Bühne

Woyzeck

Theater mobile Spiele

Wann
Di, 20. Januar 2026, 09:50 Uhr
Wo oder WAS
Kirchzarten
Marie-Curie-Gymnasium
Das THEATERmobileSPIELE ist ein freies, in Karlsruhe ansässiges und in ganz Baden-Württemberg agierendes Profi-Theater, das sich ausschließlich mobilen Theaterproduktionen widmet. Ein künstlerisches Aufgabenfeld ist dabei das Klassenzimmertheater.
Klassenzimmertheater meint, dass die Zuschauer - in diesem Fall Schüler - nicht zum Theater kommen, sondern umgekehrt das Theater in die Schule, das Klassenzimmer kommt.
Dabei sucht das Theater immer die intime, weil den Schülern sehr nahe Spielsituation.
Und nahe ist es sowohl physisch als auch psychisch, da es im gewohnten Umfeld der Schüler auftritt. Diese besondere Spielsituation ist im Sinne von ästhetischer Bildung bestens dafür geeignet, einen ge- und bewohnten funktionalen Alltagsraum mit neuen Blickwinkeln auf Welt aufzuladen, mit Phantasie in einen fiktionalen Raum zu verwandeln, als einen möglichen Ort für Geschichte(n) »erscheinen« zu lassen.
Die Inszenierung büchner.woyzeck. dauert 70 min. und wird von einem Schauspieler gespielt.
Meine Herren! meine Damen! Sehn sie die Kreatur, wie sie Gott gemacht, nix, gar nix.
Zeig' dein Talent! Zeig deine viehische Vernünftigkeit!
Georg Büchner, Woyzeck
WOYZECK ist die offene Wunde. Woyzeck lebt, wo der Hund begraben liegt, der Hund heißt Woyzeck. Auf seine Auferstehung warten wir mit Furcht und/oder Hoffnung, daß der Hund als Wolf wiederkehrt. Heiner Müller, DIE WUNDE WOYZECK
Ungefähr 30 Jahre nach dem Tod von Georg Büchner wurden die ersten Menschenschauen abgehalten, Menschen wie Tiere in Käfigen gehalten und ausgestellt.
Die Inszenierung von Regisseur Thorsten Kreilos nimmt diesen Sachverhalt als Ausgangspunkt, um sich dem Kosmos WOYZECK zu nähern. Woyzeck begegnet uns in diesem Sinne als »astronomisches Pferd«, als Ausstellungsstück, als Laborratte, als geschlagener Straßenköter.
Mit fiebrigen Augen durchwühlt er Kleiderberge, die textilen Überreste von Menschen, deren Blut in den Fasern klebt und die Geschichte von Gewalt erzählt, die der Mensch dem Menschen angetan hat, immer wieder und weiter antut. (Man denke nur an die zurückgebliebenen Schuh- und Kleiderberge in Auschwitz oder die Stofffetzen in den Straßen ukrainischer Städte.)
Diese Leichenkleider/Kleiderleichen sind auch die inneren Figuren der Geschichte Woyzecks. Er lässt sie nun vor unseren Augen wiederauferstehen: Wie Untote tauchen sie aus dem Kleidermeer auf: Marie, der Tambourmajor, der Doktor, der Hauptmann...
Wie in einem Traum spielt Woyzeck seine Erlebnisse, die andernorts und zu einer anderen Zeit in seiner Biografie real stattgefunden haben, noch einmal fast zwanghaft für sich durch.
Wir Zuschauer sind die Voyeure, die dieser »Menschenschau« beiwohnen.
Insofern wird der Marktschreier aus Büchners Dramenfragment zur dramaturgischen Klammer, zum Überbau: Woyzeck selbst wird in dieser Jahrmarktsbude ausgestellt.
Auf dem kapitalistischen Markt wird er zur zynischen Allegorie für die überall verratenen und verkauften Bastarde, für die wir kein Auge haben, die sich immer schon in den schattigen Ecken irgendwelcher Hinterhöfe herumdrücken, sich in Altkleider-Containern wegducken und ihrem eigenen Getrieben-Sein hinterherdackeln. DAS SIND WIR!
Man versenke sich einmal in das Leben des Geringsten!
Georg Büchner, Lenz
Das tut er mit Woyzeck - eben allegorisch und politisch kritisch.
Dieser Konzeption ist der Bezug zu Heute, ohne das tagesaktuell als Plattitüde zu meinen, wichtig.
Als Textgrundlage dient der Originaltext von Georg Büchner.
Die Zuschauer sitzen zwei bis drei Meter von dem hochintensiv spielenden Profischauspieler entfernt, was in dieser Intimität auch immer sehr sensible Spielmomente UND einen feinen Magnetismus im Spieler-Zuschauer-Kontakt ermöglicht.
Vor dem Hintergrund dessen, was ästhetische Bildung meint, ist es für uns darüber hinaus entscheidend, die Schüler mit BühnenSprache (Theatersemiotik) vertraut zu machen, auch zu kon-frontieren. Daher findet im Anschluss an jede Vorstellung ein Nachgespräch mit dem Schauspieler statt, das offen ist für alle Fragen zum Gesehenen oder dem Themenfeld Theater.
Die Theaterproduktion büchner.woyzeck. ist eine abendtaugliche Produktion, die auch für Schüler der Kursstufe an Gymnasien in Baden-Württemberg angeboten wird.
Bei Interesse von anderen Gymnasien kann über die Email-Adresse [email protected] weiteres Informationsmaterial angefordert werden.
(Wenn Sie diese Kontaktmöglichkeit veröffentlichen würden, würden wir uns sehr freuen.)
Quelle: Veranstalter

Veröffentlicht am Do, 15. Januar 2026 um 14:21 Uhr

  • Giersbergstraße 33
  • 79199 Kirchzarten

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