"Open Art"

Kunstfestival an mehr als 40 Orten im gesamten Stadtgebiet

Künstler aus der Region organisieren und stellen aus. Bis zum 22. Mai gibt es Ausstellungen und Aktionen.

Gerhilt Haak steht unter einem Hingucker: Zahllose Blüten und Blütenblätter, in ihren leuchtenden Farben konserviert zwischen transparentem, kreisförmig geschnittenem Papier – Haak hat die filigranen Blumenmuster zu einem Schirm arrangiert, unter dem man bei jedem Wetter Frühlingsgefühle entwickeln kann… Die Künstlerin und vier weitere Absolventinnen der Edith Maryon Kunstschule sind am Samstag mit ihrer mobilen Ausstellung in Freiburg unterwegs. Das Quintett gehört zu den mehr als 50 Mitwirkenden beim Kunstfestival "Open Art".

An mehr als 40 Orten im Stadtgebiet wird Kunst in ihren verschiedensten Ausprägungen und Aussageformen präsentiert, die Bandbreite reicht von der Performance über Musik bis zur Skulptur.

Hingucker: Genau das will "Open Art" bieten. Einerseits fließen Kunstwerke ins alltägliche Stadtbild mit ein, andererseits wird die Stadt Teil des Kunstwerks – wenn etwa der Stadtgarten Schauplatz einer Installation aus farbigem Reis wird. Die Initiatoren des Festivals, eine Gruppe von Künstlern aus der Region, wollen damit "die Menschen näher an die Kunst heranlassen", wie es Alfonso Lipardi, einer aus dem Organisationsteam, formuliert. Zugleich werde den Künstlern eine Möglichkeit gegeben, mit ihren Arbeiten in der Öffentlichkeit sichtbar zu werden. "Zur Schaffung von Kunst gehört letztlich auch ihre Präsentation", meint auch Theo Hofsäss. Der Medientechniker am Uniklinikum organisiert dort ehrenamtlich Ausstellungen. Auch die Kinderklinik ist als Raum für Kunstwerke beim Festival dabei: Gezeigt werden Aquarell-und Acrylwerke von Sanvja C. Bühler.

Neben den schnell zu entdeckenden Kunstwerken lassen sich im Rahmen des "Open Art" auch eher versteckte Schätze entdecken. Wer das Festivalprogramm genauer studiert, findet etwa den Hinweis auf die katholische Universitätskirche: Hier ist während der gesamten neun Tage des "Open Art" die Objektkunst von Petra Annemarie Schleifenheimer zu betrachten. "Im Spiegel des Augenblicks" lautet der Titel, der über Installation steht. Auf den Kirchenbänken sind Bücher arrangiert, in deren Seiten kleine Spiegel eingearbeitet sind. Die Reflektoren inspirieren – gerade am sakralen Ort – auch zur eigenen Reflexion …

Schon am ersten Wochenende des Festivals erfährt die Idee, Kunst im Alltag zugänglich zu machen, einiges Interesse. "Das hat etwas ganz Lebendiges", meint etwa Katharina Vajna. Die 32-Jährige kennt selbst einige der Künstler des "Open Art" – "und ich hoffe, dass auch andere Menschen gerade für junge, unverbrauchte Kunst angesprochen werden". Monika Hagen (26) findet, dass man durch die Auseinandersetzung mit Kunstwerken "einen wacheren Blick bekommt": "Der Mensch wird da aus seinem alltäglichen Leben rausgezogen." Sie selbst interessiere sich vor allem für Performances: "Mich fasziniert die Bewegung in der Jetztzeit." Und auch der Lokalverein Innenstadt hält einiges vom Konzept des "Open Art", wie die stellvertretende Vorsitzende, Anca Rosler-Koslar, am Rande der Eröffnung des Festivals betont: "Dass der öffentliche Raum für Kunst-und Kulturzwecke genutzt wird, das ist eine Bereicherung für die Innenstadt."

"Open Art" läuft noch bis einschließlich Sonntag, 22. Mai. Das Programm kann man im Internet einsehen: http://www.open-art.org
von Bettina Gröber
am Di, 17. Mai 2016


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