Die schöne und das Biest

Luke Evans: „Den Stier bei den Hörnern packen“

TICKET-INTERVIEW: Luke Evans über Karriere, Theater und das "verrückte Business Kino".

Mit einem Musical fing für Luke Evans (37) vor 15 Jahren alles an. In London sang und spielte er auf der Bühne eine Hauptrolle in Boy Georges "Taboo" und wurde sogleich für den Film entdeckt. Zuerst gab es Nebenrollen in "Kampf der Titanen" und "Robin Hood", schon bald aber Hauptrollen: in "Der Hobbit", "Dracula Untold" und "High-Rise". Singend erlebt man den Waliser nun auch in Disneys Realverfilmung von "Die Schöne und das Biest", und zwar als schurkischer Gaston. Markus Tschiedert sprach darüber mit ihm.

Ticket: Wie fühlt es sich an, auch auf der Leinwand singen zu dürfen?
Luke Evans: Endlich, dachte ich! Schließlich hat meine Karriere als Sänger angefangen. Das war ein richtiges Geschenk für mich. An jedem Drehtag ging ich ans Filmset und konnte es nicht erwarten, wieder aus voller Lunge zu singen. Bei diesem Film mitzumachen, war für mich die beste Zeit, die ich je hatte.
Ticket: Wie alt waren Sie, als Sie Disneys Zeichentrickversion von "Die Schöne und das Biest" sahen?
Evans: Ich muss etwa zwölf Jahre alt gewesen sein, als ich den Film mit meiner Mutter gesehen habe. Es ist eine wunderschöne Story mit Figuren, die sich im Laufe der Handlung wandeln. Gaston ist anfangs ein liebenswerter Schelm, doch am Schluss offenbart sich sein fieser Charakter. Für mich ist er eine der unverkennbaren Disney-Schurken, und es war ein Privileg, ihn in menschlicher Gestalt noch einmal zum Leben erwecken zu dürfen.
Ticket: Dabei gab es erst vor drei Jahren eine deutsch-französische Verfilmung...
Evans: Ja, die habe ich gesehen. Sie war sehr schön und fantastisch. Anfangs wurde auch darüber nachgedacht, unseren Film in Frankreich zu drehen, aber das kleine französische Dorf wurde dann doch in den Shepperton-Studios in London aufgebaut.
Ticket: Was lieben Sie an Ihrem Job?
Evans: Dass man so viel Spaß haben kann. Man kann in einem Independent-Film wie "High-Rise" fünf bis sechs Szenen an einem einzigen Tag drehen. Dann findet man sich auf einem Filmset wie zu "Fast & Furious" wieder, für den sechs Monate veranschlagt sind. Man verbringt Tage im Hotel, bis man mal wieder eine Szene drehen soll. So unterschiedlich geht es in diesem verrückten Business zu, aber genau das liebe ich daran.
Ticket: Stehen Sie manchmal auch noch auf der Theaterbühne?
Evans: Das ist Jahre her. Ich würde gern wieder Theater spielen. Aber man muss auch das richtige Stück, die passende Rolle und einen Regisseur finden, mit dem man gut kann.
Ticket: Wie findet man das – auch beim Film?
Evans: Man muss viel lesen, weshalb ich kaum noch dazu komme, ein normales Buch in die Hand zu nehmen.
Ticket: Würde Sie eine Rolle akzeptieren, nur um in einem Land drehen zu können, wo Sie schon immer mal Urlaub machen wollten?
Evans: Momentan bin ich mich in meiner Karriere an einem Punkt, an dem ich das verneinen würde. Aber ich finde auch nichts Verwerfliches daran, es zu tun, wenn man damit eine gute Zeit haben könnte.
Ticket: An welchem Punkt Ihrer Karriere sind Sie denn gerade?
Evans: Noch bin ich dabei, die Karriereleiter hochzuklettern. Ich versuche, mir etwas aufzubauen, worauf ich stolz sein kann. Deshalb sind das Thema eines Films, der Regisseur und das Drehbuch wichtiger als der Drehort. Ich will ungewöhnliche und immer wieder andere Rollen spielen. Das ist der Weg, den ich beschreiten muss.
Ticket: Haben Sie schon immer einen Karriereplan verfolgt?
Evans: Nein – die meisten wichtigen Stationen ergaben sich durch glückliche Umstände. Man muss den Stier natürlich auch bei den Hörnern packen und darf sich nicht zu schade sein, einem Besetzungsagenten auch mal zu schreiben: "Ich habe gehört, dass sie gerade ein Stück besetzen. Bitte laden Sie mich ein, auch wenn Sie mich nicht kennen." So habe ich es jedenfalls gemacht. Ich durfte dann vorsprechen, wurde dem Regisseur vorgestellt und durfte auf der Bühne in einem Musical mitspielen.


von tsc
am Fr, 17. März 2017


Badens beste Erlebnisse