"Er ist mir ans Herz gewachsen"

TICKET-INTERVIEW: Schauspieler Stefan Kurt über den alten Pettersson, Kater Findus, die Schweiz und Berlin.

In der Schweiz geboren, kam Stefan Kurt (58) einst nach Deutschland, um als Schauspieler Karriere zu machen. Zunächst am Thalia-Theater. Dann beim Film. Für seine Rollen in "Der Schattenmann" und "Gegen Ende der Nacht" wurde er mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Vor zwei Jahren übernahm der gebürtige Berner mit Wohnsitz Berlin die Rolle des Alten in "Pettersson & Findus – Das schönste Weihnachten überhaupt". Nun folgt mit "Findus zieht um" ein weiteres Kinoabenteuer nach der Kinderbuchreihe von Sven Nordqvist. Markus Tschiedert sprach mit Kurt.

Ticket: Wie sehr ist Ihnen der alte Pettersson ans Herz gewachsen?
Kurt: Das Ganze war als Trilogie angelegt. Somit war klar, dass nach einem zweiten Teil von "Pettersson & Findus" auch noch ein dritter Teil folgen würde. Im ersten Teil spielte noch Ulrich Noethen den Pettersson. Dann konnte er aus terminlichen Gründen nicht weitermachen, und ich habe übernommen. Damit ist die Trilogie abgeschlossen. Natürlich ist mir dieser Pettersson nach zweimaligem Spielen schon ein bisschen ans Herz gewachsen.
Ticket: Wie würden Sie ihn beschreiben?
Kurt: Er ist knurrig, er ist eigen, eben ein Eigenbrötler. Trotzdem hat er ein sonniges Gemüt und eine Grundliebe zu seinem Partner Findus. So stelle ich mir die Beziehung zwischen einem Kind und seinen Eltern vor: dass es sich vom Grund seiner Seele aus angenommen und geliebt fühlt.
Ticket: Also ist Pettersson eine Vaterfigur?
Kurt: Vielleicht ist das der Grund, warum Kinder diese Figur so lieben. Pettersson ist nicht so spießig wie andere Erwachsene. Man kann mit ihm Streiche machen, er ist genauso neugierig wie Findus, und man kann mit ihm lachen. Manchmal ist er auch sauer und versucht, Findus zu erziehen, aber die Zuneigung zu ihm bleibt immer bestehen.
Ticket: Findus ist ein kleiner Kater, der beim Drehen nie anwesend ist. Ist es Ihnen beim zweiten Mal leichter gefallen, sich einen imaginären Spielpartner vorzustellen?
Kurt: Nein, das ist mir nicht leichter gefallen. Ich wusste beim zweiten Mal nur, was auf mich zukommt. Das ist eine sehr ungewohnte und technische Angelegenheit. Als ich Teil II gesehen hatte, dachte ich, vielleicht kannst du noch was verbessern. Eigentlich ist es eine Doppelbelastung, weil ich zwei Figuren spielen muss. Nicht nur den Pettersson, sondern auch den Findus. Je besser ich auf Findus reagiere und ihm eine Vorlage gebe, desto besser kann er animiert werden. Das ist so eine Art Schizophrenie.
Ticket: Mit welchen Kinderfiguren sind Sie groß geworden?
Kurt: In der Schweiz gab es Papa Moll, Globi, aber auch Fix & Foxi, und von den Amerikanern Donald Duck und Micky Maus. Mit diesen Figuren bin ich aufgewachsen, und natürlich auch mit dem Fernsehen, wo Sendungen wie "Wir Kinder von Bullerbü" und "Augsburger Puppenkiste" liefen.
Ticket: Wie sehr sind Sie in der Schweiz verwurzelt?
Kurt: Ich lebe seit 20 Jahren in Berlin, fahre aber oft noch in die Schweiz. Mein Bruder wohnt dort, und in Bern besuche ich gern alte Freunde. Bestimmt drei- bis viermal im Jahr. Zuletzt habe ich auch viel in der Schweiz gedreht und Theater gespielt.
Ticket: Was hat Sie vor 20 Jahren nach Berlin gezogen?
Kurt: Die Neugier! Ich war neun Jahre fest am Hamburger Thalia-Theater. Und als Jürgen Flimm 1998 aufgehört hat, war das wie eine Zäsur. Ich sagte mir, wenn du noch mal eine neue Stadt entdecken willst, dann mache es jetzt. München war zu nah an der Schweiz, Frankfurt lag mir nicht, also blieb nur noch Berlin übrig.
Ticket: Da herrschte noch Aufbruchsstimmung in der Hauptstadt.
Kurt: Gut, die Mauer war damals auch schon fast zehn Jahre weg, es gab noch mehr Baulücken, Technoclubs schossen wie Pilze aus dem Boden, und ich kaufte mir eine Wohnung in Schöneberg. Damals konnte man sich das noch finanziell leisten. Ich fühle mich in meinem Kiez immer noch sehr wohl.

von tsc
am Fr, 14. September 2018

Info

Pettersson & Findus – Findus zieht um

Regie: Ali Samadi Ahadi
Mit Stefan Kurt, Marianne Sägebrecht, Max Herbrechter, Roxana Samadi und anderen.
81 Minuten, ab 0 Jahren
Die Story
Kater Findus freut sich über seine neue Matratze und springt darauf den ganzen Tag herum. Der alte Pettersson (Stefan Kurt) ist genervt. Um wieder Ruhe zu haben, baut er Findus ein eigenes Spielhaus.  

Autor: bz


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