Frühlingswandertipp
Von Wittnau zur Berghauser Kapelle: Eine wurzelig-wilde Strecke mit Weitblick
Die prächtige Obstbaumblüte auf den Berghauser Matten ist fast schon legendär – und inzwischen vorbei. Das macht jedoch gar nichts, denn südlich von Freiburg lässt sich zwischen Wittnau und Ebringen auch jetzt noch gut und mit immer wieder herrlich sattgrünen Ausblicken wandern.
Wir starten unsere gut 13 Kilometer lange Tour in der Ortsmitte von Wittnau. Vorbei an der Dorfkirche folgen wir den Schildern Richtung Dürrstein der Schönbergstraße bergauf und stehen kurz hinter den letzten Häusern direkt vor der ersten unbeschilderten Weggabelung. Ein Spaziergänger mit Hund kennt sich aus, beide Wege führen zum Ziel, verspricht er, und wir entscheiden uns für den linken, steileren. Der belohnt direkt nach den ersten Höhenmetern mit einer tollen Sicht ins Hexental, die uns heute recht zuverlässig begleiten wird. Kurz hinter einer Rechtskurve sieht es quer übers Feld hoch Richtung Waldrand verdächtig nach einem Trampelpfad aus – den nehmen wir und landen auf einem schmalen Feldweg, der uns am Waldrand entlang zum Parkplatz an der Berghauser Kapelle führt. Wer den Weg im Hochsommer läuft und mehr Schatten sucht: Ein zweiter Weg verläuft wenige Meter oberhalb direkt durch den Wald.
Durchs Dickicht schlängeln
Zur Berghauser Kapelle samt Parkplatz hat es an diesem schönen Maitag einige gezogen, doch das ist auch die einzige Stelle der ganzen Tour, auf der wir mal auf eine Handvoll Menschen treffen. Wir folgen dem Abstecher-Tipp aus unserem alten Wanderführer und nehmen hinter der Infotafel auf dem Parkplatz den gerade so erahnbaren Trampelpfad, der uns auf den Gipfel des Kienbergs führt. Oben angekommen und einmal umgedreht liegt vor uns ein herrliches Panorama mit Blick bis zum Schauinsland und die Holzschlägermatte. Tatsächlich entdecken wir in dem, uns zu Füßen liegenden, Naturschutzgebiet Berghauser Matten auch den ein oder anderen Obstbaum, der entgegen des Mainstreams noch immer blüht.
Eigentlich sollten wir jetzt zurück zum Parkplatz, doch der Weg hier oben scheint weiterzugehen. Schauen wir doch mal. Es wird steinig und wurzelreich, mehr als einmal wächst das Grün von links und rechts so sehr auf den Pfad, dass wir denken, hier ist Schluss. Doch das täuscht. Wir gehen weiter und weiter, kriechen unter umgestürzten Stämmen hindurch, schlängeln uns durchs Dickicht, bis wir mal wieder an einer Weggabelung stehen. Das Gefühl sagt "nach links", das ist auch der richtige Weg, wie wir später rausfinden werden. Wir wählen zuerst aber den nach rechts, landen auf einem breiten Wiesenweg und gehen den kurz nach rechts hinauf, wo wir auf einer Lichtung mit prächtigem Ausblick in die Rheinebene und bis zu den heute ein wenig verhangenen Vogesen reicht. Perfekt für ein Picknick with a view.
Sonnenlichtspiele im Buchenwald
Dem breiten Wiesenweg braucht man nicht nach unten zu folgen, das führt zu nix. Stattdessen gehen wir über den schmalen Pfad zurück in den Wald auf dem Kienberg und entscheiden uns an besagter Weggabelung diesmal für die linke Seite. Die führt uns gewohnt wild weiter nach unten, bis wir auf einem Pfad auf den Obstbaumwiesen ankommen. Unser Weg führt uns nun weiter nach rechts, doch weil wir gut in der Zeit liegen, gehen wir kurz noch links an einem Picknickplatz mit Wasserstelle vorbei zur Berghauser Kapelle. Die wurde 1748 errichtet und 1989 mit einer Acht-Register-Orgel der Waldkircher Orgelwerkstatt Jäger & Brommer ausgestattet.
Wir gehen auf den Wiesenpfad zurück und folgen ihm bis zu einer Senke, hinter der wir auf einen querenden Weg treffen, der links die Wiesen und rechts Richtung Wald führt. Ihm folgen wir, bis wir auf den Scherenweg stoßen und biegen scharf links ab, direkt an einer Wegschranke vorbei. Jetzt geht es eine gute halbe Stunde lang gemächlich und in aller Entspannung – kein Mensch weit und breit – bergan durch den hoch gewachsenen Fichten- und Buchenwald, in dem das Sonnenlicht seine Spielchen treibt.
Abenteuerlich-wilder Kuckuckspfad
Wir erreichen den Lägersattel und könnten hier die kürzere Route zurück nach Wittnau nehmen, würden dann aber auf den wilden Kuckuckspfad verzichten. Also folgen wir dem entsprechenden Schild und steigen nach etwa 300 Meter den schon wieder wunderbar abenteuerlich-wilden Pfad hinab, hier steht auf dem Wegweiser allerdings "Kuckusbad", nicht irritieren lassen.
Der Abstieg verwöhnt noch einmal mit schönen Aus- und Einblicken in den Wald, dann landen wir auf einem breiten Forstweg und es wird kurz knubbelig: zu viele Möglichkeiten und zu unkonkrete Schilder. Der Elsbergweg führt nicht ans Ziel, sondern nur zu einer Umrundung des gleichnamigen Berges samt einem Kilometer mehr in den Füßen. Kann man machen. Schlauer ist's, gleich den Elsbergrandweg zu wählen, der einen schnurstracks zum Sportplatz Bollschweil führt. Den lassen wir rechts liegen und fallen geradezu auf den Bettlerpfad, der uns in der trägen Nachmittagssonne via Sölden – bei Bedarf: Das Milchcafé hat Eis vom Eckhof in Horben, Kuchen und Herzhaftes – und zurück nach Wittnau führt.