Berliner Kälte, ibizenkische Wärme

Patrick Bodmer vom DJ-Duo M.A.N.D.Y. spielt im Freiburger Club Crash.

"Indem man, was man zu tun hat, aufschiebt, läuft man Gefahr, es nie tun zu können." Diesen Satz hat Charles Baudelaire geprägt. Der französische Lyriker hätte es eigentlich besser wissen müssen. Künstler unterliegen keinem Schaffenszwang.

So brauchen auch Philipp Jung und Patrick Bodmer kein schlechtes Gewissen zu haben, dass ihr Langzeitprojekt noch etwas länger dauern wird. Das trägt den Namen "Debütalbum" und wird spätestens seit 2005 erwartet. Damals veröffentlichte das Berliner DJ- und Produzenten-Duo, besser bekannt als M.A.N.D.Y., zusammen mit Walter Merziger und Arno Kammermeier (Booka Shade) die Single "Body Language". Ein Stück, auf dem die Berliner an den Grenzen des kalten Minimal Techno-Sounds ihrer Heimatstadt, ibizenkisch warmem Tech House und Elektropop entlang balancierten.

Ein Stil, dem Jung und Bodmer bis heute treu geblieben sind. Er ist körperbetont. Sein Wirkort ist die Tanzfläche, auf deren Experimentierfeld alles erwünscht ist – auch der Austausch von Körperlichkeiten. Das unterstreicht auch der Name des Plattenlabels, das beide (mit Merziger und Kammermeier) seit 2002 führen. Es heißt "Get Physical" und hat mit Alben von Lopazz, Nôze und Raz Ohara vor allem die Jahre 2005 bis 2010 geprägt.

An diesem Samstag legt mit Patrick Bodmer eine Hälfte von M.A.N.D.Y. im Freiburger Club Crash auf. Anders als bei ihrem Albumprojekt sind er und sein Partner Jung als Discjockeys keine Prokrastinierer. Am Mischpult geben sie Vollgas und zögern den Höhepunkt nicht hinaus. Nur auf der Tanzfläche ist vielleicht doch etwas Zurückhaltung angebracht. Freiburg ist allen Bassschlägen zum Trotz weder Berlin noch Ibiza.

Termin: Freiburg, Crash, Sa, 24. Okt., 23 Uhr
von Bernhard Amelung
am Fr, 23. Oktober 2015

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