Gespräch

Propagandagespräch und Performance mit und von Dean Hutton in der Basler Kaserne

Dean Hutton beim ersten Propagandagespräch mit Boris Nikitin und Performance in der Basler Kaserne.

Am Anfang jeder Veränderung der Öffentlichkeit steht ein Coming-Out. Ein Mensch geht raus, stellt seinen Körper aus, macht sich sichtbar, hörbar, angreifbar. Kurz: verwundbar. Doch die Verwundbarkeit unterläuft durch diesen Akt des Zeigens zugleich einer Umwertung. Sie wird von einem vermeintlichen Mangel plötzlich zu einer Fähigkeit: Vulner-ability! Die Fähigkeit, verletzbar, angreifbar und sterblich zu sein.
Im Vorfeld der vierten Ausgabe des Festivals "It’s The Real Thing!" (vom 10. bis 14. April 2019) taucht Regisseur und Autor Boris Nikitin im Rossstall II der Kaserne Basel in einer mehrteiligen, nicht-fiktionalen Gesprächsreihe ab in die Grauzonen des Öffentlichen, in denen Realitäten immer wieder neu getestet und erfunden werden.
Als Geprächsgäste eingeladen wurden unter anderem Didier Eribon (Soziologe), EXIT (Sterbehilfsorganisation), Milo Rau (Regisseur/Aktivist), Christian Weissgerber (ehemaliger Neonazi, heute feministischer Kulturwissenschaftler), Vera Lengsfeld (ehemalige Grünenpolitikerin, heute Mitherausgeberin der Achse des Guten und der Erklärung2018).
Im ersten seiner Propagandagespräche am Samstag, 20. Oktober, 18 Uhr, zum Thema "Macht und Verwundbarkeit I" trifft Nikitin auf die umstrittene südafrikanische Fotojournalistin, Aktivistin und Performancekünstlerin Dean Hutton. Hutton kämpft mit ihren schillernden und kontroversen Aktionen in ihrem Land für einen von kolonialer und patriarchaler Gewalt befreiten öffentlichen Raum. Das offensive Mittel, das sie dabei zum Einsatz bringt und das sie agitatorisch als Fat Queer Trans White bezeichnet, ist immer wieder der vielleicht verwundbarste Rohstoff überhaupt: ihr eigener Körper.

Hutton provoziert, riskiert, geht an Grenzen. Während der StudentInnenproteste im Jahr 2016 sorgte sie mit ihrer Aktion Fuckwhitepeople für Aufsehen und zugleich Streit innerhalb der Protestgemeinde. Doch vor allem kämpft sie für ein Recht, ohne das ein gewaltfreier Raum strukturell nie denkbar ist: das Recht auf Andersartigkeit. Mit Dean Hutton porträtiert Boris Nikitin im ersten Propagandagespräch eine außergewöhnliche und streitbare Persönlichkeit, deren Biografie über den südafrikanische Kontext hinausreicht.

Am Sonntag, 21. Oktober, 17 Uhr, präsentiert Dean Hutton, ebenfalls im Rossstall II der Basler Kaserne, ihre "Lecture Performance Plan B: A Gathering of Strangers (or) This is not working". Die Veranstaltung ist Teil von "Lust am Widerspruch".

von BZ/Foto: Dean Hutton
am Di, 16. Oktober 2018


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