Musical

Der Musical-Thriller "Sweeney Todd" am Theater Freiburg

Stephen Sondheims Musical-Thriller "Sweeney Todd" am Theater Freiburg.

Normalerweise werden Regisseure von Intendanten gefragt, ob sie ein bestimmtes Stück inszenieren möchten. Bei Stephen Sondheims Musical "Sweeney Todd" (1979), das am Samstag die neue Opernsaison am Freiburger Theater eröffnet, war es umgekehrt.

Schon lange wollten Gary Joplin und Emma-Louise Jordan, die am Freiburger Theater bislang mit Jugendtanzproduktionen wie "Frühlingserwachen" oder "13" Akzente setzten, den musikalischen Thriller auf die Bühne bringen. Intendantin Barbara Mundel ließ sich gerne davon überzeugen, zumal die deutsche Erstaufführung im Jahr 1985 am gleichen Haus stattfand.

Auch die neue Produktion wird auf Deutsch gespielt. "Man sollte bei dieser Geschichte nicht immer auf die Übertitel schielen müssen", sagt Emma-Louise Jordan. Es passiert nämlich so einiges auf der Bühne. In dem nach einem Schauerdrama aus dem 19. Jahrhundert geschriebenen Musical (Libretto: Hugh Wheeler) kehrt der Barbier Benjamin Barker nach 15 Jahren Haft unter dem neuen Namen Sweeney Todd zurück nach London, um sich an seinem früheren Richter Turpin zu rächen. Der hatte ihn grundlos verurteilt, seine Frau Lucy vergewaltigt und seine Tochter Johanna als Mündel genommen. Sweeney Todd schneidet einem Kunden nach dem anderen mit seinem Rasiermesser die Kehle durch. Aus den Leichen macht seine neue Lebensgefährtin Mrs. Lovett leckere Pasteten, die ihrem Laden zu neuem Aufschwung verhelfen. Am Ende exekutiert Sweeney Todd auch Turpin, ehe er selbst sein Leben lassen muss.

Tim Burton hat das bluttriefende Musical 2007 mit drastischen Bildern verfilmt und gemäß der Vorlage um 1850 angesiedelt. Die Freiburger Inszenierung geht einen anderen Weg: "Wir versuchen, eine körperbetonte Version des Musicals zu zeigen. Die Menschen haben alle Verformungen, die wir im Kostüm und in der Spielweise zeigen. Es kommt sehr auf die Haltung jedes einzelnen an", sagt Gary Joplin. "Wir haben eine sehr stilisierte Körpersprache entwickelt, auch für den Chor", ergänzt Emma-Louise Jordan. "Wir möchten vor allem diese Groteske herausbringen. Die Menschen damals in London hatten extrem schlechte Lebensbedingungen. Deshalb sind sie in unserer Inszenierung regelrecht zusammengepfercht. Und agieren nicht mehr als Menschen, sondern eher als Ratten."

In einer konkreten Zeit möchten das vom Tanz kommende Regieduo den Schocker nicht ansiedeln, aber die Industrialisierung spielt eine Rolle in den drei großen Türmen, die das Bühnenbild von Thomas Rump prägen. Statt des Fleischwolfs stehen sie für das Räderwerk, in das die Opfer geraten. Die Türme sind beweglich, werden aber auch auf die Drehbühne gestellt. Es entsteht eine beängstigende Szenerie ohne sicheren Boden. "Wir beschäftigen uns mit den Themen Ausbeutung und Machtmissbrauch. Und wollen untersuchen, wie ganz normale Leute diese Aggressionen und Rachegelüste entwickeln können", sagt Jordan. Stilistisch ist das Musical nicht so weit weg von der Oper. Die meisten Dialoge sind gesungen. Zwischen Musik, Text und Handlung entsteht eine enge Beziehung.

Sondheim arbeitet sehr genau mit Stimmungen. Und hat sich dafür auch die musikalische Untermalung von Horrorfilmen angehört und zu eigen gemacht. Aber es gibt auch viele melodische Gesangsnummern, die in der Freiburger Besetzung ausschließlich von Opernsängern interpretiert werden. "Mit Derrick Lawrence als Sweeney Todd, Katerina Hebelková als Mrs. Lovett und Gabriel Urrutia als Turpin haben wir wunderbare Sängerdarsteller für die Hauptpartien – und auch die kleineren Rollen sind exzellent besetzt", schwärmt Gary Joplin. Und freut sich auf eine spannende, aber unblutige Premiere.

Termine: Freiburg, "Sweeney Todd", Theater, Großes Haus, Premiere: Sa, 24. Okt., 19.30 Uhr; zudem: 29. Okt., 6., 7., 14., 20., 27. Nov., 2., 4., 11. Dez., 10., 31. Jan., 12. März, jeweils 19.30 Uhr, 13. Dez., 15 Uhr; bz-ticket.de/karten

von Georg Rudiger
am Fr, 23. Oktober 2015

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