Pro Schmidt, ergo pro Bund


Natürlich hatte ich ans Verweigern gedacht, auch damals in diesen Jahren, in denen der "deutsche Herbst" noch sehr plastisch im Gedächtnis war und die heftige Auseinandersetzung um den Nato-Doppelbeschluss für tiefe Gräben sorgte. Auch bei den Abiturienten im fernen Nordbayern, das politisch nicht so ganz nah an der damals das politische Leben im Freistaat noch dominierenden Partei war. Meine Position war früh eindeutig. Pro den damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt, pro Nachrüstungsbeschluss und damit auch immer mehr pro Franz-Josef Strauß. Und damit erschien mir ein Wehrdienstverweigern immer mehr als Kneifen, als Feigheit vor der eigenen Position. Ein Stück weit auch angewidert von den Mitschülern, die ganz klar Verweigern weniger aus ideologischen denn aus pragmatischen Gründen betrieben – abends daheim im Hotel Mama –, konnte für mich die Konsequenz nur eine sein: Staatsbürger in Uniform. Obwohl es damals auf ideologisch kontaminiertem Terrain nicht einfach war zu sagen, es lohne sich für diesen Staat und diese Staatsform zu kämpfen, wenn es sein muss auch mit der Waffe. Für das Musikkorps hatte der junge Geiger das falsche Instrument; aber auch das Bild vom Staatsbürger in Uniform und einem aufgeklärten Offiziers- und Unteroffizierskorps bekam schnell Risse. Ganz zu schweigen das von der Effizienz dieser Armee, die damals, Anfang der 1980er Jahre, ja noch wichtigstes Abschreckungsinstrument der Nato in Europa sein sollte. Eine eiskalte Nacht lang hatte ich einen Hubschrauber der Ausstellung "Unser Heer" zu bewachen. Mit scharfer Munition, aber der Anweisung, im Ernstfall daneben zu schießen – Deeskalation... Was der Geschäftszimmersoldat im übrigen auch bei den wenigen Schießübungen tat. Ob es also richtig war, nicht zu verweigern? Ich bleibe dabei – es war konsequent.

Der Autor leistete zwischen 1981 und 192 15 Monate Grundwehrdienst in Lütjenburg und Hemau.
von Alexander Dick
am Sa, 09. April 2011 um 23:59 Uhr

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