Museen
Orte zum Staunen und Entdecken: Drei besondere Museen in Südbaden
Alles außer Kruscht, Kitsch und Krempel
Wer das Müllmuseum Bad Säckingen-Wallbach betritt, schwelgt in Nostalgie oder rätselt, welche Funktion diese seltsamen Geräte verrichten. Für die Generation Ü50 mag es ernüchternd sein, was die Sonderausstellung "Denk mal nach" präsentiert. Das hat man alles selbst erlebt – der erste Kassettenrecorder, Walkman, CD-Player, Klapp-Handys mit Tastatur. Filmapparate, Kameras, Tonbandgeräte in gewaltigen Ausmaßen. Geräte, deren Funktion sich heute in einem Smartphone wiederfinden, das in der Hosentasche steckt.
Das Müllmuseum ist eine Zeitreise durch ein Kuriosum an Dingen, die es längst nicht mehr gibt. Entsorgt, ersetzt, weggeworfen. Endstation Deponie Lachengraben. Dort walzte Ernst Thomann mit der Planierraupe alles platt. Bis auf den Teddybären. Das brachte er einfach nicht übers Herz. Er nahm ihn mit nach Hause. Das war irgendwann in den 70er-Jahren. "Wir hätten das doch nie gedacht, dass da mal ein Museum daraus wird", erzählt Agnes Thomann. "Wir sind da halt reingeschlittert", sagt die 91-jährige Witwe von Ernst Thomann lachend.
Über 20 Jahre lang brachte ihr Mann Müll nach Hause. Vom Spielzeug über Elektronik, Radios, Fernseher, Musikinstrumente, Kircheninventar bis zu komplett eingerichteten Schuhmacherwerkstätten und Frisörsalons. Ehefrau Agnes wusch, putzte, nähte, richtete her. Die Sammelleidenschaft nahm kein Ende. "Wir haben immer viel Spaß gehabt", erinnert sie sich. "Jeder Tag war Weihnachten", sagt Sohn Karl Thomann, der heute Betriebsleiter der Deponie ist. Nebenbei baute er das Museum aus, das inzwischen seit 34 Jahren besteht. "Die Zeiten, in denen interessante Sachen ankommen, sind vorbei", sagt Thomann. Damals wurde der Müll nicht sofort im Müllwagen verdichtet, sondern intakt auf der Deponie abgeladen. Vieles, was Thomann Senior vor dem Verschwinden bewahrte, ist heute auf 250 Quadratmetern Ausstellungsfläche zu sehen. Skurriles neben Antiquitäten, Raritäten neben Kuriosem. Ein Ort zum Staunen und Entdecken. Infos und Öffnungszeiten: Jeden Sonntag von 14-17 Uhr (geschlossen am 4.1.2026). Hauptstraße 162, Bad Säckingen. Kaffee und Kuchen in der Belzle-Beiz. www.muellmuseum-wallbach.de
Vom Schröpfen und Aderlass zum Baden, Kuren, Heilen
1955 suchte man in Bad Bellingen nach Erdöl. Doch mit dem, was in 629 Metern aus der Tiefe sprudelte, hatte niemand gerechnet. Anstelle von schwarzem Gold schoss dampfend heißes Mineral-Thermalwasser aus dem Boden.
Ein Weinbottich diente als erstes Thermalbad. "Das war eine Sensation", sagen Ruth Merkhofer und Irmgard Stöcklin, die als Schulmädchen das Badespektakel miterlebten. Heute sind sie ehrenamtlich als Museumsaufsicht im Oberrheinischen Bädermuseum Bad Bellingen-Bamlach tätig. Jener Weinbottich, der den Grundstein legte und Bad Bellingen zum Kurort machte, ist im ersten Stockwerk ausgestellt. Das Oberrheinische Bädermuseum zeigt die kulturgeschichtliche Entwicklung des Heilbadens auf – angefangen von den Römern über die Bader im Mittelalter bis in die heutige Zeit. Damit ist es das Einzige im südbadischen Raum, das sich dem Thema Badekultur widmet. Das Baden diente im Mittalalter nicht der Körperpflege, sondern vor allem der Gesundheitspflege. Zum Bader ging man, um geschröpft zu werden, für einen Aderlass, bei Knochenbrüchen oder offenen Wunden, auch Zähne ließ man bei ihm ziehen.
Als der Basler Arzt Paracelsus (1493-1541) die Bedeutung natürlicher Heilquellen beschrieb, entstanden die ersten Badeorte. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Wirkungen wissenschaftlich untersucht.
Zu sehen sind Schröpfgläser, Bader-Werkzeuge, Badewannen, Badezubehör, Saunabox und Trinkgläser. Das Museum, das in einem historischen Gebäude aus dem Jahr 1602 untergebracht ist, beherbergt auch das Heimatmuseum. Neben einer alten Schmiede, Weinkeller, landwirtschaftlichen Gerätschaften, widmet sich ein Raum der Rheinfischerei, ein weiterer stellt Exponate aus der Kriegszeit aus. Im traditionellen Holzofen des Museums erleben Teilnehmer beim "Backen mit Susi" die Herstellung und Verkostung von Bauernbrot und Zwiebelwaie.Infos und Öffnungszeiten: Sonntags von 14 bis 17 Uhr. Alte Weinstraße 25, Bad Bellingen-Bamlach. https://mehr.bz/bamlach
Skilegenden, schneereiche Winter und Weltmeister
Der Holzboden im über 450 Jahre alten Hugenhof knarrt. Flink wuselt Georg Thoma durch die Räume. Man kann kaum Schritt halten mit dem 78-Jährigen. In den Händen hält er eine vergilbte Schwarzweiß-Fotografie. Darauf blickt ein kleiner Bub aufgeweckt in die Kamera. Als ahnte er, dass ihm Großes bevorsteht. Das Bild will Thoma in der Thoma-Stube aufhängen. Im Zimmer mit dem Kachelofen stehen seine Skier, auf denen er als Jugendlicher Ski lief. Daneben stehen seine Langlauf- und Sprungski, auf denen er zum gefeierten Olympiasieger als nordischer Kombinierer wurde.
Zehn Jahre sind seit der Begegnung mit Thoma in seinem Skimuseum vergangen. Als Initiator hat die Schwarzwälder Skilegende das Schwarzwälder Skimuseum Hinterzarten entscheidend aufgebaut und geprägt. Es zeigt anhand zahlreicher Exponate die faszinierende Geschichte des Skilaufens im Schwarzwald. Vom ersten Skifahrer auf dem Feldberg bis zum weltweit ersten Skilift am Schneckenhof. Historisches Filmmaterial, Fotografien, Tonbandaufnahmen erzählen von einmaligen Geschichten und unglaublichen schneereichen Wintern. Pokale, Medaillen, Trophäen erinnern an berühmte Namen aus dem Schwarzwälder Skisport. Eine Abteilung widmet sich der technischen wie auch textilen Entwicklung der Skisportmode und Skiausrüstung. Wer selbst einmal einen Skisprung absolvieren möchte, kann dies mit der VR-Brille tun und virtuell von der Schanze springen wie einst Georg Thoma. Der hat die Brille bereits ausprobiert. Wer hätte gedacht, dass er mit 88 Jahren noch einmal durch die Lüfte fliegen würde wie damals, als er 1966 Weltmeister wurde. Infos und Öffnungszeiten: Dienstag, Mittwoch, Freitag: 14 bis 17 Uhr; Samstag, Sonntag, feiertags: 12 bis 17 Uhr; jeden 2. und 4. Samstag im Monat um 15 Uhr offene Führungen. Eintritt: Erwachsene 5 Euro, ermäßigt 4 Euro, Kinder bis 16 Jahre frei, VR-Experience: 5 Euro Erwachsene, 3 Euro Kinder. https://mehr.bz/skimusem
von Birgit-Cathrin Duval