nicht gleich Brust", sagt Stefanie Fäßler. Kunden gebe sie Empfehlungen, im Gespräch würden darüber hinaus individuelle Ansprüche und Anforderungen ermittelt. Manche Kunden legten auch einfach Wert auf ein Schwätzchen.

Bei einer solchen Gelegenheit könnte Helga Fäßler, die das Geschäft von 1983 bis 2013 führte, ehe die Schwiegertochter übernahm, auch davon berichten, dass die Verkäuferinnen vor vielen Jahrzehnten in schwarzen Satin-Schürzen ihre Ware feil boten. "Das sah sehr edel aus", blickt die 71-Jährige zurück.

Heute tragen die vier Verkäuferinnen zwar kein Satin, doch beraten sie die Kundschaft als ausgebildetes Fachpersonal hinsichtlich der gesamten Bandbreite des Unterwäschenangebots, das sich in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich nicht schmälern wird. Stand jetzt wird auch in Zukunft am Schloßplatz allerhand zwischen Praktischem und Scharfem angeboten.
von Frank Schoch
am Sa, 27. Mai 2017


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