Dies & Das
Stiefmütterchen statt Vergissmeinnicht
- Wann
- So, 25. Januar 2026, 19:00 Uhr
- Wo oder WAS
-
Freiburg
Kommunales Kino
In Mullheim ließ man 1968, dreißig Jahre nach der Verwüstung in der Reichspogromnacht 1938, das judische Synagogengebäude abreißen. Auf dem frei gewordenen Gelände in der Hauptstraße baute man einen Parkplatz. Zum Gedenken an die jüdische Gemeinde und als Erinnerung an die Synagoge steht seit 1973 ein Gedenkstein in einer Ecke des Platzes.
Wie kam es zu dem späten Abriss 1968? Was waren die Umstände und die Stimmung damals in Müllheim? Gab es ein Bewusstsein über die politische und gesellschaftliche Bedeutung und Tragweite des Abbruchs? Wie öffentlich wurden die Abrisspläne gemacht und besprochen? Wie war die örtliche Berichterstattung?
Protokolle des Gemeinderats aus der Nachkriegszeit, der Schriftverkehr der Stadt Müllheim mit dem Oberrat der Israeliten in Karlsruhe und jüdischen Interessenten, die das Gebäude erhalten wollten, geben teilweise Antworten auf diese Fragen. Ebenso versucht der Künstler Bernd Völkle, der in den 1960er-Jahren sein Atelier in der ehemaligen Synagoge hatte, Antworten zu geben. Er erzählt aus seinen Erinnerungen mit Fotos und Filmaufnahmen aus seinem Privatarchiv.
Der Film thematisiert die Auseinandersetzung mit jüdischem Erbe anhand der Stadt Müllheim. Denn neben dem Abriss der Synagoge gab es auch konstruktive Ansätze mit der jüdischen Vergangenheit Müllheims umzugehen: Errichtung eines Gedenksteins auf dem Jüdischen Friedhof 1987, Einladung der Holocaustüberlebenden 1987 und die Verlegung von Stolpersteine 2006. Weitere Weggefährten, Historiker und Stadtarchivar Dirschka begleiten die Filmemacherin auf ihrer Spurensuche. Dies macht den Film zu einem wertvollen Beitrag zur Stadtgeschichte, welcher die Erinnerung an die jüdische Gemeinde wieder lebendig werden lässt. Aber zeigt auch, wieviel persönliches Engagement es braucht, die Erinnerung zu bewahren.
Kerstin Pommerenke, seit 2016 in ihrer Heimatstadt Müllheim tätig, ist mit diesem Film ein eindrückliches und eindringliches Plädoyer für einen konkreten Erinnerungsort an die ehemalige jüdische Gemeinde gelungen.
In Kooperation mit der Gescher Gemeinde, NS Dokuzentrum und dem Bündnis gegen Antisemitismus
Zum Holocaust-Gedenktag
Regie & Drehbuch
Kerstin Pommerenke
Land, Jahr | Fassung | Länge
Deutschland 2025 | OV | 65 Min.
Wann
So 25.01., 19:00, zu Gast: Kerstin Pommerenke
Quelle: Veranstalter
Veröffentlicht am Mo, 19. Januar 2026 um 14:14 Uhr
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