Freizeit

Tipps für eine Wanderung von Lenzkirch durch die Haslachschlucht

Ein Fluss, der lautstark durch die tiefe Schlucht schäumt, schroffe Felsen und ein wilder Pfad über viele Wurzeln und Steine: eine Wanderung von Lenzkirch durch die Haslachschlucht.

Die Haslachschlucht wird oft als die kleine Schwester der Wutachschlucht beschrieben – und bietet doch auch ganz andere Naturerlebnisse. Mal zwängt sie sich durch die enge Klamm des Rechenfelsens, dann fließt sie gemächlich der Gutach entgegen, um sich mit ihr im breiten Tal zur wilden Wutach zu vereinigen. Diese beiden doch sehr unterschiedlichen Gesichter der Haslach wollen wir erleben – und machen uns in Lenzkirch auf den Weg in die Schlucht und bis zu ihrer Mündung.

Los geht es am Kurhaus in Lenzkirch, wo der Urseebach stetig das Rad einer frisch renovierten Wassermühle antreibt, um kurz darauf in die Haslach zu fließen. Wir aber wollen zu urwüchsigeren Orten, auf schmale Pfade und in grünes Dickicht und machen uns in westlicher Richtung auf, hinaus aus dem Ort. Bald schon überqueren wir die Haslach, wandern dann oberhalb des Wassers immer flussabwärts, der Mündung entgegen.

Zunächst ist das Tal breit, der Bähnle-Radweg verläuft auf der stillgelegten Bahntrasse, der Blick schweift weit durch das Tal. Rinder weiden auf den prachtvoll blühenden Wiesen am Wegrand, ein bemerkenswertes Naturschutzprojekt, um die Landschaft offen zu halten und seltene Wiesenpflanzen zu schützen.

Trollblumen, Heide-Nelken oder Bach-Nelkenwurz

Die Weiden beherbergen eine einzigartige Flora: Trollblumen, Heide-Nelken oder Bach-Nelkenwurz finden in der Talaue ein geschütztes Biotop. Immer wieder werden wir am Wegrand mit den Infotafeln des Naturparks Südschwarzwald auf die besonderen Naturschätze der Schlucht hingewiesen.

Wir sind jetzt auf dem berühmten Schluchtensteig unterwegs, der Mehrtagestour durch zahlreiche Schluchten des Schwarzwalds, und können uns an seinen Schildern orientieren. Zunächst erreichen wir auf diesem Weg den Höllochfelsen, einen Aussichtspunkt mit stabiler Absicherung hoch über dem Fluss. Unter uns hören wir das Wasser rauschen, sehen aber können wir es nicht, so dicht stehen die Bäume am Ufer der Haslach.

Die Talsohle hat sich hier unter das Niveau des breiten Tals abgesenkt und ein Kastental entstehen lassen, das sich bald zur Haslachschlucht verengt.

Jetzt wird auch unser Weg schmaler und wilder. Wir wandern langsam die Schlucht hinunter, ein felsiger Pfad schmiegt sich an die Flanke des Tals. Zu unserer Rechten wird das Plätschern lauter. Schließlich erreichen wir den Fluss. Zwischen Farnen und den großen Blättern der Pestwurz können wir ans Ufer treten, die Luft ist kühl vom Wasser, der Boden feucht. Schon hier – am breiten Flussbett – erkennen wir die Kraft der Haslach. In mächtigem Schwall ergießt sie sich zwischen bemoosten Steinen, strömt mal eine flache Stufe hinab, nimmt sich Raum im Talboden.

Über einen wurzelbepackten Pfad wandern wir am Ufer entlang und nähern uns langsam der engsten Stelle der Schlucht, dem Rechenfelsen. Schmaler und schmaler wird das Bachbett jetzt – und lauter das Getöse des Flusses, muss er sich doch zwischen den engen und steilen Felsen hindurchzwängen. Über die Findlinge am Ufer können wir uns dem Wasserdurchbruch vorsichtig nähern und das Naturschauspiel genießen.

Tief hat sich das Wasser in den Untergrund gearbeitet, rechts und links ragen mächtig die Wände aus Porphyrgestein auf. Ein herrlich wilder und mystischer Ort. So schön, dass man gerne ein wenig länger hierbliebe, um dem Strömen des Wassers zuzusehen. Aber der Andrang ist groß, der Rechenfelsen ein beliebtes Fotomotiv. Während wir über die Steine zurück auf den Weg klettern, nähern sich die nächsten Wanderer dem Felsdurchbruch, zücken die Smartphones, posieren, fotografieren. Nicht nur heute, schon in der frühen Zeit des Tourismus nach 1900 soll der Rechenfelsen als besondere Attraktion gegolten haben, die auf Postkarten abgebildet wurde.

Wir machen uns an den Aufstieg auf den Rechenfelsen, kräftig geht es hier bergauf, unter uns erhaschen wir immer wieder einen Blick auf den Fluss und die Klamm. Oben angekommen, schützt uns ein Geländer – und wir können entspannt hinunterschauen in den grünen Dschungel der Schlucht: Ganz nah stehen die Bäume am Wasser, Moose überziehen die schroffen Wände aus Stein, kleine Büsche finden in Felsspalten Halt. Hier kann man gut eine Weile pausieren und den wilden Fluss von oben begucken.

Zwei Brücken überspannen die Flüsse

Vom Felsen führt uns der Weg nun wieder hinab ans Wasser. Rasch erreichen wir die breite Stelle des Tals, in dem die Haslach mit der Gutach zusammenfließt. Zwei Brücken überspannen die Flüsse, geben einen herrlichen Blick frei nach Westen, wo die Wutach sich in ihre Schlucht ergießt. Hier hat sie viel Raum, noch ist sie nicht als die "wütende Ach" erkennbar, der sie ihren Namen verdankt. Wir können auf der Bank Platz nehmen oder ganz nah ans Wasser treten und einen ruhigen Moment am Strom verbringen.

Eine Infotafel klärt uns auf über die Flüsse, die wir hier beobachten: Der Ursprung der Wutach liegt oben am Höchsten, dem Feldberg. Seebach heißt sie hier, sie fließt durch den Feldsee und weiter zum Titisee. Von dort an trägt sie den Namen Gutach. Die "gütige Ach" schlängelt sich mäandernd durch das weite Tal und wird – vereint mit der Haslach – an dieser Stelle schließlich zur Wutach. Wir genießen die Nähe zum Wasser noch ein wenig, dann machen wir uns auf den Rückweg. Wir gehen über die rechte Brücke hinweg, der Kohlplatz ist unsere nächste Zwischenstation. Dorthin geht es wieder steil bergauf.

Ein schmaler Pfad führt uns zwischen Sauerklee, Moos und Farn hinaus aus der Schlucht. Ein Baum liegt quer über dem Weg, Kletterspaß für die Kinder. Bald mündet der Pfad in einen breiten Weg und wir wandern rechter Hand wieder Lenzkirch entgegen.

Nun folgt eine Strecke mit vergleichsweise wenig Abwechslung, aber das bringt auch Zeit, um den eigenen Gedanken nachzuhängen. Und wir können uns freuen: Irgendwann biegen wir wieder ab nach rechts zum Fluss hinunter. Noch einmal führt der Weg über die Haslach. Kurz darauf plätschert am Wegrand der kleine Roodbach-Wasserfall zu Tal.

Für uns geht es jedoch wieder aufwärts. Über den Bähnle-Radweg hinweg erreichen wir die bekannte Strecke unseres Hinwegs. Eben führt sie uns zurück nach Lenzkirch. Die Haslach verläuft wieder unterhalb des Wanderweges, plätschert friedlich im Bachbett und verrät nichts von ihrer wilden Seite weit unten in der Schlucht.

Schluchtenwandern

Schroffe Felswände und Wasser, das sich seinen Weg bahnt: Schluchten sind faszinierend. Der Schwarzwald beherbergt eine ganze Reihe dieser Naturschönheiten. In nächster Nähe der Haslachschlucht liegen Wutach-, Gutach- und Rötenbachschlucht. Sie können auf einer Wandertour kombiniert werden. Unter anderem verbindet die dritte Etappe des Schluchtensteigs die Wutach- und die Haslachschlucht. Wer Rundwanderungen bevorzugt, kann mit der 3-Schluchten-Tour Wutach-, Gauchach- und Engeschlucht erkunden oder wandert auf dem Genießerpfad durch die Rötenbachschlucht.

von Silke Kohlmann
am Sa, 20. Juni 2026 um 08:00 Uhr

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