Von den Freuden am Watzmann

"Bundeswehr – muss das sein?", denkt der 17-jährige Oberschüler. Saufen und Langeweile sind die Begriffe, die man mit Bundeswehr verbindet, keine verlockenden Aussichten. Bis ein Bekannter erzählt, es gebe da tatsächlich Leute, die das halbe Jahr auf Skiern stehen dürften – nichts von Langeweile und Zeit totschlagen.

  Das lässt den Bund in völlig neuem Licht erscheinen. Skifahren ohne Ende, etwas Größeres ist für einen skibegeisterten Flachlandtiroler nicht vorstellbar. So rückt der Abiturient im Juli 1974 in Berchtesgaden bei den Gebirgsjägern ein, 800 Kilometer von der Heimat entfernt. Das trägt ihm sonderbare Blicke seiner Schulfreunde ein, aus denen man lesen kann, dass sie an seinem Verstand zweifeln. Aber tatsächlich: Als im Oktober der erste Schnee fällt, beginnt die Skisaison – und dauert bis in den April. Der Blick auf den Berchtesgadener Hausberg, den Watzmann, ist noch viel toller als er auf Postkarten aussieht. Und der Flachlandtiroler lernt, dass man die Berge nicht nur auf Skiern hinunterfahren, sondern auch auf sie hinaufklettern kann. Was will man von der Bundeswehr mehr verlangen?

Die Bedrohung durch den Ostblock empfindet niemand als real, Auslandseinsätze sind noch Jahrzehnte entfernt. So kann man es zwei Jahre aushalten und dann zum Studium gehen – natürlich nahe zu Bergen und Skiliften.

Der Autor (55) leistete zwischen 1974 und 1976 Wehrdienst bei den Gebirgsjägern in Berchtesgaden.

von Jörg Buteweg
am Sa, 09. April 2011

Badens beste Erlebnisse