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Wie ein riesiger Spielplatz: Das Mitmachmuseum in Vaisseau in Straßburg überzeugt Kinder und Eltern
"Dreh doller, noch schneller!", ruft der 10-jährige Malou seinem Bruder zu. Immer kräftiger treibt der die Kurbel an, flotter und flotter dreht sich auch das Wasser im durchsichtigen Zylinder. Und immer größer wird der Trichter, der sich in der Mitte des Behälters bildet. Gelingt es den beiden Jungen, die Bälle im Mittelpunkt des Wasserwirbels auf den Boden sinken zu lassen? Schließlich ist es geschafft. Außer Puste, aber beeindruckt begutachten die Kinder ihren Erfolg. Und haben soeben die Zentrifugalkraft aus nächster Nähe erlebt. Denn im "Vaisseau", dem Straßburger Mitmachmuseum, geht es nicht um bloße Wissensvermittlung, sondern darum, die Dinge zu "begreifen". Alle Stationen werden auf Französisch, Deutsch und Englisch erklärt.
In die dunkle Höhle oder die Wasserwelt der Oase, auf die Baustelle oder in die Fabrik? Im Vaisseau haben Kinder die Wahl zwischen ganz unterschiedlichen Lern- oder Spielbereichen. Denn wie ein riesiger Spielplatz wirkt das Museum in Kinderaugen. Immer stehen Anfassen und Ausprobieren im Vordergrund. Aber immer machen die jungen Besucherinnen und Besucher dabei grundlegende wissenschaftliche und technische Erfahrungen. Geeignet ist das Museum insbesondere für Kinder zwischen drei und 12 Jahren. Aber nicht nur Kinder haben Spaß, auch Eltern können sich kaum zurückhalten, die Experimente selbst in die Hand zu nehmen.
Während die Jüngeren in der "Oase" kleine Schiffchen durchs Wasser schieben und dank kräftiger Kunststoffschürzen auch beim Schöpfen und Spritzen nicht nass werden, erproben Ältere die Gesetze der Physik: einen Wasserkreislauf aus Rohren bauen (sehr knifflig!), einen Ball auf einer Fontäne tanzen lassen oder ein Boot mit Wasserkraft antreiben.
Mindestens ebenso spannend finden die Größeren die "Fabrik", die sich Technik, Robotik und künstlicher Intelligenz widmet – und den Kindern Chancen und Grenzen der KI zeigt. In gläsernen Kästen stehen drei Roboter, pink-blau beleuchtet, Laboratmosphäre. Ein Touchscreen fordert dazu auf, den Roboter zu programmieren, so dass er Würfel in bestimmtem Muster stapelt. Objekt anheben, nach rechts bewegen, absetzen, neues Objekt nehmen. "Nein! Das war die falsche Reihenfolge", stellt Malou fest. Und auch der Roboter gibt ihm zu verstehen: so nicht. Kurz darauf aber hat Malou den Mechanismus durchschaut. Das elektronische Gegenüber vollführt einen kleinen Freudentanz – und baut nach Kinderwunsch die Würfel um. Code um Code arbeitet sich der Zehnjährige durch die Aufgaben. Die Fabrik ist ganz klar sein Lieblingsbereich. Ob beim Programmieren, beim Tic-Tac-Toe-Spiel gegen die KI oder bei der grundlegenden Frage: Kann ich KI und Mensch noch auseinanderhalten?
Bald geht es wieder weg von den Bildschirmen und Robotern – auf den Rollstuhlparcours. Oder für die Jüngeren auf die Baustelle für kleine Handwerkerinnen und Mauer. Mit Helm und Weste legen sie los: Schubkarren fahren, Bausteine im Seilzug transportieren, Wände bauen, die Gesetze der Statik erfassen. Da ist nicht nur Geschick gefragt, sondern auch Kooperation. Gleich nebenan führt die große Tür in den Garten mit Spielplatz, Bienenhaus und dem Klangpark, in dem man singenden Steine, Pfeifkissen und Klangbäumen ihre Töne entlocken kann.
Wenn die Kinder ihre reichliche Energie beim Hausbau, Wasserpumpen oder im Garten ausgeschöpft haben, dann ist die Zeit gekommen, den "Wald" zu erkunden. Mit seinen Denkspielen und Baumaterialien, Tischen und Teppichen eignet sich der Spielbereich, um zur Ruhe zu kommen. Dann nehmen sich die jungen Besucherinnen und Besucher die Zeit, geometrische Rätsel zu lösen, einen hölzernen Wald zu bauen oder den Spielteppich in einen Sternenhimmel zu verwandeln. Gleich anschließend schlüpfen sie in die "Höhle": Im abgedunkelten Raum dreht sich alles um Licht und Farben, wortwörtlich zum Beispiel beim Tanz der bunten Kreisel. Auf der Lichtinsel geht es darum, Farben zu mischen, eine phosphoreszierende Wand mit Licht zu bemalen und an der Löcherwand Leuchtbilder aus bunten Steinen entstehen zu lassen.
Eigentlich wollen wir schon gehen, da entdecken wir rechts des Ausgangs noch einen weiteren Spielbereich: "Abseits" heißt er und ist dem Sport gewidmet, besser gesagt: der Freude am Sport abseits von Sieg und Niederlage. An vielen Stationen können Kinder ab sieben Jahren E-Sportarten ausprobieren, sich wie Harry Potter im Quidditch messen, im Sitzen Fußball spielen oder im Laufen gegen Giraffe, Katze oder Bär antreten. Wie überall im Museum geht es auch hier inklusiv zu: unter anderem mit einem Boule-Spiel auf Tischhöhe, auf den Menschen mit und ohne Behinderung die Bälle über die Platte rollen lassen.
Le Vaisseau, 1 Bis Rue Philippe Dollinger, 67100 Straßburg, täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Tagespässe für Familien ab 40 Euro, Einzeleintritt 12 Euro, Kinder bis drei Jahre kostenlos, https://www.levaisseau.com
Weitere Mitmachmuseen in der Region präsentiert die App BZ-Lieblingsplätze, kostenlos für Abonnentinnen und Abonnenten: www.bz-lieblingsplätze.de
von Silke Kohlmann