Ticket-Interview

Schiller in der Rothaus-Arena

TICKET-INTERVIEW mit Christopher von Deylen über das Schiller-Album "Future".

Vier Jahre hat sich Christopher von Deylen Zeit gelassen für "Future", das aktuelle Album seines Projekts Schiller, das für atmosphärischen elektronischen Pop steht. Im Interview mit Stefan Rother erzählt der 45-Jährige von seinem neuen Wohnort, der Arbeit mit Sharon Stone und wie er seine Musik beim Konzert in Freiburg inszeniert.

Ticket: Ihr aktuelles Album trägt die Zukunft im Titel und Sängerin Kéta Jo McCues wünscht sich zu Beginn "Mehr Liebe und weniger Hass". Was für ein Bild der Zukunft wollen Sie zeichnen?
Von Deylen: Ich freue mich sehr auf die Zukunft, denn wir haben ja die Kraft, sie zu gestalten. Meine Musik ist im Idealfall der Soundtrack zu einem individuellen "Film im Kopf", und im Falle von "Future" darf es gerne hier und da optimistisch klingen.
Ticket: Die offenkundigste Veränderung seit dem vorangegangenen Album ist Ihr Umzug in die Mojave-Wüste. Wie hat das die Produktion und Stimmung des Albums beeinflusst?
Von Deylen: Die Abwesenheit von allem hat mich sehr gereizt. Die karge Landschaft und die endlose Weite des Himmels haben mir sehr dabei geholfen, eine klare Klangwelt zu entwickeln. Ich habe sehr lange und sehr gerne in Berlin gelebt, aber das Grundrauschen der Großstadt wurde mit der Zeit immer lauter und hat es mir immer schwerer gemacht, mich auf Musik und neue Klänge zu konzentrieren. Das neue Album klingt natürlich nach wie vor nach Schiller, ist aber in der Umsetzung noch intensiver geraten.
Ticket: Auf "Future" finden sich wieder zahlreiche neue Gastsänger, darunter auch einige bislang unbekannte Stimmen. Wie stoßen Sie auf diese, wie erfolgt die Auswahl?
Von Deylen: Da gibt es kein Patentrezept (lacht). Ich versuche, dem Leben mit großer Offenheit und Neugier zu begegnen. Auf diesem Weg begegne ich immer wieder sehr interessanten Stimmen und Künstlern. Bei der Auswahl und dem Kompositionsprozess kommt es dann darauf an, möglichst emotional und intensiv mit der Musik umzugehen. Ich lasse mich dabei immer gerne überraschen, denn genau das macht den Reiz eines neuen Albums aus. Man weiß nie genau, wo die Reise hingeht. Sie geht aber auf jeden Fall immer weiter.
Ticket: Alles andere als unbekannt ist dagegen Hollywood-Ikone Sharon Stone. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Von Deylen: Das war eine Begegnung, die man beim besten Willen nicht hätte voraussagen können. Ich habe mich ja in einem anderen Teil der Welt aufgehalten, in dem man jetzt nicht auf mich gewartet hat. Ich habe im Prinzip bei Null angefangen, aber schnell viele Mitstreiter gefunden, mit denen ich dann im Studio gearbeitet habe. Und irgendwie scheint es sich herumgesprochen zu haben, so dass auf einmal Sharon Stone – die Schiller kannte, was ich nicht wusste – durch ihren Agenten fragen ließ, ob ich nicht Lust hätte, einen ihrer Texte zu vertonen. Da fing die Überraschung schon an, weil ich natürlich nicht wusste, dass Sharon Stone Songtexte schreibt. Zumal man bei Schauspielern ja eher denkt, dass das Bestreben dahingeht, zu singen. Dass sie aber einen Text geschrieben hatte, fand ich da umso spannender.
Ticket: Wie planen Sie die Umsetzung des Albums auf der Tour?
Von Deylen: Die neue Tour wird eine wunderschöne Reise aus Licht und Klang. Das Licht- und Bühnendesign wird das bisher aufwendigste. Die Zuschauer können für einige Stunden den Alltag vergessen und in den Schiller-Surround-Sound eintauchen. Dazu werden wunderbare Gastkünstler mit dabei sein.
Ticket: Wie jedes "Schiller"-Album wird "Future" im Netz leidenschaftlich diskutiert. Einige Fans sind begeistert, andere beklagen den Sound oder die ihrer Ansicht nach zu poppige Ausrichtung. Verfolgen Sie solche Diskussionen oder blenden Sie diese vollkommen aus?
Von Deylen: Das blende ich aus. Ich versuche zu jedem Zeitpunkt genau die Musik zu erschaffen, die ich fühle. Dass dabei nicht immer dasselbe herauskommen kann, versteht sich ja eigentlich von selbst. Dabei geht es nicht um eine generelle Ausrichtung oder Richtungsbestimmung, sondern um eine Momentaufnahme. Wer weiß, wie das nächste Schiller-Album klingen wird. Ich lasse mich überraschen.

Termin: Freiburg, Rothaus-Arena, Sonntag, 9. Oktober, 20 Uhr
von rot
am Fr, 07. Oktober 2016

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