"Der beste schlechteste Film"

TICKET-INTERVIEW: James Franco über "The Room" und sein eigenes Biopic "The Disaster Artist".

2001 war er als James Dean in dem gleichnamigen Fernsehfilm zu sehen und ließ Hollywood aufhorchen. Sofort wurde James Franco (39) für den Gegenspieler von "Spider-Man" besetzt, mittlerweile ist er nach Erfolgen wie mit "127 Hours", "Plant der Affen: Revolution" und "The Interview" auch unter die Produzenten gegangen. In "The Disaster Artist" spielt er nun unter eigener Regie einen real existierenden Schauspielkollegen: Tommy Wiseau, der 2003 mit "The Room" einen der schlechtesten Filme aller Zeiten ablieferte. Markus Tschiedert traf James Franco in London.

Ticket: Wenn man sich die immense Liste Ihrer Filme und Filmprojekte als Schauspieler, Regisseur, Autor und Produzent ansieht, fragt man sich: Wie schafft er das alles?
Franco: Ja, ich war zuletzt ziemlich produktiv, was sicherlich damit zu tun hat, dass ich schon am Anfang meiner Karriere mit 17 gelernt habe, dass man ähnlich wie beim Sport immer nur so viel bekommt, wie man gewillt ist reinzugeben. Deshalb hatte ich es mir zum Prinzip gemacht, noch härter zu arbeiten, als ich es für möglich hielt.
Ticket: Dabei sind Sie dann wohl auch auf "The Room" gestoßen, der sich als schlechtester Film aller Zeiten einen Namen gemacht hat...
Franco: Nein, man nennt ihn den "besten aller schlechtesten Filme, die je gemacht wurden". Damit steht "The Room" schon mal neben der Riege der schlechtesten Filme, und zwar aus einem ganz bestimmten Grund. Schlechte Filme schaut man sich einmal und dann nie wieder an, doch "The Room" schauen sich Leute in allen großen Städten der USA seit über 14 Jahren einmal im Monat an. Das hat fast schon etwas Religiöses und sagt einiges über den Film aus.
Ticket: Und wie beurteilen Sie den Film?
Franco: Unter konventionellen Gesichtspunkten betrachtet, ist es ein schlechter Film mit grässlich geschriebenem Drehbuch, fürchterlichen Sets und schlimmen Darstellern. Verglichen mit einem Film wie "Dunkirk" ist wirklich alles schlecht. Aber ich nehme kaum an, dass es "Dunkirk" auf 14 Jahre bringt, um Leute in die Mitternachtsvorführung reinzuziehen. Da muss doch was sein, was sie an "The Room" finden.
Ticket: Und was könnte das sein?
Franco: Man könnte vermuten, dass sie nur was haben wollen, worüber sie sich lustig machen können. Aber wer jemals eine dieser Vorführungen besucht hat, spürt ein großes Gemeinschaftsgefühl. Sie sind so begeistert, wenn Tommy Wiseau das erste Mal auf der Leinwand erscheint. Man muss wissen, dass er einen ernsten Film drehen wollte, auch wenn er heute behauptet, er hätte "The Room" von vornherein als Komödie angelegt. Aber wenn man dann aufs Filmplakat "Ein Drama wie von Tennessee Williams" schreibt, hat man bestimmt keine Komödie drehen wollen.
Ticket: Was faszinierte Sie, darüber nun einen Film zu drehen?
Franco: Ich bin durch das Buch von Tom Bissell und Greg Sestero darauf gestoßen. Was in Albernheit hätte ausarten können, verwandelten sie zu einer universellen und berührenden Geschichte über Freundschaft und über Außenseiter, die in Hollywood ihren Traum verwirklichen wollen.
Ticket: Wie reagierte Tommy Wiseau selbst auf Ihren Film?
Franco: Tommy mag unseren Film. Ich bot ihm an, ihm den Film vorab zu zeigen, aber er wollte ihn zusammen mit 1000 anderen Zuschauern zum ersten Mal sehen. Inzwischen hat er den Film dreimal gesehen, der ihn wohl sehr berührt.
Ticket: Was verbindet Sie mit Wiseau, den Sie im Film spielen?
Franco: Wie Tommy wollte auch ich so sein wie James Dean. Ich habe ihn sogar verkörpert und sah mich als ernsthaften Schauspieler. Dann drehte ich eine Reihe von dramatischen Filmen, die aber nichts geworden sind. Nach der Komödie "Ananas Express", die meine Karriere beeinflusste, war ich mir nicht mehr zu fein, in Komödien mitzuspielen, und ich dachte bei mir, vielleicht habe ich mich selbst bisher falsch gesehen. Darum geht’s auch in diesem Film: Man muss lernen, sich so anzunehmen, wie man ist.























von tsc
am Fr, 02. Februar 2018

Info

THE DISASTER ARTIST

Regie: James Franco
Mit James Franco, Dave Franco, Seth Rogen, Alison Brie, Josh Hutcherson.
104 Minuten, frei ab 12 Jahren


Die Story

Die Außenseiter Greg (Dave Franco) und Tommy (James Franco) lernen sich bei einem Schauspielkurs kennen. Beide träumen von einer Hollywoodkarriere und wollen einen Film drehen, "The Room". Doch Tommys Allüren führen zur Katastrophe – bei der Premiere wird nur gelacht...  

Autor: bz


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