Anja Gmeinwieser: Wir Königinnen Moderation: Leo Boquoi
Drei Bücher, drei Songs, ein Abend! Drei großartige Erstlinge, die große Fragen stellen: Was ist der Mensch, was ist ein Tier? Wer sind meine Nächsten? Welche Sprache sprechen wir? Anja Gmeinwieser eröffnet den Reigen mit ihrer Roadnovel „Wir Königinnen“ (Berlin Verlag, 2026) und einem Handy, das „mit einer übertriebenen Geste vom ersten Gipfel“ der Alpen fliegt. Auf der Flucht vor ihrem allzu normalen Leben trifft die Erzählerin auf Anna, die einen Schwertransport mit trächtigen Kühen in die Türkei steuert. Aus einem spontanen „Ich fahre mit“ wird eine Annäherung über international bad english und einen zuweilen halluzinierenden Handy-Übersetzer, eine Liebesaffäre zwischen Autobahnen. Aber weil es immer heißer wird im Transporter, die Tiere erkranken und Annas Chef nicht zahlt, auch ein Höllentrip - bis an die EU-Außengrenze, wo Träume und Kühe stranden. „Diese beiden Frauen sind nicht nur Romanfiguren, sie sind Solidarität, Hoffnung, Rebellion“, schreibt die Autorin Mareike Fallwickl über Gmeinwiesers Debüt, das den klassischen Western-Plot des Viehtriebs gegen den Strich bürstet und mit Fragen nach Mutterschaft, Arbeit und Identität verknüpft.
Martin Piekar: Vom Fällen eines Stammbaums Moderation: Sonja Karadza
Als Martin Piekar beim Bachmann-Wettlesen 2023 Auszüge aus seinem Debütroman „Vom Fällen eines Stammbaums“ (Rowohlt, 2026) vortrug, beeindruckte er mit präziser, poetischer Sprache - und einem lauten, langen Schrei: Der Schrei der Überforderung eines jungen Mannes, der vaterlos mit seiner Mutter in einer engen Zwei-Zimmer-Wohnung aufwächst und sie nach einer Krebsdiagnose bis zu ihrem Tod pflegt. Marcin heißt der junge Mann. In den 1980er Jahren floh seine Mutter mit ihm aus Polen nach Deutschland, arbeitete als Altenpflegerin, kämpfte mit der Sucht. Während Marcin zwischen Videospielen, Nu Metal und Gedichten nach seinem Platz sucht, leben die beiden in einer Nähe zwischen Fürsorge und Abgründen. Mit der Erkrankung der Mutter tritt die Familiengeschichte in ihrer ganzen Wucht zutage: Aus Erinnerungen, Anekdoten und schmerzhaften Erkenntnissen entsteht das Porträt einer deutsch-polnischen Familie, in der Krieg, Migration und soziale Ausgrenzung bis in die Gegenwart hineinwirken.
Förderer: Kulturamt der Stadt Freiburg, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg, Sparkasse Freiburg-Nördlicher Breisgau, Guzzoni-Federer-Stiftung, Deutsche Pfandbriefbank Kooperationspartner: Theater im Marienbad, Buchhandlung jos fritz Kulturpartner: SWR Kultur
Datum: 6.11.2026, 18-20:00 Uhr Ort: Theater im Marienbad, Marienstraße 4 Eintritt: 11/7 Euro / Kombiticket (inkl. Comiclesung mit Mia Oberländer) mit Drink: 18/12 Euro