Wandern für Wissbegierige (10)

Von Hinterzarten durch das Löffel- ins Höllental hinunter

Die Wanderung beginnt in Hinterzarten und führt durch das Löffel- ins Höllental. Dort war das Handwerk der Löffler zuhause. Zurück geht es durch die Ravennaschlucht.

"Wer keinen Löffel hat, der muss die Suppe trinken", sagt ein alter Spruch. Dass dies nicht passierte, dafür waren in alten Zeiten die Löffelmacher oder Löffler zuständig. Im Löffeltal unterhalb Hinterzartens, dem sie seinen Namen gaben, und in der Ravennaschlucht unterhalb von Breitnau gab es im 19. Jahrhundert eine ganze Reihe von Löffelschmieden. Ihre Eisenhämmer wurden durch die Kraft der Bäche angetrieben, die von der Hochebene in das Höllental hinunterstürzen. Das Wasser hielt außerdem eine große Zahl von Mühlen und Sägen in Gang.
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Wer darüber etwas erfahren will, sollte eine Wanderung auf dem Heimatpfad Hochschwarzwald unternehmen. Der gleichnamige, 1987 gegründete Verein hat sich das Ziel gesetzt, "erhaltungswürdige handwerkliche und bäuerliche Gebäude und Anlagen zu sammeln, zu erhalten und darzustellen" – eine schwierige und teuere Aufgabe, die noch lange nicht abgeschlossen ist.

Wir beginnen unsere Wanderung am Bahnhof Hinterzarten. Von dort geht es, der Beschilderung "Heimatpfad Hochschwarzwald" (mit einem Wasserrad gekennzeichnet) folgend, westlich zur Bahnunterführung, vor dieser links bis zum Zartenbachweg und dort rechts über den Bach. Beim Wegweiser Löffeltal geht es links abwärts.

Im Löffeltal kommen wir zuerst zum Standort der ehemaligen Löffelschmiede von Lorenz Feser. Die Gebäude sind stark verändert. Die Stauhaltung für die unterhalb gelegene Löffelschmiede von Hermann Feser ist aber noch gut zu erkennen. Diese war der größte Betrieb in der ganzen Gegend. Er erzeugte in seiner Blütezeit 120 000 Löffel, wozu 100 Zentner Eisen benötigt wurden. Auf der rechten Talseite folgt die sorgfältig restaurierte Klingenhofsäge, eine Klopfsäge. Das ist der älteste Typ eines Schwarzwälder Sägewerkes. Es wird nach dem Prinzip des Nockenhubes angetrieben. Fast alles ist aus Holz gefertigt. Dagegen war die unterhalb errichtete Hochgangsäge mit Übersetzung und Pleuelstange schon recht modern.

Auf dem Weg zum heutigen Hotel "Sternen" muss man sich nach der Unterführung rechts halten, um zur rekonstruierten Seilerei zu kommen. Zurzeit entsteht unterhalb die ehemalige Ölmühle, eine "Wohnmühle", wieder. Bald darauf ist am rechten Hang noch die "Alte Steige" zu erkennen, auf der es bis zum Bau der neuen Straße 1856/ 57 mit zwei bis acht zusätzlichen Zugpferden für jeden Pferdewagen hinauf nach Hinterzarten ging. Talabwärts bremste man die Wagen mit Radschuhen.

Das Gasthaus "Zum Sternen", "Steigenwirtshaus" seit dem 13. Jahrhundert, war die untere Relaisstation auf dem Weg über die Steige. Hier konnte man die Pferde versorgen, die Wagen reparieren lassen und die Vorspannpferde mieten. Für die Reisenden und Fuhrleute gab es Essen, Trinken und Unterkunft. Der Steigenwirt erhob zudem den Zoll für die Benutzung und Unterhaltung der Straße. Das wieder errichtete Zollhäuschen diente diesem Zweck.
Die Tour

Halbtageswanderung zehn Kilometer: Rundwanderung, Gehzeit 3 bis 3,5 Stunden. Teilweise steil, in der Ravennaschlucht Trittsicherheit erforderlich.
Anfahrt zum Parkplatz am Bahnhof Hinterzarten auf der B 31 oder mit der Höllentalbahn. Haltestelle Posthalde nur für Gruppen auf Bestellung.

Literatur: Broschüre "Heimatpfad Hochschwarzwald", Neuauflage in Vorbereitung. Kontakte: Büro Theo
Gremmelsbacher (Tel. 07652/1698).
Einkehrtipps: Unterwegs Hotel (Best Western) Sternen; in Hinterzarten und in Breitnau zahlreiche Hotels und Gasthäuser; Cafés in Hinterzarten: Restaurant-Café Imbery (Tel. 07652/ 91030), Café Unmüssig (Tel. 07652/ 368).

Wer ist hier nicht alles durchgezogen! 1770 der Brautzug Marie Antoinettes, 1774 und 1779 der weit gereiste Johann Wolfgang von Goethe und 1796 sogar 40 000 Soldaten eines französischen Revolutionsheeres unter ihrem General Moreau. Beim "Sternen" können wir einem Glasbläser bei seiner Arbeit zusehen und Souvenirs einkaufen. Im gegenüber liegenden Hotel "Sternen" holen wir uns den Schlüssel für das ehrwürdige St.-Oswald-Kirchlein. Dies war die erste Kirche des Hochschwarzwaldes, aus der Zeit der Rodung und Besiedlung unter der Herrschaft der Herren von Falkenstein. 1148 wurde die Kapelle vom Konstanzer Bischof geweiht. Teile des heutigen Baus gehen auf diese Zeit zurück. Die Kirche wurde mehrfach ausgebaut und umgestaltet, obwohl sie bald durch die Errichtung der Pfarrei Breitnau und durch die Wallfahrt nach Hinterzarten an Bedeutung verlor.

Ein kunstgeschichtliches Kleinod ist der Flügelaltar aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die Malerei weist auf die Schule Hans Baldung Griens hin, der den Hochaltar im Freiburger Münster geschaffen hat. Und die geschnitzten Heiligenfiguren könnten von Hans Wydyz stammen, dessen Werk wir ebenfalls im Freiburger Münster, im Schnewlinaltar, wiederfinden. Nach einem dreisten Diebstahl im Jahre 1980 stehen die Originale heute in der Pfarrkirche in Hinterzarten.

Unser Weg führt nun, westlich des Hotels, die Ravennaschlucht auf einem abenteuerlichen, aber gut gesicherten Pfad hinauf. Unter dem neuen Eisenbahnviadukt hindurch, vorbei an einer moderneren Säge, einem Walzengatter, am Sternenweiher und den Widerlagern des alten Viadukts, kommt man zur Großjockenmühle, die den gleichnamigen Hof von 1883 bis 1956 mit Mehl und Viehfutter versorgt hat und 1977 von der Ortsgruppe des Schwarzwaldvereins restauriert wurde. Weiter oberhalb, in der Mittleren Ravenna, stand die erste Löffelschmiede, von Mathias Feser aus Breitnau nach 1770 begründet. Ganz oben, vor der Oberen Ravenna, wartet noch ein Beispiel der Schwarzwälder Technik auf uns: Ein Seiltrieb, mit dem die Energie aus Wasserkraft hangaufwärts übertragen werden konnte.

Hier trennen sich die Wege nach Breitnau und nach Hinterzarten. Wir raten, den Weg rechts zum Rössleberg und auf dem "Schneck" über die B 31 ins Hinterzartener Moor zu nehmen. Dessen Entstehung, seine seltenen Pflanzen und Tiere wären einen eigenen Bericht wert. So können wir nur auf die ausführlichen Informationstafeln verweisen. Durch das Moor kommen wir bald zurück zum Bahnhof Hinterzarten.
von Peter Gürth
am Sa, 29. März 2008 um 00:00 Uhr

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