Bühne

PIRARUCU in Berlin

Clébio Oliveira

Wann
Sa, 14. März 2026, 20:30 Uhr
Wo oder WAS
Berlin
Uferstudios
Vorverkauf
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Veranstalter
Uferstudios GmbH
Heimat als Körper in Verschiebung. Erinnerung als untergetauchter Atem.

PIRARUCU nähert sich dieser Setzung über den Körper. Ausgehend von der Erfahrung, fern von Brasilien zu leben, entfaltet das Stück eine choreografische Untersuchung migrantischer Körper in Bewegung. Körper, die zwischen Sprachen, Klimazonen und Lebensrealitäten existieren. Heimat wird hier nicht geografisch verstanden, sondern körperlich, als Nerv, als Geste, als chemische Erinnerung von Sehnsucht.

Zwischen Biologie und Metapher wird der Pirarucu Führer und Spiegel dieser Untersuchung. Als einer der wichtigsten Fische des Amazonas und weltweit größter Schuppenfisch der Süßgewässer lebt er in Flüssen, Seen und Überschwemmungsebenen des Amazonasbeckens. Eine flexible Rüstung aus Schuppen schützt ihn in feindlichen Umwelten. Sein Name trägt indigenen Ursprung. Pira bedeutet Fisch, urucu rot. Sprache selbst wird so zum Träger eines Territoriums.

Dieser anzestrale Fisch atmet Luft, lebt jedoch untergetaucht. Er existiert zwischen Umwelten, im Zustand permanenten Überlebens. Seine Lungenstruktur entstand aus dem Kollaps der Kiemen und offenbart ein biologisches Paradox, das an den migrantischen Körper erinnert, der gezwungen ist, seinen Atem neu zu organisieren, um in einer anderen Umgebung bestehen zu können.

Auf der Bühne entfaltet sich eine raue, dystopische Landschaft, die an einen ausgetrockneten Süßwasserstrand erinnert. Fünf brasilianische Tänzer*innen bewegen sich durch diesen Raum, nähern sich einander, entfernen sich wieder. Gesten verweben Abwesenheit mit Begehren, Erinnerung mit Anpassung. Atem wird hörbar. Bewegung wird Übersetzung. Der Körper wird zum Gewebe, das sichtbare und unsichtbare Grenzen durchquert.

PIRARUCU entwirft eine sinnliche Kartografie des Körpers in Verschiebung. Zugehörigkeit wird spürbar. Heimat erscheint als physiologische Erinnerung, etwas, das nicht verloren geht, sondern im Körper weiterlebt. Tanz wird zum Akt des Überlebens. Das Atmen unter Wasser. Der Tanz bewahrt das Zuhause, kreiert aus unsichtbaren Schichten der Bewegung.

PIRARUCU entstand aus dem kollaborativen Projekt NÓS, initiiert von Lívia Maria Delgado als Reaktion auf die öffentlichen Förderkürzungen der freien Szene in Berlin 2025/2026. Ausgangspunkt war eine einfache Geste: den Probenraum zu öffnen und ihn als Ort sporadischer Begegnungen und künstlerischen Austauschs zwischen Tänzer*innen zu begreifen.

Von Lívia eingeladen, schlug Clébio Oliveira vor, diese Treffen in einen gelenkten choreografischen Prozess zu überführen. Er regte an, das Stück ausschließlich mit brasilianischen Tänzer*innen zu entwickeln, die in Berlin leben, um der migrantischen Erfahrung eine unmittelbare, viszerale Präsenz auf der Bühne zu verleihen.

Auf der Bühne stehen fünf brasilianische Tänzer*innen, begleitet von der Komposition eines brasilianischen Musikers. PIRARUCU verbindet amazonische Erinnerung, die Berliner Gegenwart und Körper, die Flüsse in sich tragen.

Dauer: ca. 75 Minuten

ENGLISCH:
Home as a body in displacement. Memory as submerged breath.

PIRARUCU approaches this proposition through the body. Drawing from the experience of living far from Brazil, the work unfolds a choreographic investigation of migrant bodies in motion. Bodies that exist between languages, climate zones, and lived realities. Here, home is not understood geographically, but corporeally, as nerve, as gesture, as the chemical memory of longing.

Between biology and metaphor, the pirarucu becomes guide and mirror of this investigation. As one of the most significant fish of the Amazon and the largest scaled freshwater fish in the world, it inhabits rivers, lakes, and floodplains of the Amazon basin. A flexible armor of scales protects it in hostile environments. Its name has indigenous origins: pira means fish, urucu red. Language itself thus becomes a carrier of territory.

This ancestral fish breathes air yet lives submerged. It exists between environments, in a state of permanent survival. Its lung structure emerged from the collapse of gills, revealing a biological paradox that resonates with the migrant body, compelled to reorganize its breathing in order to exist within another environment.

On stage, a raw, dystopian landscape unfolds, evoking a dried-out freshwater shore. Five Brazilian dancers move through this space, approaching and distancing themselves from one another. Gestures weave absence with desire, memory with adaptation. Breath becomes audible. Movement becomes translation. The body turns into a fabric that crosses visible and invisible borders.

PIRARUCU proposes a sensorial cartography of the body in displacement. Belonging becomes tangible. Home appears as physiological memory, something that is not lost but continues to live within the body. Dance becomes an act of survival. Breathing under water. Dance preserves the home, created from invisible layers of movement.

PIRARUCU emerged from the collaborative project NÓS, initiated by Lívia Maria Delgado in response to public funding cuts affecting Berlin's independent scene in 2025/2026. The starting point was a simple gesture: opening the rehearsal space as a site for sporadic encounters and artistic exchange between dancers.

Invited by Lívia, Clébio Oliveira proposed transforming these meetings into a directed choreographic process. He suggested developing the work exclusively with Brazilian dancers living in Berlin, allowing the migrant experience to gain immediate and visceral presence on stage.

On stage are five Brazilian dancers, accompanied by the musical composition of a Brazilian musician. PIRARUCU connects Amazonian memory, the Berlin present, and bodies that carry rivers within themselves.

Duration: approx. 75 minutes

Konzept / Choreographie / Dramaturgie / Raum: Clébio Oliveira
Tanz / Kreation: Giuliana Corsi, Lívia Maria Delgado, Leonardo D'Aquino, Priscilla Fiuza
Komposition Musik: Denis Altschul
Lichtdesign: Hanna Kritten Tangsoo
Totem Kreation: Jonas Nondorf
Kostüme: N.N.
Produktionsleitung: Roland Wolf
Öffentlichkeitsarbeit: Yven Augustin
Stücktext: Clébio Oliveira
Übersetzung: Juraj Kosturik

Gefördert von der GVL - Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten mbH (GVL).
Mit besonderem Dank an Juraj Kosturik für die Übersetzung.
Quelle: Veranstalter

Veröffentlicht am Do, 29. Januar 2026 um 16:13 Uhr

  • Uferstraße 23
  • 13357 Berlin

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