Kino-Interview

Regisseur Ridley Scott über seinen neuen Science-Fiction-Film „Alien: Covenant“

TICKET-INTERVIEW: Regisseur Ridley Scott über seinen neuen Science-Fiction-Film "Alien: Covenant".

"Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt" revolutionierte 1979 nicht nur das Science-Fiction- und Horrorfilm-Genre, sondern bedeutete auch für den Regisseur Ridley Scott einen wahnsinnigen Karriereschub. Jetzt kehrt der 79-jährige Brite mit "Alien: Covenant" in die Welt der unheimlichen Wesen zurück. Markus Tschiedert traf Sir Ridley Scott in Berlin.

Ticket: Ihr neuer Film ist handlungsmäßig zwischen "Prometheus" und Ihrem ersten "Alien"-Film angesiedelt. Was bedeutet der Untertitel "Covenant"?
Scott: Es ist der Name des Raumschiffs, und diese haben in der "Alien"-Mythologie stets eine Bedeutung. Nach Prometheus und Nostromo (so hieß das Schiff von 1979, Anm. d. Red.) ist es nun die Covenant. Das Wort steht für den Bund, den Passagiere und Crew bei ihrer Suche nach einer neuen Welt miteinander eingegangen sind.
Ticket: In "Alien: Covenent" geben Sie Antworten darauf, woher die Aliens einst kamen und wer sie erschaffen hat. Hatten Sie dieses Konzept schon 1979 in Kopf?
Scott: Der Film von 1979 stellte einige Rätsel auf, aber keiner der drei Fortsetzungen stellte je die passenden Fragen dazu. Es ging immer wieder nur darum, die Aliens abzuknallen. Nun kam ich mit dem Vorschlag, ich könnte die "Alien"-Filmreihe reaktivieren, indem ich diese Fragen beantworte.
Ticket: Haben Sie eine Meinung zu den drei "Alien"-Filmen, die von 1986 bis 1997 ohne Sie entstanden sind?
Scott: Ja. Aber ich werde darüber nichts sagen, nicht das Geringste.
Ticket: Ist es eigentlich so etwas wie Liebe, die Sie für Ihr geschaffenes Weltraummonster empfinden?
Scott: Nein, denn ich bin ja weitergegangen und habe auch viele andere Filme gedreht, zuletzt "Der Marsianer". Eine der schwierigsten Aufgaben war die Frage, wie das Monster aussehen soll. Wir hatten bereits Vorstellungen davon, aber wir wollten es nur schemenhaft zeigen. Je mehr man zeigt, desto weniger furchteinflößend ist ein Monster.
Ticket: Hätten Sie sich 1979 träumen lassen, dass das Alien nach fast 40 Jahren im Kino immer noch so verehrt werden würde?
Scott: Durch meine ersten vier Filme habe ich viel gelernt. Mein allererster Film "Die Duellisten" gewann in Cannes einen Preis, "Alien" war mein zweiter Film und ein riesiger Erfolg. Daraufhin drehte ich "Blade Runner" und "Legende", die beide floppten und für die ich dermaßen kritisiert wurde, dass ich mir damals geschworen habe, ich werde nie wieder Kritiken über meine Filme lesen.
Ticket: Das muss Sie also ziemlich verletzt haben...
Scott: Ich vergleiche mich gern mit einem Maler, der in einem großen Raum vor sich hinarbeitet. Wenn er am nächsten Tag sein Werk erneut besichtigt, wird er es entweder hassen und neu beginnen oder es weiterhin gut finden. Als Filmemacher muss ich genauso vorgehen. Ich kann nur meiner eigenen Kritik folgen, nicht der von anderen.
Ticket: Wie soll es mit der "Alien"-Filmreihe weitergehen?
Scott: Der nächste Film ist bereits geschrieben. Zwei sollen erst einmal noch folgen – wieder mit dem Titel "Alien" und einem Zusatz. Wir wissen ganz genau, wohin wir wollen. Das Interessante an Science-Fiction ist, dass alles, was man einbezieht und zufügt, einen Sinn ergeben muss. Jede weitere Idee muss sich erklären lassen, ansonsten wird daraus nur ein Scheiß aus Action.
Ticket: Sie wissen also schon, wie Sie die ganze Saga zu Ende bringen werden?
Scott: Das weiß ich nicht, denn es ist ein Entwicklungsprozess und bleibt ungewiss. Ich denke immer nur vor einer Produktion zur nächsten. Mein Plan ist es, keinen Plan zu haben, aber irgendwas wird passieren und Fox, das Filmstudio, vertraut mir in dieser Hinsicht.

von tsc
am Fr, 19. Mai 2017


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