"Alles hat auch mit mir zu tun"

TICKET-INTERVIEW: Simon Aboud über "Der wunderbare Garten der Bella Brown" und Paul McCartney.

Früher drehte er Werbefilme, heute ist Simon Aboud (51) Kinoregisseur. Nach "Comes A Bright Day" bringt der Engländer mit "Der wunderbare Garten der Bella Brown" seinen zweiten Spielfilm auf die Leinwand, zu dem er auch selbst das Drehbuch verfasste. Markus Tschiedert sprach mit Simon Aboud.

Ticket: Wie ist Ihnen die Geschichte der Bella Brown eingefallen?
Aboud: Es ist sehr schwierig, mich daran zu erinnern, wann die Idee erstmals zündete. Als ich noch Werbefilme drehte, lernte ich mal einen Schotten kennen, der nie danach fragte, wie es einem geht, sondern stets: "Was machen die Blumen in deinem Garten?" Für ihn waren Blumen Metaphern für neue Ideen, die man hat. Ich mochte dabei die Vorstellung, dass der Garten eine Metapher fürs Leben sein kann. Aber wenn man sich damit erst mal beschäftigt, findet man heraus, dass Natur das Leben an sich darstellt. Du brauchst keine Metapher dafür.
Ticket: Aber eine Hauptfigur...
Aboud: Genau, so kam ich auf Bella Brown, die keinen Bezug zur Natur und damit auch keinen Bezug zu sich und ihren Träumen hat, bis sie auf drei verrückte Männer trifft, und jeder von ihnen bewässert sie auf seine Weise wie eine Blume.
Ticket: Welche der vier Hauptfiguren kommt Ihrer Persönlichkeit am nächsten?
Aboud: Eigentlich steckt in jeder Figur was von mir. Es ist mein erstes Drehbuch und fühlt sich autobiografischer an als alles andere, was ich jemals in Worte gefasst habe. Ich glaube, wenn man zum ersten Mal ein Drehbuch schreibt, ist es einem sehr nah. Man kann gar keine Distanz dazu aufbauen. So hat alles, was geschieht, irgendwie auch mit mir zu tun.
Ticket: Sie setzen sich in der Geschichte nicht nur mit Natur auseinander, sondern auch mit Büchern, Kochen und Dinge, zu denen wir im digitalen Zeitalter mehr und mehr den Bezug zu verlieren scheinen...
Aboud: Das stimmt, besonders beim Schreiben merkte ich, dass wir kaum noch Kontakt zur Natur haben. Viele beschäftigen sich nur noch mit Social Media und blicken überall nur noch in Bildschirme. Das finde ich sehr beängstigend. Auch dass kaum noch jemand eine Bücherei besucht und viele gar nicht mehr wissen, was das ist.
Ticket: Ihr Film wird gern mit "Die fabelhafte Welt der Amélie" verglichen, der 2001 von Jean-Pierre Jeunet gedreht wurde. Begrüßen Sie das oder stört Sie dieser Vergleich?
Aboud: Ich sehe natürlich ein, warum Leute diesen Vergleich anstellen. In beiden Fällen handelt es sich um ein modernes Märchen, und die beiden Hauptdarstellerinnen haben sogar den gleichen Haarschnitt. Dennoch habe ich das nicht angestrebt, und es sind tatsächlich zwei absolut verschiedene Geschichten. Ich liebe "Amélie" und freue mich über den Vergleich, sehe aber gleichzeitig, dass es auch daher kommt, weil moderne Märchen eher selten entstehen.
Ticket: Sie sollen schon als Neunjähriger davon geträumt haben, Filmregisseur zu werden. Warum sind Sie zuerst in der Werbebranche gelandet?
Aboud: Es ist keine Selbstverständlichkeit, Regisseur zu werden, und ein merkwürdiger Beruf, auch wenn es dafür Filmhochschulen gibt. Dennoch gelangen viele über Umwege zum Film, weil sie vorher beim Fernsehen waren oder Kurzfilme drehten. Ich dachte immer, dass ich durch die Werbung einen Zugang finden würde. Was mir auch gelungen ist, obwohl es letztlich eine völlig andere Branche ist.
Ticket: Durch Ihre Heirat mit Mary McCartney sind Sie jetzt mit einem der berühmtesten Männer unseres Planeten verwandt. Kommt Ihnen das manchmal noch komisch vor?
Aboud: Ja, das kann manchmal ziemlich merkwürdig sein (lacht). Merkwürdig deshalb, weil Paul in Wirklichkeit so ein normaler Typ ist, sehr liebenswert und humorvoll. Erst wenn man mit ihm wieder auf der Straße ist und Leute verwundert schauen, muss man sich klar machen: Ach ja, der Mann, mit dem du gerade noch einen Kaffee getrunken hast, ist ja Paul McCartney, einer der berühmtesten Menschen unseres Planeten.

von tsc
am Fr, 16. Juni 2017


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