Vortrag & Lesung

Haiti, Harvard, Helsinki

Freiburg im Breisgau Galerie für Gegenwartskunst Kammertheater
Di, •

Beschreibung

Mit Sasha Huber arbeiten. Hans Fässler (Historiker) Quelle: Veranstalter
Der Schweizer Historiker und Aktivist Hans Fässler arbeitet seit zwanzig Jahren mit der haitianisch-schweizerisch-finnischen Künstlerin Sasha Huber zusammen. Anhand von zwanzig Bildern erzählt er die Geschichte dieser besonderen Zusammenarbeit. Im Zentrum stehen Themen wie Sklaverei, Rassismus, historische Aufarbeitung und Wiedergutmachung – und immer wieder Haiti.

Hans Fässler gehörte zu den ersten Historikern, die Anfang der 2000er-Jahre eine öffentliche Debatte über die koloniale Vergangenheit der Schweiz anstiessen. 2003 tat er dies mit seinem politischen Kabarettprogramm Louverture stirbt 1803, zwei Jahre später mit seinem Buch Reise in Schwarz-Weiss. Schweizer Ortstermine in Sachen Sklaverei (Rotpunkt Verlag).

Über eine haitianische Freundin und ihre haitianische Mutter wurde Sasha Huber auf dieses Buch aufmerksam, in dem Haiti beziehungsweise die ehemalige französische Kolonie Saint-Domingue eine zentrale Rolle spielt. Im Jahr 2006 trafen sich Hans Fässler und Sasha Huber erstmals in einer Bar beim Bahnhof Wil – passenderweise mit dem Namen Sein Lounge. Mit dabei war auch der renommierte Schweizer Fotograf Barnabás Bosshart (1947–2020), der damals in Brasilien lebte.

Aus dieser Begegnung entstand das erste gemeinsame Projekt: Démonter Louis Agassiz. Die Kampagne setzt sich für die Umbenennung des Agassizhorns ein, das nach dem schweizerisch-amerikanischen Naturforscher und Rassisten Louis Agassiz (1807–1873) benannt wurde. Der Berg an der Grenze zwischen Bern und Wallis sollte – und soll bis heute – den Namen «Renty» tragen. Renty war ein versklavter Mann aus dem Kongo, den Agassiz auf einer Plantage in South Carolina fotografieren liess, um seine rassistische Theorie von der angeblichen Minderwertigkeit der Schwarzen Bevölkerung zu untermauern.

Hans Fässler (*1954) ist Historiker, Aktivist, SP-Politiker und dekolonialer Stadtführer. Seit über 25 Jahren erforscht er die Verbindungen der Schweiz zu Sklaverei und Kolonialismus und bringt seine Erkenntnisse in den öffentlichen Diskurs ein. Er engagiert sich für das Gedenken an Toussaint Louverture und gründete 2019 das Swiss Committee on Reparations for Slavery (SCORES). Seine Forschungsreisen führten ihn nach Haiti, Senegal, Frankreich, Französisch-Guayana und Antigua. Daraus entstand das CARICOM Compilation Archive, eines der umfassendsten Verzeichnisse zu Schweizer Verstrickungen in Sklaverei und Kolonialrassismus.

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