Folk-Pop

Anna Ternheim in der Kaserne

Anna Ternheim präsentiert ihr Weitermach-Album "For the Young" in Basel.

Im sehr alten und sehr schönen Södra Teatern in Stockholm hat Anne Ternheim jüngst ihr neues Album "For the Young" präsentiert. Nun ist die 37 Jahre alte Sängerin und Songschreiberin auf Tour, die sie am Freitag zu einem Konzert nach Basel führt.

Das Theater hat für Ternheim eine besondere Bedeutung: "Hier habe ich das erste Konzert meiner ersten Tournee zu meinem ersten Album "Somebody Outside" gespielt." Elf Jahre ist das her, sie wurde schnell erfolgreich und hat ihn vielen Ländern ein treues, interessiertes Publikum. "Einerseits fühlt es sich an, als sei noch mehr Zeit vergangen seitdem", sinniert sie, "denn in meinem Leben ist seitdem ganz schön viel passiert. Andererseits ging es ganz schnell. Die Erinnerung ist noch sehr intensiv und präsent."

Der Lauf der Zeit, Veränderungen, Einschnitte, Triumphe, Tiefschläge und das Älterwerden – das sind die Themen, mit denen sich Ternheim in ihrem nun fünften Album auseinandersetzt. "Who said that youth is only for the young", singt die gebürtige Stockholmerin im Titelstück – wer sagt, dass die Jugend nur etwas für junge Leute ist?

Solche Fragen stellt, wer auf die 40 zugeht und von Natur aus etwas schwermütig veranlagt ist. "Es ist seltsam. Die Zeit vergeht, und meine Gefühle den meisten Situationen gegenüber sind immer noch die gleichen wie vor 20 Jahren. Du willst das Leben weiter mit jungen Augen anblicken, aber die Welt um dich herum schaut dich an wie eine Erwachsene. Ich bin immer stärker davon überzeugt, dass das Lebensalter der Seele nichts mit dem Lebensalter des Körpers zu tun hat."

Man sagt Ternheim aufgrund ihrer eher traurigen und düsteren Lieder nach, dass sie ohnehin eine alte Seele sei. Diesem Eindruck widerspricht sie, und diesen Eindruck macht sie auch nicht, wie sie ziemlich munter über ihr Leben spricht. "Meine Seele kann gar nicht alt sein, denn ich habe das Gefühl, dass meine Seele in New York zu Hause ist. Und New York ist eine Stadt, in der sich pausenlos alles verändert und erneuert." Seit Jahren hat Anna zwei Wohnsitze – einen in Stockholm, einen im East Village von Manhattan. "Stockholm steht für Beständigkeit, für alte Freunde. New York steht für das Chaos. Immer, wenn ich dort bin, fühle ich mich total daheim. Interessanterweise komme ich in New York besser zur Ruhe als in Stockholm."

Dass "For the Young" nach einer privat turbulenten Phase inklusive dem Ende einer Liebesbeziehung entstand, ist nicht zu überhören. "Vor allem ist es ein Weitermach-Album", sagt sie. "Wenn Liebe endet und du weiterziehst, dann ist das traurig. Aber du machst dich auch unvermeidlich auf einen neuen Weg." Das Schreiben der neuen Songs habe sie stark gemacht. "In meinem Kopf tobt immer so viel Zeug, Schönes, aber auch kompletter Mist. Dabei müsste ich mir doch keine großen Sorgen machen, ich komme aus einem ruhigen Land, habe zu essen und werde nicht von Bomben attackiert. Trotzdem mache ich mich oft selbst verrückt."

Produziert hat sie "For the Young" gemeinsam mit ihrem schwedischen Kumpel Andreas Dahlback. Es ist mehr denn je ein Anna-Ternheim-Werk. "Es fühlt sich nach mir an", sagt sie selbst. Manche Songs, wie das Titellied oder "Still a beautiful Day" sind groß und opulent produziert. Andere, etwa "Walk right in" und das abschließende "Just as Friends", beschränken sich ganz auf akustische Gitarre und Gesang.

Eine weitere Stärke sind die Melodien. Besonders ins Ohr geht "Caroline", ein Lied über eine Ex-Nachbarin, "die eines Tages auszog, um in Kalifornien ihr Glück zu suchen." Ob sie es gefunden hat, weiß Anna Ternheim genauso wenig zu beantworten wie die Frage nach ihrem persönlichen Glückslevel. "Das wechselt. Es gibt keine Gewissheiten. Ich weiß nur, dass ich mich gut fühle, wenn ich Musik machen kann."

Termin: Album: For the Young (Universal)
Konzert: Basel, Kaserne, Freitag, 8. April, 20.30 Uhr

von Steffen Rüth
am Fr, 08. April 2016


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