Kinderbuch

Eine Waldkirchnerin hat Schwarzwald-Märchen in einem Buch neu verpackt

In Märchen sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Stephanie Burlefinger aus Waldkirch kennt sich damit aus, sie hat ein farbenfrohes Kinderbuch geschrieben und mit Zeichnungen illustriert.

Wundersame Gestalten tummeln sich im Schwarzwald, glaubt man alten Sagen und Mythen. Diese hat Stephanie Burlefinger aus Waldkirch vom Staub befreit und in einem Buch farbenfroh neu erzählt. Katja Russhardt sprach mit ihr über Märchen, Illustrationen und ihr neues Buch "Vom Seemännle, dem Haselbub und der schönen Melusine. Alte Sagen und Märchen aus dem Schwarzwald neu erzählt".

Der Sonntag: Frau Burlefinger, wie lang liegt ihre erste märchenhafte Begegnung zurück?

Burlefinger: Eine ganze Weile. Ich war vier Jahre alt und saß auf Opa Mannis Schoß. Er hat mir Rübezahl frei erzählt. Ich rief ihn manchmal sogar an und hörte dann ein Märchen durchs Telefon.
Zur Person: Stephanie Burlefinger, 46, gelernte Grafik-Designerin, lebt mit ihrem Mann, zwei Kindern und Hund in Waldkirch. Ihr neues Buch heißt: "Vom Seemännle, dem Haselbub und der schönen Melusine. Alte Sagen und Märchen aus dem Schwarzwald neu erzählt"; 128 Seiten, Silberburg Verlag, 14,99 Euro.

Der Sonntag: Opa Manni hat also als Erster für Kopfkino gesorgt.

Burlefinger: Ja, aber auch meine Mutter. Wir sind viel rausgegangen, haben Rinde und Moos gesammelt und uns da eine Zwergenwelt hineinfantasiert. Den naturverbundenen Teil der Märchen mag ich immer noch am meisten.

Der Sonntag: Und wohl auch Hauffsche Märchen? Auf Ihrem Tisch liegt das Buch.

Burlefinger: So richtig gemocht habe ich eher mein Astrid-Lindgren-Märchenbuch. Das Düstere an Hauff hat mich aber fasziniert. Da gab es eine Illustration vom Geisterschiff, wo der Kapitän an den Mast genagelt steht. Ich habe mich nicht getraut, es zu lesen. Und dann zu Beginn meiner Teenagerzeit doch Stephen King gelesen (lacht). Übrigens: Hauff-Märchen würde ich gern mal illustrieren. Er ist einer der ersten Gothic-Autoren und man kann sich bei ihm wohlig gruseln.

"Ich habe meine Hausaufgabenhefte, komplett versunken, mit Dutzenden Rahmen bemalt. Stundenlang." Stephanie Burlefinger
Der Sonntag: Apropos Illustrieren: Wann kam die Lust aufs Zeichnen?

Burlefinger: Ich habe meine Hausaufgabenhefte, komplett versunken, mit Dutzenden Rahmen bemalt. Stundenlang. Später habe ich Grafikdesign studiert, aber mit eigenen Zeichnungen und ausgedachten Geschichten fing es erst an, als ich meine Kinder bekam. Die mochten übrigens lieber Sachbücher als Märchen.

Der Sonntag: Die erste Arbeit, die Sie bekannt gemacht hat, war auch eine Art Sachbuch.

Burlefinger: Das kann man fast so sagen. Ich habe Fasnetsfiguren gezeichnet und dann bei Grafiken für die Heimattage Waldkirch begonnen, meine Umwelt genau zu beobachten. Als wir Ende der 80er Jahre von Hessen hierherzogen, nannte sich die Gegend hier noch Breisgau und Elztal. Die Marke Schwarzwald hat sich erst entwickelt. Mit 16 Jahren habe ich mich auch nicht dafür interessiert.

Der Sonntag: Der Sonntag: Das hat sich inzwischen grundlegend geändert.

Burlefinger: Nach meinen Wimmelbüchern hatte ich Lust, auf die Suche nach Sagen und Legenden in der Schwarzwaldregion zu gehen. Es sollten schöne, besondere Geschichten sein, die man ganz behutsam modernisieren konnte.

"Heile Welt gibt es bei mir nicht. Ich lasse aber niemanden sterben, quäle die Protagonisten dann eher mit Ranzenblitzen." Stephanie Burlefinger
Der Sonntag: Wie weit sind Sie da gegangen?

Burlefinger: Es gibt Geschichten, die keiner mehr Kindern vorliest, weil sie zu sperrig oder eigentlich an Erwachsene gerichtet sind. Und ein Ort sollte schon eine Rolle spielen, aber man muss ihn auch spannend finden, wenn man nicht aus der Gegend kommt. Heile Welt gibt es bei mir nicht. Ich lasse aber niemanden sterben, quäle die Protagonisten dann eher mit Ranzenblitzen.

Der Sonntag: Es gibt im Buch eine Fülle von Bildern, in denen man regelrecht versinken kann.

Burlefinger: Heutige Kinder sehen ja viel aus dem englischsprachigen Raum. Ich wollte dem starke Schwarzwaldbilder entgegensetzen. Auch Geräusche und Gerüche will ich in meinen Zeichnungen spürbar machen. Und zu guter Letzt muss man auch lachen können.
von Katja Russhardt
am Mo, 12. April 2021 um 14:35 Uhr

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