Kunst & Museen

Tie-dye: gefaltet, genäht, gefärbt

Basel Museum der Kulturen
Do,

Beschreibung

Quelle: Veranstalter
Wie kommen die Blumen auf den Kimono und die Papageien auf die Bluse? Wie können Kreise so perfekt geometrisch angeordnet auf Tüchern erscheinen? Wer hat Regentropfen, Trauerweiden, Wellen, Spinnennetze oder ganze Sonnenaufgänge auf die anderen präsentierten Textilien gezaubert? Die Besucher*innen entdecken in der Ausstellung «Tie-dye: gefaltet, genäht, gefärbt», wie durch verschiedene Techniken solch faszinierende Muster entstehen. Sie können Schritt für Schritt nachverfolgen, wie sich durch Falten, Abbinden, Nähen oder Pressen aus Stoffen Kunstwerke ergeben.

Die Technik Tie-dye ist in der Textilsammlung des Museums der Kulturen Basel umfassend dokumentiert. Deshalb können die Herstellungsprozesse in der Ausstellung bis ins Detail gezeigt werden – anhand von Textilien sowie den dazugehörigen Geräten und Materialien. In sieben Stationen werden verschiedene Tie-dye-Techniken vorgestellt. shibori aus Japan ist eine der bekanntesten. plangi, bāndhanī, tritik und adirẹ sind weitere Techniken, die in Afrika, Asien, Europa und Südamerika angewandt werden. Sie unterstreichen auch den globalen Aspekt der Sammlung.

«Das Besondere an Tie-dye ist die dreidimensionale Komponente», erklärt Kuratorin Stephanie Lovász, «der Stoff wird vor dem Färben dreidimensional geformt. Bei manchen Textilien ist das nur vorübergehend, andere behalten die räumliche Form.» Eine eigene Station macht das sichtbar.

Die Kuratorin sagt, es geht in der Ausstellung um das Handwerk. «Bis heute ist Tie-dye Handarbeit. Nichts geht schnell, alles braucht seine Zeit. Und es braucht viel Erfahrung, Wissen, Fantasie, Geschicklichkeit und ein wenig Mathematik.»

Wertschätzung für das Handwerk
In den Mustern steckt zudem einige Symbolik. Das Fünfpunktemuster im Saum eines indischen Rocks verheisst Glück. Die Rauten auf einem Schleier aus Jemen, die an Augen erinnern, sollen die Trägerin vor Unheil schützen. Die Spiegel genannten Kreise auf einem tunesischen Kopftuch lassen den bösen Blick abprallen. Und von den blau-weissen Streifen auf einem japanischen Kimono erhoffen sich die Träger*innen Abkühlung.

Tie-dye kommt auch nie aus der Mode: Ein spanisches T-Shirt in plangi-Technik, das in den 1960er-Jahren im Globus verkauft wurde, erlebte an Raves in den 1990er-Jahren neuen Aufschwung. 2025 gestaltete die Clique Déjà Vü ihre gesamten Kostüme und Larven mit der klassischen, japanischen itajime-Klemmreserve und trug sie an der Basler Fasnacht zur Schau.

Regelmässig Neues
Auf dem Catwalk in der Ausstellung schaulaufen keine berühmten Models in Designerware, sondern kunstvoll gemusterte Kleidungsstücke. Um der Mustervielfalt und dem Variantenreichtum der Tie-dye-Techniken gerecht zu werden, erfolgt ca. alle sechs Monate ein Wechsel von einzelnen Objekten und Installationen. Ein mehrmaliger Besuch lohnt sich also.

Die Ausstellung vermittelt Inspirationen für die eigene Kleidung und vor allem eine neue Wertschätzung für die Handwerker*innen und für das Handwerk selbst. Umso mehr, weil an einer Mitmachstation viel ausprobiert werden kann.

Installation von Marie Schumann
Während der gesamten Laufzeit von «Tie-dye» ist im Treppenhaus des MKB die ortsspezifische Installation «Sequences, Screens» der Textilkünstlerin Marie Schumann zu sehen. Wie im Tie-dye-Verfahren gewinnt das Gewebe auch hier eine räumliche Form: Die Arbeit entfaltet sich von einer Etage zur nächsten, von flach bis skulptural, und lässt sich von verschiedenen Seiten betrachten.

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