Zeitgenössische figürliche Malerei

Der Kunstverein Offenburg zeigt Arbeiten von Ruth Bussmann und Andreas Lau

Der Kunstverein Offenburg-Mittelbaden zeigt spannende figürliche Malerei mit Arbeiten von Ruth Bussmann und Andreas Lau / Vernissage an diesem Freitag, 19.30 Uhr.

OFFENBURG. Kasernenräume können ihre eigene Monotonie haben. Wer durch die Räume des Kunstvereins auf dem Kulturforum in der ehemaligen Ihlenfeld-Kaserne schreitet, spürt dagegen die Kunst von links und rechts auf sich wirken. Die aktuelle Hängung in der aktuellen Ausstellung im Kunstverein verzahnt die Arbeiten von Ruth Bussmann (geboren 1962 in Westfalen, Grafiklehre, Studium in Münster und Düsseldorf) und Andreas Lau (geboren 1964 in Karlsruhe, Studium an der dortigen Kunstakademie). Beide haben sich der menschlichen Figur verschreiben, beide arbeiten abstrakt, und sie schaffen ruhige, fast meditative Bilder.

Die zwei Künstler haben sich erst in der Vorbereitung für diese Ausstellung kennen gelernt. Doch trotz der strukturellen Gemeinsamkeiten sind die Bilder der Beiden völlig unterschiedlich: Ruth Bussmann malt junge, chic gekleidete Menschen, klar konturiert, abgewandt vom Betrachter, in einer puristisch reinen Umgebung. Andreas Lau malt Muster und Ornamente, aus denen er seine Figuren formt. Die Figuren oder Akte treten dadurch reliefartig aus der Fläche hervor, einem 3 D-Bild gleich. Beim Nähertreten verschwinden die Konturen der Figuren wieder im Raster aus Punkten, Stäbchen oder Quadraten. Andreas Lau malt nach Fotos, die ihn bewegen: Überlebende des Terroranschlags von 9/11 in New York etwa, oder Szenen aus der Nazizeit, ohne jedoch ein Thema konsequent zu verfolgen. Der Maler arbeitet virtuos mit Verdichtung und Farbkontrasten wobei die teils pastosen Farbelemente die Fläche wie einen mit weichem Stoff bespannten Körper aussehen lassen. Ganz besonders gelungen und in unendlich vielen Gelbschattierungen: sein Bild "Yellow Women (N.Y.C.)". Als Vorlage diente das Foto "Staubfrau", das um die Welt ging und die Amerikanerin Marcy Borders zeigt, die nach dem Einsturz der Zwillingstürme des WTC völlig staubbedeckt sich zu retten suchte. Ebenso beeindruckend das Großformat "Dust (N.Y.C.)", das drei Männer im Staubnebel der einstürzenden Zwillingstürme zeigt. Virtuos geht der Künstler mit dem Thema Akt um: Er zerlegt Männer und Frauen in Einzelteile und konstruiert so aus einzelnen Zeichen gut gebaute Körper, bedient sich frei auf der Farbpalette, das heißt mischt munter Pigmente in Leinöl und Wasser und konstruiert aus wiederkehrenden Mustern seine Figuren.

Für Ruth Bussmann ist alles Form und Farbe. Manche ihrer Figuren hat die Künstlerin kennen gelernt, weil sie sie angesprochen hat, wie etwa "Peggy", die durch ihre Haltung imponiert habe. "Ich sprach Peggy auf der Straße an, und sie hat mir Modell gestanden", sagt die Künstlerin. Meist hält sich Ruth Bussmann jedoch an Szenen, die sie fotografisch festgehalten hat, die aber keine inhaltliche Bedeutung für sie haben, sondern ihr nur formale Anreize geben. Dann begibt sich die Künstlerin unerbittlich an die Destillation der Essenz des Figürlichen. Der Hintergrund besteht meist aus wenigen horizontal angelegten Farbflächen, die die Figur(en) auf dem Bild aufwerten, mit Bedeutsamkeit aufladen. Haare und Kleidung sind die markanten Elemente, die große Kontraste bergen. Die Figuren sind in Bewegung eingefroren, sie hüpfen, gehen, schlendern, treten in Beziehung zueinander. Sie drehen teils dem Betrachter den Rücken zu und lassen den Blick in die entgegengesetzte Ferne schweifen. Das erzeugt Spannung. Der Betrachter kennt den Ort nicht, auf den sich alle hinbewegen. Die Figur verdichtet sich zum Zeichen in einer kaum undefinierten Stadtlandschaft.

Die Figur in der Malerei. Ruth Bussmann und Andreas Lau. Kunstverein Offenburg/Mittelbaden, Kulturforum an der Weingartenstraße, Amand-Goegg-Straße 2, Offenburg. Eröffnung an diesem Freitag, 15. September, 19.30 Uhr. Öffnungszeiten: Dienstag bis Feitag, 13 bis 17 Uhr; Samstag und Sonntag 11 bis 17 Uhr. Bis 22. Oktober. Netz: http://www.kunstverein-offenburg.de
von Eri Sieberts
am Fr, 15. September 2017


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