Moderne und postmoderne Malerei

Die Sammlung Hurrle zeigt in Durbach einen Überblick über die Landschaftsmalerei nach 1945

Rüdiger Hurrles Museum für aktuelle Kunst in Durbach zeigt wichtige Positionen eines unsterblichen Genres in der Nachtkriegskunst.

DURBACH. Die neue Ausstellung im Museum für Aktuelle Kunst in Durbach "Auf unbekanntem Terrain" behandelt das Thema "Landschaft" in der bildenden Kunst nach 1945. Gastkurator ist der Berliner Kunsthistoriker Ronald Puff, der auch schon die Präsentation von Norbert Tadeusz vor zwei Jahren eingerichtet hatte. Die mit über hundert Werken und Künstlern äußerst umfangreiche Schau vermittelt das Thema Landschaft in gut geordneter Weise.

Nicht die Chronologie bestimmt die Hängung, sondern ästhetische Kriterien führen zu einer Raumordnung, welche der Vielfalt und Diversität an bildnerischem Material einen Boden verleiht. Dokument, Expression, Poesie und Abstraktion bilden den Leitfaden, der jedes Werk exemplarisch und zugleich für sich stehen lässt. Im ersten Raum wird Landschaft dokumentiert, etwa der Himmel über dem Schwarzwald von Peter Dreher, der en bloc ("Tag um Tag ist guter Tag") Tagesstudien gemalt hat.

Der Landschaftsbegriff wird weit gefasst, eher in Richtung äußere Umgebung, denn Reifenstapel oder Stadtansichten in geschärft fotorealistischer Form von Andreas Orosz gehen über einen als Naturraum verstandenen Landschaftsbegriff weit hinaus, wogegen dieser Begriff in dem "jungen Bullen" von Johannes Grützke eine höchste Konkretisierung auf der anderen Seite findet. In dieser ersten Abteilung geht es in erster Linie um das Abbildhafte.

Dann erscheint die Malweise als Kriterium, wenn unter der Überschrift "Expression" das "Rapsfeld" von Rainer Fetting (1990/94), einem Vertreter der "neuen Wilden" oder "Hochsteinklippen" (1969) von Georg Baselitz, die "Sackgasse" (1987) von Karl Horst Hödicke zu sehen sind, aber auch von Wolfgang Mattheuer, einem prominenten Vertreter der Leipziger Malerschule, der Braunkohleabbau beschönigend dargestellt wird oder nebendran von Markus Lüpertz eine anmutige Nymphe (2014) am Bach sitzt.

Ergänzt wird die Schau durch einige Plastiken, darunter den "Mann am Fluss" von Hans Scheib. Unterschwellig schwingt hier die Zeit des in Ost und West getrennten Deutschlands mit.

Die poetische Landschaft führt vom Abbildlichen weg hin zum Vorgestellten, zur freien Erfindung mit den zauberhaften Arbeiten von Gerhard Altenbourg (1950 und 1975), Richard Oelze (Nachtzeit II, 1957) oder Roland Persson, der 10 000 Margeritenblüten unter dem Titel "love me, love me not" aus Silikon auf dem Boden installiert. In dieser Abteilung sind auch Arbeiten von dem Hamburger Künstler Horst Janssen, von Gabi Hamm oder der jungen Berliner Künstlerin Andrea Damp zu finden. In gewisser Weise ist der Besucher mit den Künstlern und ihren Arbeiten nun für die Abstraktion vorbereitet und gereift. Die "unsichtbare Landschaft" zeigt Arbeiten, die man mit Landschaft in Verbindung bringen kann, aber nicht muss.

Die früheste Arbeit "Orbis pictus", 1949 von Willi Baumeister geschaffen, ist ein zentrales Stück der Ausstellung wie der Sammlung Hurrle überhaupt, von dem gewissermaßen alles ausgeht. Wenn man dann die Arbeit "Rhein" von Peter Brüning, der Baumeister-Schüler war, und weiter den "Meeresgrund" (2017) von Hermann-Josef Kuhna sieht, ein flirrendes All-over-Stück mit innewohnender Struktur, darin ähnlich wie das All-over Rapsfeld in Aufsicht gemalt von Ralph Fleck, jedoch kleinteilig detailliert und gepunktet, wird der landschaftliche Malanlass geradezu nachrangig hinter der Machart. In jedem Fall lohnt der Besuch der Ausstellung. Das Thema wird in großer Breite präsentiert, erschöpfend kann es naturgemäß nicht sein.

"Landschaft in der Kunst nach 1945" im Museum für aktuelle Kunst, Sammlung Hurrle, Almstraße 49, 77770 Durbach. Tel. 0781 – 93201403, Mittwoch bis Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr. Ausstellungsdauer bis 2. Februar 2018. http://www.museum-hurrle.de
von Susanne Ramm-Weber
am Mo, 25. September 2017


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