Raus geht’s

Novemberblues? Wie man den inneren Schweinehund überwindet

Von wegen nass und dunkel: Der November ist viel besser als sein Ruf, findet unsere Autorin, und macht gleich ein paar Vorschläge, wie man auch diesen Monat im Freien genießen kann.

Ach, was war der Oktober doch schön! Buntes Herbstlaub, leuchtende Farben und herrlicher Sonnenschein. Dann kam die Zeitumstellung und mit einem Schlag fängt die dunkle Jahreszeit an. Kein Grund, sich zu Hause einzumotten. Denn der November bietet tolle Gelegenheiten fürs Draußen sein.

Noch sind die Temperaturen angenehm und fallen auch nachts nicht weit unter den Gefrierpunkt. Der November ist ein idealer Monat zum Wandern und Testen der Outdoorklamotten, die sonst das Jahr über im Schrank hängen. Die Bäume verlieren ihr Laub, geben den Blick frei und bieten so ganz neue Aussichten. Der Wald riecht erdig, moosig, nach Pilzen und nassem Laub. Nebel wabert geisterhaft um die Bäume und verleiht ihnen ein mystisches Aussehen. Keine Jahreszeit ist so abwechslungsreich und spannend wie der November.

Teezeit auf einer Hütte
Der Duft von selbstgebackenen Blaubeer-Apfel-Zimt-Muffins steigt mir in die Nase, während meine Finger den Becher mit dem heißen Ingwertee umschließen. Natürlich kostet es Überwindung, bei trübem und regnerischem Wetter den Rucksack zu packen und loszuziehen. Nach wenigen Minuten an der frischen Luft stellt sich die Vorfreude auf meine Teepause mit den leckeren Muffins ein. Denn draußen schmeckt es einfach besser. Besonders gemütlich ist eine Teezeit in einer Schutzhütte im Wald. Davon finden wir die unterschiedlichsten Arten: offene Hütten, die einen einfachen Schutz vor Wind und Regen bieten, Forsthütten, mit Tisch, Bänken und Ofen ausgestattet, und noble Blockhütten, die allerdings reserviert oder angemietet werden müssen. Schutzhütten sind auf jeder Wanderkarte oder Wander-Apps eingezeichnet. Also nichts wie los, am Sonntagnachmittag eine kleine Wanderexpedition zur nächsten Hütte planen. Als Belohnung gibt es warmen Tee und leckere Muffins.

Ausrüstung: Wanderschuhe, guter Wetterschutz, Fleecejacke, Rucksack, Wanderkarte, Taschen- oder Stirnlampe.
Mitnehmen: Thermoskanne mit heißem Tee, Muffins, Fernglas zum Tiere beobachten, Mülltüte zum Abfall einpacken. Tipp: Uhrzeit im Blick behalten, es wird früh dunkel, deshalb rechtzeitig Rückweg antreten.

Erlebnis Sonnenaufgang
Die Tage werden merklich kürzer, kurz nach 18 Uhr ist es bereits zappenduster. Je kürzer die Tage, desto mehr sehnen wir uns nach Licht. Morgens auf einem Gipfel oder einer Anhöhe zu stehen und den Sonnenaufgang zu erleben, macht einfach gute Laune. Der Tag verläuft anders, wenn uns früh morgens die ersten Sonnenstrahlen ins Gesicht scheinen. Das ist im November ideal, denn die Sonne geht Mitte November erst gegen 7.45 Uhr auf. An vielen Orten finden wir Himmelsliegen, die sich wunderbar dafür eignen. Einige lassen sich sogar um 360 Grad drehen und zur Sonne ausrichten.

Tipp: Decke oder Folie nicht vergessen, da die Liegen morgens noch nass vom Tau sind.
Himmelsliegen finden sich auf vielen Gipfeln: Herzogenhorn, Milchberg (bei der Krunkelbachhütte), Blößling bei Bernau, Rümmelesbühl bei Zell-Gresgen.

Müll Sammeln
Sabine Hötzel ist ständig auf der Suche nach "invasiven Arten". Hat sie welche entdeckt, werden sie artgerecht entsorgt. Es gibt nichts, was sie nicht aus den Wäldern geschleppt hat – meterlange Plastikplanen, auf denen sogar Bäume gewachsen sind, oder jahrzehntealte Capri-Sonne-Verpackungen. Die 39-Jährige aus Baden-Baden teilt ihre Funde auf ihrem Instagramkanal @sabine.hoetzel, mehr als 7500 Menschen folgen ihr. Auch mich hat sie inspiriert, nach invasiven Arten Ausschau zu halten. Ist erst einmal der Blick dafür geschärft, entdeckt man den Müll überall. Ob Fischkonserve, abgefallene Wandersohle oder Glasflaschen. Es ist unglaublich, wie viel Müll man entlang und abseits der Wanderwege findet.

Ausrüstung: gute Wanderschuhe, Wetterschutz, Rucksack, großer Müllbeutel (am besten zwei, man findet mehr Müll, als einem lieb ist), Arbeitshandschuhe oder Müllgreifer.
Fotos von euren Funden machen, auf Instagram hochladen und @sabine.hoetzel taggen.
Tipp: Die Müllsuche lässt sich gut mit der Hüttenteepause kombinieren. Damit hat man nicht nur sich, sondern auch der Natur etwas Gutes getan.

Sterne gucken
19 Uhr und es herrscht stockfinstere Nacht. Auch das ist von Vorteil, denn umso früher können wir nun in die Sterne gucken. Für mich eines der faszinierendsten Dinge, die wir im November erleben können. Der helle Stern, der im Süden strahlt, ist kein Stern, sondern der größte Planet des Sonnensystems, der Jupiter. Markant ist das Himmels-W, die Kassiopeia, der milchige Fleck, das sogenannte Siebengestirn, die Plejaden.

Um die Sterne zu sehen, reicht ein möglichst dunkler Ort abseits der Straßenbeleuchtung. Je weniger künstliche Beleuchtung, desto besser. Vollmondnächte eignen sich ebenfalls nicht, da der helle Mond die Sterne überstrahlt. Zum Sterne-Gucken braucht es auch kein Fernglas oder Teleskop. Einfach nach oben schauen und staunen. Infos über den aktuellen Sternenhimmel gibt es unter Sternfreunde e.V.

Tipp: Ideal ist eine Taschen- oder Stirnlampe mit Rotlicht. So müssen sich die Augen nicht immer an die Dunkelheit anpassen, wenn weißes Licht verwendet wird. Wer keine Lampe mit Rotlichtfilter hat, kann sich aus roter Folie einen basteln und mit Tesafilm vor die Lampe kleben.

Bewusst Wild sein
Daran denken, dass in der Abend- und Dämmerzeit Wildtiere aktiv sind. Bitte auf den Wegen bleiben, nicht quer durch den Wald laufen und Hunde an der Leine halten.

Weitere Infos für bewussten und achtsamen Umgang in der Natur unter bewusstwild.de
Buch: Christo Foerster: Raus und Machen – Das Jahreszeitenbuch, Harper Collins, 15 Euro.
von Birgit-Cathrin Duval
am So, 21. November 2021 um 07:04 Uhr

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