Wandertipp

Bei dieser Rundwanderung bei Kandern hat man den Hochblauen immer im Blick

Kinder finden Schlösser faszinierend – viele Erwachsene ebenso. Die Auf- und Ab-Tour zur Sausenburg und zu Schloss Bürgeln ist nicht nur deshalb besonders reizvoll und abwechslungsreich.

Viele kleine Mädchen – das ist zumindest das Klischee – wären gerne eine Prinzessin. Mit rosa Kleid und Schloss. Oder einer Burg, um die sich Ritter – das sind die Idole der Buben – streiten. Die Träume verblassen mit dem Erwachsenwerden, die Faszination für Schlösser und Burgen bleibt. Das macht diese Wanderung im Markgräflerland so reizvoll.

Dabei ist das erste Ziel der rund 11,5 Kilometer langen Tour, die Sausenburg bei Kandern, gar keine richtige Burg mehr, sondern nur noch eine Ruine mit allerdings bemerkenswertem Ringwall und einem mit Grünzeug überwucherten Turm. Östlich des Kanderner Ortsteils Sitzenkirch liegen die baulichen Reste der Burg auf dem 665 Meter hohen Sausenberg. Und beim Blick hinüber vom Wanderparkplatz St. Johannisbreite, unserem Ausgangspunkt an der Landstraße 132, ist klar, wir müssen zunächst runter ins Dorf, dann nur noch hoch, hoch, hoch.

Sitzenkirch selbst – der Weg bergab ist breit und führt mit phantastischem Ausblick auf den Hochblauen am Waldrand entlang – ist beschaulich. Um ein historisches Kirchlein gruppiert sich eine Handvoll Häuser, in einem hat sich ein Künstler sein Atelier eingerichtet. In den Vorgärten recken die ersten Frühlingsblüher die Köpfchen in die Sonne und auf eingezäuntem Grund staksen die Hühner. Rotwangige Äpfel liegen in einem Holzregal. Kauf mich! Wegzehrung mit Selbstbedienung. Am Ortsrand steht eine historische Mühle.

Rechter Hand beginnt jetzt der Anstieg durch die Wälder. Einsam ist es, nur ein Buntspecht klopft rhythmisch am Holz. An einer Böschung sonnen sich die Eidechsen. Wir arbeiten uns im Prinzip im weiten Bogen nach oben und sind ab und an etwas ratlos über die Wegführung. Ist das überhaupt der richtige Gipfel? Auch die gelbe Raute als Markierung, die irgendwann von der roten abgelöst wird, ist nicht immer zu sehen. Burgrabenweg stand vorhin auf dem hölzernen Schild. Jetzt ist Schlossweg zu lesen. Klingt passend und dann stehen wir auch plötzlich vor der Treppe aus Steinquadern.

Es sind die letzten 55 Stufen hoch bis zum idyllischen Burghof. Ein paar Bänke, eine Grillstelle, der kleine Hof ist ideal für eine Rast. Schade nur, dass der an diesem Tag geschlossen ist. Von oben soll die Aussicht nämlich phantastisch sein. Über die Schwarzwälder Vorbergzone, hinüber zu Schloss Bürgeln und zum Hochblauen mit dem Sendemast. Hinunter bis in die Rheinebene und weiter in die Vogesen. Uns bleibt nur die durch dichtes Blattwerk stark eingeschränkte Aussicht durch eine vergitterte Fensteröffnung in der alten Mauer. So sehr wir den Kopf auch drehen und wenden – Panorama? Fehlanzeige! Über die Geschichte der Sausenburg, einst Stammsitz der Markgrafen von Sausenberg informiert eine Tafel, 1678 wurde die Burg von den Franzosen zerstört.

Abwärts geht’s jetzt entgegengesetzt des Hinwegs – und die Wegführung wird (immer der roten Raute nach) tatsächlich eindeutiger. Dieser Abschnitt ist Teil des Westwegs zwischen Blauen und Kandern. Der Waldboden federt angenehm weich unter den Wanderschuhen. Manchmal müssen wir über umgekippte Baumstämme klettern. Wunderschön grünlich schimmernde Maserungen haben sie. Die Oberfläche fühlt sich ganz samtig an.

Nun ist es nicht mehr weit bis zur Fahrstraße nach Vogelbach, die den Weg kreuzt. Wir halten uns links auf der Teerstraße und biegen nach einigen hundert Metern wieder links in das Schnegelbachtal ein (gelbe Raute). Der Wald wirkt jetzt wie eine Landschaft aus dem Märchen. Zwischen Bäumen und Strauchwerk plätschert munter das Wasser. Die dicken Moospolster sind dunkelgrün. Weiter drunten in der Senke geht es weniger romantisch zu. Baumstämme werden zu Brennholz zersägt. Einer der Arbeiter tippt zum Gruß an seine Mütze. Es ist jetzt nicht mehr weit ins Lippisbachtal. Beim Queren der Straße rückt wieder rechts der Hochblauen ins Blickfeld.

Auf der anderen Straßenseite beginnt das letzte Wegstück hoch zu dem seit dem Mittelalter dokumentierten Schloss Bürgeln – ein Anstieg auf steilem Terrain bis auf 660 Meter Höhe. Die berühmte Perle des Markgräflerlands, die schon der Heimatdichter Johann Peter Hebel gepriesen hat, hält sich fast bis zum Schluss hinter Bäumen versteckt, um dann von einer Sekunde auf die andere zu glänzen. Mit der spätbarocken Fassade und dem mächtigen Giebel. Eine geschwungene Treppe verbindet das Schlossportal mit dem gepflegten Park voller Rosen, Buchshecken und Skulpturen. Man schreitet förmlich in diesem Ambiente. So erhaben müssen sich einst die Schlossherren gefühlt haben. Uns jedoch zieht es zurück zum Auto – über den Schlosssattel abwärts und zur St. Johannisbreite.
Rundwanderung: St. Johannisbreite-Sitzenkirch-Sausenburg-Schloss Bürgeln, 11,5 Kilometer, 3,5 Stunden, etwa 540 Höhenmeter, nicht kinderwagentauglich
von Ulrike Ott
am So, 28. März 2021 um 07:00 Uhr

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